Tesla Roadster. Der hebt ab.

Fast zehn Jahre nach seiner Ankündigung zeigt Tesla endlich den neuen Roadster. Bei der Premiere in Texas geht Elon Musk allerdings weit über das hinaus, was man bislang von einem elektrischen Supersportwagen erwartet hat. Neben einem aufwendigen Saugsystem für zusätzlichen Abtrieb soll die stärkste Version sogar abheben können.

Elon Musk hat sich mit dem neuen Tesla Roadster reichlich Zeit gelassen. Bereits 2017 präsentierte er einen ersten Prototyp und versprach Fahrleistungen, die damals kaum vorstellbar schienen. Danach wurde es lange still um den elektrischen Zweisitzer. Neue Ankündigungen gab es zwar immer wieder, ein fertiges Auto allerdings nicht. Nun hat Tesla in McGregor, Texas, den nächsten Anlauf unternommen. Und offenbar beschlossen, dass gewöhnliche Supersportwagen für die eigenen Ambitionen nicht mehr ausreichen.

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Äußerlich wirkt der neue Roadster überraschend konventionell. Seine flache Keilform erinnert stellenweise an den Lamborghini Gallardo, während sich in der Gestaltung auch Anklänge an den Lotus Esprit erkennen lassen. Eines jener Autos besitzt Musk selbst: den aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ bekannten weißen Esprit, der sich auf der Leinwand in ein U-Boot verwandeln konnte. Vielleicht hätte das schon eine Warnung sein sollen.

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Schmale, in die Karosserie integrierte LED-Scheinwerfer, ein durchgehendes Leuchtenband am Heck und weitgehend bündige Aerodynamikelemente sorgen für einen vergleichsweise aufgeräumten Auftritt. Einzelne Details greifen die Formensprache von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX auf.

Drei Versionen, ein Raketenantrieb

Tesla plant drei Ausführungen. Roadster Performance und Roadster Thrust besitzen jeweils zwei Sitzplätze, während der auf besondere Einladung erhältliche Rocket als Einsitzer ausgelegt ist. Er soll mit einem Kaltgas-Antriebssystem ausgerüstet werden, das zusätzliche Kräfte in unterschiedlichen Richtungen erzeugen kann.

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Bei der Präsentation führte Tesla eine spektakuläre Demonstration vor. Der Roadster hob ab, überschlug sich und landete mithilfe seiner Schubdüsen wieder auf den Rädern. Das erinnerte weniger an eine konventionelle Automobilpremiere als an einen jener Spielzeugwagen, die man früher mit ordentlich Schwung durch einen Looping jagte.

Musk spricht davon, dass der Wagen wie eine Rakete fliegen könne. Ob sich daraus tatsächlich ein alltagstaugliches Flugauto entwickeln lässt, steht auf einem anderen Blatt. Die gezeigte Demonstration belegt noch nicht, dass der Roadster selbstständig längere Flugstrecken zurücklegen oder im öffentlichen Verkehr entsprechend eingesetzt werden könnte. Auch zu den technischen Voraussetzungen einer möglichen Zulassung macht Tesla bislang keine konkreten Angaben.

Abtrieb schon im Stand

Mindestens ebenso ungewöhnlich ist das Aerodynamikkonzept. Statt ausschließlich auf große Flügel und Diffusoren zu setzen, nutzt der Roadster ein aktives Lüftersystem, das Luft unter dem Fahrzeug absaugt. Gemeinsam mit einer Abdichtung des Unterbodens soll dadurch ein erheblicher Unterdruck entstehen.

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Das Prinzip ist aus dem Motorsport bekannt. Schon der Chaparral 2J und später der Brabham BT46B nutzten Lüfter, um unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit zusätzlichen Abtrieb zu erzeugen. Tesla treibt die Idee nun so weit, dass der Roadster nach Darstellung des Herstellers selbst im Stillstand genügend Anpresskraft aufbauen kann, um kopfüber gehalten zu werden.

Für die Rennstrecke ist außerdem eine aktive Anpassung der Bodenfreiheit vorgesehen. Im Track-Modus senkt sich das Fahrwerk ab, während verschiedene Aerodynamikprogramme entweder möglichst hohen Abtrieb oder einen geringeren Luftwiderstand ermöglichen sollen. Bewegliche Flügel ergänzen das Saugsystem.

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Die Lenkung arbeitet nach dem Steer-by-Wire-Prinzip, bei dem die Lenkradbewegungen elektronisch an die Vorderräder übertragen werden. Besonders leichte Räder mit schmalen Speichen sollen die ungefederten Massen reduzieren.

Weniger als eine Sekunde auf Tempo 100?

Bei den Fahrleistungen bleibt Tesla seiner Vorliebe für große Ankündigungen treu. Schon die Version Thrust soll in weniger als einer Sekunde von null auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit rund 370 km/h in Aussicht gestellt. Für die Motorleistung kursiert bislang lediglich die Erwartung, dass sie deutlich oberhalb der 1.000-PS-Marke liegen wird. Verbindliche Leistungsdaten veröffentlicht Tesla noch nicht.

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Gerade der Beschleunigungswert wirft Fragen auf. Unter einer Sekunde bis Tempo 100 verlangt eine Beschleunigung, die mit herkömmlichen Reifen auf gewöhnlichem Asphalt kaum zu erreichen ist. Zusätzlicher Abtrieb durch das Lüftersystem und Schubdüsen könnten die physikalischen Voraussetzungen verändern. Wie Tesla die angekündigten Werte tatsächlich erzielen will, muss sich jedoch erst unter nachvollziehbaren Testbedingungen zeigen.

Auf eine weitere Besonderheit legt Musk ebenfalls Wert: Der Roadster soll anders als die übrigen Tesla-Modelle mittelfristig nicht für autonomes Fahren vorgesehen sein. In diesem Fall bleibt die Verantwortung für das Fahrerlebnis also vollständig beim Menschen hinter dem Lenkrad.

Marktstart frühestens 2028

Reservierungen für den neuen Roadster nimmt Tesla bereits entgegen. Zunächst werden 5.000 Euro fällig, weitere 45.000 Euro müssen innerhalb von zehn Tagen hinterlegt werden. Ein endgültiger Verkaufspreis ist noch nicht bekannt.

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Die Markteinführung ist frühestens für 2028 vorgesehen. Bis dahin muss Tesla vor allem zeigen, welche der in Texas präsentierten Funktionen tatsächlich den Weg in ein Serienfahrzeug finden. Schließlich ist zwischen einer eindrucksvollen Vorführung und einem zugelassenen Auto noch einiges an Entwicklungsarbeit zu erledigen.

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