Ein exklusiveres Cabriolet als den offenen Continental ist kaum zu bekommen – schon gar nicht als Viersitzer. BMW hat sein 8er Cabrio eingestellt und die offene Mercedes S-Klasse ist in der aktuellen Baureihe gar nicht an den Start gegangen. Da sind zugegeben die offenen Spaßmacher von Porsche, Aston Martin, Ferrari oder McLaren – doch offenen Luxus wie der Bentley bietet derzeit kaum ein anderer.
Schon gar nicht mit der Eleganz und dem Luxusanspruch des Continental GTC, der in Sachen Design, Verarbeitung und Detailliebe seit Jahren Bestmarken setzt. Jedoch ist das Innere des Luxus-Cabriolets mittlerweile durchaus in die Jahre gekommen und auch wenn die Bentley-Verantwortlichen immer wieder betonen, wie sehr den Kunden an dem klassischen Design mit Schaltern gelegen ist, würde dem Briten eine Verjüngungsspritze guttun.
Die Noblesse, die das Luxusgefährt aus Crewe mit jedem Detail umgibt, ist dem Viersitzer offen wie geschlossen nicht abzusprechen und es dürfte auch kaum jemanden geben, der mit dem potenten Hybridantrieb nicht zufrieden wäre. Der vier Liter große V8-Doppelturbo steht bereits ohne Elektroschocks prächtig im Futter und hat keine Mühe, den über 2,6 Tonnen schweren Koloss durch jeden Geschwindigkeitsbereich zu jonglieren.
Hierbei wird der 519 PS starke Verbrenner von einem 190 PS starken Elektromotor im Getriebetunnel unterstützt, der den Viersitzer allein nahezu geräuschlos auf einer bis zu 80 Kilometer langen Strecke antreiben kann. Oder im Zusammenspiel mit dem V8-Turbo wird ein gigantischer Schub an beide Achsen gebracht und die Insassen, bestens behütet auf weichem Ledergestühl, imposanter denn je beschleunigt. Der Klang des 680 PS starken Achtzylinders ist und bleibt betörend, während einem die Hybridisierung einen Sparverbrauch von 4,3 Litern Super auf 100 Kilometern vorgaukelt – zugegeben bei vollem Batteriepaket.
270 km/h Spitze und ein Imagespurt auf Tempo 100 für den 4,90 Meter langen Zweitürer in knapp vier Sekunden – alles eindrucksvolle Werte, die wenige noch so anspruchsvolle Wünsche offenlassen. Trotzdem träumen wir insgeheim vom Säuseln des Zwölfzylinders, auch wenn dessen W-Bauweise ihn nicht derart tönen ließ wie vergleichbare Dutzendzylinder in V-Bauart.
Vielleicht ist es die angebliche Verbrenner-Endzeitstimmung, die einen derart verträumt an das elitäre Dutzend an Brennkammern unter der Haube denken lässt, denn der Achtzylinder war an sich gerade für den offenen Continental die bessere, weil emotionalere Wahl. Doch das Mehrgewicht des 25,9 kWh großen Akkupaketes stört und erhöht das Leergewicht in schnell gefahrenen Kurven nochmals so nennenswert, dass es nicht hinweg zu diskutieren ist.
Auf der anderen Seite bietet es beeindruckende Fahrleistungen, die Möglichkeit, nennenswerte Strecken rein elektrisch zurückzulegen und das Batteriepaket erlaubt eine Maximalreichweite mehr von mehr als 800 Kilometern. Fehlt hier jemandem eine reine Elektroversion? Ganz sicher nicht, denn beim direkten Wettbewerber Rolls-Royce zeigt sich, dass die bestens betuchten Kunden nicht allein elektrisch fahren wollen, sondern gerade bei emotionalen Wochenendmodellen wie eben auch einem rund 270.000 Euro teuren Bentley Continental GTC den Verbrenner mehr denn je lieben.
Ein Grund dafür, weshalb Bentley-CEO Frank-Steffen Walliser das einst eiligst ausgerufene Verbrenner-Ende der Marke erst einmal auf 2035 nach hinten geschoben hat. Eine gute, weil richtige Wahl, weil ein Modell wie der Continental – egal ob als Coupé oder Cabrio – eben auch von seinem auf Wunsch bollernden Verbrenner lebt, der lustvoll wummert, wenn er über kurvenreiche Küstenstraßen oder Bergpässe ausgeführt wird.
TEXT Stefan Grundhoff
Technische Daten Bentley Continental GTC PHEV
- Motor: V8 mit Turboaufladung und Elektromotor
- Hubraum: 3996 ccm
- Leistung: 500 kW / 680 PS
- Max. Drehmoment: 930 ab 2.250 U/min
- Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
- Antrieb: Allrad
- Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
- Normverbrauch: 4,3 Liter / 100 km / 98 g CO2
- Leergewicht: 2618 kg
- Laderaum: 134 Liter
- Akkugröße: 25,9 kWh
- Preis: ab 271.680 Euro