Alpine A310 Vision. Die dritte im Bunde.

Alpine erinnert auf dem Pariser Autosalon an einen seiner ungewöhnlichsten Sportwagen. Die A310 Vision greift die Keilform des französischen Klassikers auf und interpretiert sie mit modernen Materialien und einigen überraschenden Details neu. Gleichzeitig arbeitet Alpine an einem neuen 2+2-Sitzer, der bis 2030 auf den Markt kommen soll.

Die Alpine A310 hatte es von Anfang an nicht leicht. Als sie 1971 vorgestellt wurde, stand neben ihr bereits die kleine, leichte und im Rallyesport erfolgreiche A110. Die A310 sollte mehr Komfort und Platz bieten, ohne den sportlichen Charakter der Marke aufzugeben. Mit ihrer flachen Keilform, der großen Heckscheibe und zunächst sechs Scheinwerfern hinter einer gemeinsamen Abdeckung wurde sie zu einem der eigenständigsten französischen Sportwagen ihrer Zeit.

A310 Vision 4

55 Jahre später holt Alpine die A310 wieder ins Rampenlicht. Gefeiert werden dabei gleich zwei Jubiläen: 55 Jahre seit der Vorstellung des ursprünglichen Vierzylindermodells und 50 Jahre seit dem Debüt der A310 V6 im Jahr 1976. Beide Varianten dienten den Designern als Vorbild. Die Studie verbindet die klaren, geometrischen Formen der frühen Modelle mit den breiteren Kotflügeln der späteren Sechszylinderversion.

Bei der Entwicklung verließ sich das Team nicht allein auf historische Zeichnungen und Fotografien. Eine originale A310 stand mitten im Alpine-Designstudio und diente als unmittelbare Vorlage. Ausgehend von Handskizzen entstand eine Neuinterpretation, die zeigt, wie der Sportwagen mit heutigen Gestaltungsmöglichkeiten aussehen könnte.

Sechs Scheinwerfer, neu gedacht

Die A310 Vision übernimmt die Keilform ihres Vorgängers, treibt deren Proportionen allerdings erheblich weiter. Die Studie misst 4,55 Meter in der Länge und lediglich 1,18 Meter in der Höhe. An der breitesten Stelle des Hecks kommt sie auf 2,03 Meter, während der Radstand mit 2,45 Metern vergleichsweise kurz ausfällt.

Der Vorderwagen ist extrem flach gezeichnet. Eine ausgeprägte Luftführung in der Motorhaube, der sogenannte S-Duct, soll die Strömung verbessern. Besonders interessant ist die Lösung für die Scheinwerfer. Sie sitzen zunächst verborgen in einer Vertiefung der Front und werden beim Start durch einen sogenannten Pop-down-Effekt sichtbar.

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A310 Vision 3

Damit erinnert Alpine an die sechs Scheinwerfer der frühen A310, ohne deren Gestaltung einfach zu übernehmen. Ob eine derart aufwendige Lösung jemals in Serie gehen könnte, ist eine andere Frage. Für eine Studie funktioniert sie ausgezeichnet.

Aluminium und eine transparente Kuppel

Die Karosserie besteht aus Aluminium und trägt eine schmale, durchgehende Kontur entlang der Flanken, die Alpine als Y-zero-Element bezeichnet. Der schwarz abgesetzte untere Karosseriebereich ist vom Formel-1-Rennsport inspiriert und lässt den Wagen optisch noch flacher erscheinen. Darüber spannt sich eine halbtransparente Kabinenkuppel, die weit nach hinten reicht.

Auch die Räder spielen mit der Geschichte der Marke. Ihre dreieckigen Elemente zitieren das Alpine-A und erinnern zugleich an die weitgehend geschlossenen Räder früher A310-Versionen. Am Heck sitzt ein zweigeteilter Flügel, dessen Gestaltung laut Alpine von Eisformationen und Berglandschaften inspiriert wurde. Die lamellenförmigen Rückleuchten übernehmen gleichzeitig aerodynamische Aufgaben und sollen zusätzlichen Abtrieb erzeugen.

A310 Vision 2

Beim Innenraum hält sich Alpine noch zurück. Durch die transparente Karosserie lassen sich organisch geformte Sitze, kräftige Farbflächen und einige Bedienelemente erkennen. Auffällig ist der Verweis auf klassische Hi-Fi-Geräte: Drehregler und Schalter sollen sich bewusst mechanisch und präzise anfühlen. Offenbar hat man bei Alpine verstanden, dass ein Sportwagen nicht allein durch die Anzahl seiner Bildschirme interessanter wird.

Neue Plattform für mehrere Sportwagen

Die A310 Vision veranschaulicht auch die gestalterischen Möglichkeiten der neuen Alpine Performance Platform, kurz APP. Die Architektur wurde für die kommende Sportwagengeneration entwickelt und soll unterschiedliche Karosserieformen ermöglichen. Ihre Struktur besteht zu großen Teilen aus Aluminium, das durch geklebte und vernietete Verbindungen zusammengefügt wird.

Für die nächste A110 hat Alpine bereits eine 800-Volt-Architektur mit Batterien in Cell-to-Pack-Bauweise angekündigt. Dabei werden die Batteriezellen ohne klassische Modulgehäuse direkt in die Batteriestruktur integriert. Zwei Elektromotoren an der Hinterachse sollen ihre Kraft über Active Torque Vectoring gezielt zwischen den Rädern verteilen. Eine zentrale Steuerung koordiniert Antrieb, Bremsen, Lenkung und Thermomanagement.

A310 Vision

Diese Angaben beziehen sich allerdings auf die kommende A110. Welche Komponenten später auch im größeren Sportwagen zum Einsatz kommen, hat Alpine noch nicht bestätigt. Für die A310 Vision selbst nennt der Hersteller weder Leistungsdaten noch Batteriegröße oder Reichweite.

Ein 2+2-Sitzer bis 2030

Interessant wird die Studie vor allem im Zusammenhang mit der künftigen Modellplanung. Alpine-Chef Philippe Krief hat bereits angekündigt, dass auf die neue A110 zunächst ein Cabriolet und anschließend ein 2+2-Sitzer folgen sollen. Alle drei Modelle werden die APP als technische Grundlage nutzen.

Alpine betont ausdrücklich, dass die A310 Vision keine Vorschau auf ein konkretes Serienmodell ist. Ob der geplante Viersitzer später den Namen A310 erhält oder einzelne Gestaltungselemente der Studie übernimmt, bleibt deshalb offen. Auch die extrem niedrige Karosserie dürfte sich kaum unverändert auf einen alltagstauglichen Sportwagen mit zusätzlichen Rücksitzen übertragen lassen.

Die A310 Vision feiert ihre öffentliche Premiere auf dem Pariser Autosalon. Der größere Alpine-Sportwagen soll nach aktueller Planung bis 2030 auf den Markt kommen. Einen genaueren Vorstellungstermin hat die Marke bislang nicht genannt.

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