Ford Mustang GT Fastback. Die Karre des „King of Cool“.

Steve McQueen in der Rolle als Polizist in San Francisco läutete eine neue Ära der Kino-Verfolgungsjagden ein.

Wenn James Bonds Aston Martin einen Konkurrenten im Kampf um den Titel als bekanntestes Filmauto hat, dann der Ford Mustang, den Steve McQueen 1968 im Warner-Brothers-Streifen „Bullitt“ fährt. Der liefert sich als Lieutenant Frank Bullitt in dem Dark Highland Green lackierten Coupé ein Duell mit zwei bösen Jungs im Dodge Charger. Die zehn Minuten dauernde Verfolgungsjagd hat Kino-Geschichte geschrieben, nicht nur wegen der Beteiligung des „King of Cool“.

Vor dem Briten Peter Yates hatte noch kein anderer Regisseur eine Verfolgungsjagd so detailliert und mit solcher Dramatik filmen lassen. Wo vorher Autos aus dem Bild fuhren, ein Unfall nur zu hören war und den Zuschauern nach einem Schnitt höchstens ein Wrack präsentiert wurde, driften bei Yates der Mustang und der Charger herzergreifend um andere Verkehrsteilnehmer herum, ziehen schwarze Striche auf den Asphalt und heben auf den charakteristisch gestuften Straßen San Franciscos mit allen vier Rädern ab. Klar zu sehen: Ein Mustang hat bessere Flugeigenschaften als ein Charger.

Der Mustang GT 390 hat einen 6,4-Liter-V8 mit 325 PS unter der Haube, zu wenig für das Duell mit dem 375 PS starken Dodge R/T. Für die Fahrszenen war deswegen leichtes Tuning nötig. Dass McQueen während der Verfolgung zwar 16 Mal hoch, aber nicht einmal herunterschaltet, ist dagegen eher Ungenauigkeiten beim Dreh als modifizierter Technik zuzuschreiben.

Bullitt ist zunächst der Verfolgte, dreht aber schnell den Spieß um. Drei Minuten langes gegenseitiges Belauern wird von Lalo Schifrin’s genial anschwellendem Soundtrack „Shifting Gears“ untermalt. Als die beiden Killer die Beckengurte (!) anlegen, ist auch dem letzten Zuschauer klar: Jetzt wird’s ernst.

Die nächsten sieben Minuten lang geht es mit – nach amerikanischen Maßstäben – hohem Tempo erst durch die Innenstadt, dann durch die Außenbezirke von San Francisco. Dabei stellt sich Amateur-Rennfahrer McQueen deutlich geschickter an als der Mann am Dodge-Lenkrad. Der rempelt ständig irgendetwas an, der Charger verliert ungefähr doppelt so viele Radkappen wie er Räder hat. Obwohl außerdem geschossen und kräftig gerempelt wird, bleiben alle drei Akteure die ganze Zeit über vollkommen entspannt. Kein Schrei, nix, nicht ein Wort wird gesprochen. Schließlich schubst Bullitt den Dodge in eine Tankstelle, die spektakulär explodiert.

Fun Fact: Während das Auto für die Fahrszenen nach Drehschluss verschrottet wurde, wanderte das für die Nahaufnahmen verwendete sogenannte „Hero Car“ im Laufe der Jahrzehnte durch zahlreiche Hände. 2020 wechselte es erneut den Besitzer – zum Rekordpreis von knapp 3,4 Millionen Euro.

TEXT Christian Schön

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