Ein Auto mit einem Namen, so lang, dass es zwei Geschichten hintereinander braucht. Schauen wir uns an, wie Alfa Romeo das „Welt-Einheitsauto“ (der Vorstadt-Verkaufsschlager: ein geländeuntaugliches SUV mit Riesenrädern und waschmaschinentransportverunmöglichendem Katzenbuckel) in seiner neuesten Facelift-Version interpretiert hat.
DIE KURZFORM IST: TONI IST DER BESTE UND EIN KASSENMAGNET BEI ALFA.
Die Langversion: Der Alfa Romeo Tonale Ibrida Plug-In Q4 270 Sport Speciale (oder so ähnlich) hebt sich schon mal sehr erfreulich durch ein komplett eigenes Gesicht ab. Von vorne ist er dank des markentypischen Scudetto-Grills zweifelsfrei auch vom hintersten Tisch in der Trattoria als ein Alfa Romeo zu erkennen, hinten steht es zumindest dran.
Da diese Autokategorie in der Seitenansicht für mich nicht auseinander zu halten ist, hat Alfa mit den Rädern meiner Sehschwäche zuliebe den Gegenbeweis angetreten: die 20-Zöller namens Fori im Dreilochdesign sind eine Neuinterpretation der legendären Fünf- Lochfelgen, die seit Jahren Alfa-Modelle vom 156 bis zu Giulia, Brera und Co. zieren. Und diese machen jeden Alfa eindeutig zu einem Alfa und geben dank der jetzt riesigen Löcher einen viel besseren Blick auf die schwarz-weißen Brembo- Bremssättel der Sportbremsanlage frei. Danke Alfa, fürs Helfen!
Erstes Statement zum Tonale- Innenraum: „Sieht aus wie ein Maserati!“ Da hat man schon schlimmere Vergleiche gehört, würd ich sagen. Ganz nice: der Alu-Look der Armaturenbrett- Zierleiste, der sich am Abend als ein rot illuminiertes Leuchtband herausstellt. Viel Alcantara mit sportlichen Ziernähten, viel Seitenhalt der sportlichen Sitze, viel sportliche Optik allgemein. Sport Speciale kommt also nicht von ungefähr. Unser Modell war nun auch noch an der B-Säule mit einer „Medaille“ der olympischen Winterspiele in Milano und Cortina versehen, das sind die Dinge, die Liebhaber später einmal zu schätzen wissen.
Motorseitig ist der Toni zumindest am Rande des erweiterten Kreises der Medaillenkandidaten: 268 PS Systemleistung sendet der Plug-In-Hybrid mittels 1,3-Literchen-VGT-Multiair- Vierzylinder (150 PS) an die Vorderräder, der E-Motors liefert den Rest an die Hinterachse. Das reicht natürlich, um die rund 1.900 Kilo Lebendgewicht in vielen Lebenslagen sportlich zu bewegen, außer eben beim Sport. Oder wenn die Batterie leergefahren wurde und die Hinterachse nicht mehr elektrisch mithilft. Dann wird es schwer für den kleinen Motor, bei den Bundesjugendspielen noch auf eine Siegerurkunde zu hoffen. Wem das alles zu wild ist: es gibt den Toni auch als 175 PS Mild-Hybriden mit 1,5-Liter Turbobenziner und 7-Gang-DSG, oder, tadaaaaa, als 130-PS-Diesel. Ja, richtig gelesen. Diesel. Ohne irgendwas dazu. Sowas gibt es noch.
Unser Test-Toni kümmert sich alleine darum, einen der sechs Gänge auszusuchen (oder man widerspricht manuell), wenn es den Passo del Tonale hinaufgeht (ja, den gibt es wirklich). Wir gehen mal davon aus, dass dieser Pass auch der Namensgeber des Tonale ist, denn akustisch kommt so ein Alfa heute natürlich nicht mehr an den Sound eines Alfas der 70er mit obligatorischem Ballerrohr ran, der uns zu Alfa-Fans hat werden lassen. Tonal beschreibt in der Musik eine harmonische Struktur, die auf einem Grundton basiert. Und diesen unvergleichlichen Grundton haben wir halt im Herzen und denken ihn uns beim Toni dazu.
Verschiedene Fahrmodi bietet uns der Toni an, D-N-A. Erfreulicherweise analog außerhalb des Screens zu verändern. Wir entscheiden uns im Sport Speciale natürlich nicht für N wie „Natural“ oder gar A wie „Advanced Efficeny“, sondern standesgemäß für D wie „Dynamic“. Direktere Lenkung, direkteres Ansprechen des Gaspedals, sportlicheres Fahrwerk und sportlichere Gangwechsel sind der Dank für unsere weise Entscheidung.
Unser Fazit: wenn Welt-Einheitsauto, dann den Toni. Weil er sich eben doch in so vielen Bereichen von den Zwillingen abhebt. Und es gibt ihn auch in schmeichelhafteren Farben als Rotmetallic. Unsere Wahl wäre Verde Montreal oder Verde Monza, jeweils mit schwarzem Dach. Dann sieht er richtig richtig gut aus, dann bekommt er italienische Grazie.
ALFA ROMEO TONALE SPORT SPECIALE
Es gibt den Erfolgs-Tonale in so vielen Varianten und Motorisierungen, dass wir sie hier wirklich kaum aufführen können. Drei Motorisierungen von Mild- Hybrid Benziner mit 174 PS, über Plug-In-Hybrid mit Allrad und 268 PS bis hin zum genügsamem 130-PS Diesel. Und das alles wahlweise in den Ausstattungen Tonale, Sprint, TI, Sport Speciale und Veloce. Viel Spaß beim Durchdrehen im Konfigurator. Unser Testwagen war ein Alfa Romeo Tonale Ibrida Plug-In Q4 270 Sport Speciale (oder so ähnlich). Plug-In-Hybrid, Allrad, 1.3 Liter Vierzylinder mit 150 PS an der Vorderachse, plus Elektromotor für die Hinterachse, 268 PS Systemleistung, 270 Nm max. Drehmoment, 15,5-kWh-Lithium-Ionen-Akku, 1.900 Kilo Leergewicht, 4,52 Meter Länge, Höchstgeschwindigkeit 195 km/h. Preise ab 41.400 Euro, Sport Speciale Ibrida Plug-In Q4 ab 62.100 Euro.
TEXT & FOTOS Thomas Senn