Kimera bleibt seiner Vorliebe für analoge, fahrerorientierte Autos treu, verschiebt den Schwerpunkt aber deutlich. Statt Gruppe-B-Rallyesport stehen nun Rundstrecke, Langstreckenhistorie und Hochleistungs-Engineering im Mittelpunkt. Als Inspirationsquellen nennt Kimera unter anderem den Lancia Beta Montecarlo Turbo Gruppe 5 von 1981 und den Lancia LC2, mit dem Lancia Anfang der Achtziger gegen Porsche in der Sportwagen-WM antrat.
Der wichtigste technische Baustein kommt allerdings nicht aus Italien, sondern aus Schweden. Koenigsegg liefert den 5,0-Liter-V8-Biturbo, der im K39 auf 986 PS und 1.200 Nm Drehmoment ausgelegt ist. Im Jesko kann dieser Motor deutlich mehr leisten, Kimera setzt jedoch nicht auf maximale Spitzenleistung, sondern auf ein leichteres und direkter ansprechendes Paket. Kleinere Turbolader, angepasste Software und eine überarbeitete Ansaugung sollen den Charakter verändern. Das Zielgewicht liegt bei rund 1.100 Kilogramm, also auf dem Niveau des EVO38, allerdings mit rund 400 PS mehr.
Bemerkenswert ist weniger die reine Leistung als die Zusammenarbeit selbst. Koenigsegg gibt seinen V8 nicht beliebig weiter. Christian von Koenigsegg beschreibt die Entscheidung als ungewöhnlichen Schritt, der nur durch das Vertrauen in Kimera-Gründer Luca Betti und dessen Projekt möglich geworden sei. Für Kimera bedeutet der Motor Zugriff auf etablierte Hochleistungstechnik, ohne eine eigene Antriebsentwicklung dieser Dimension stemmen zu müssen. Für Koenigsegg ist es zugleich ein Schritt, eigene Technologie außerhalb der eigenen Fahrzeuge einzusetzen.
Viele technische Details bleiben noch offen. Die bisher gezeigten Fahrzeuge waren Modelle für die Premiere bei der Villa d’Este. Ein fahrfähiger K39 mit vollständigem Innenraum soll im August bei der Car Week in Kalifornien folgen. Die ersten Auslieferungen sind für Anfang 2027 vorgesehen. Geplant ist zunächst ein Siebengang-Schaltgetriebe von Cima, eine sequenzielle Schaltung wird geprüft. Das Fahrwerk setzt auf innenliegende Pushrod-Aufhängungen vorn und hinten. Beim Carbon-Monocoque steht der finale Zulieferer offenbar noch nicht fest. Dallara unterstützt bei der Aerodynamik.
Auch bei den Bremsen bleibt Kimera vorerst pragmatisch. Aktuell sind Stahlscheiben vorgesehen, Carbon-Keramik-Bremsen befinden sich offenbar in Prüfung. Die Räder messen 20 Zoll vorn und 21 Zoll hinten, bereift mit Pirelli Trofeo RS. Die Karosserie besteht vollständig aus Carbon.
Gestalterisch hält sich der K39 nicht zurück. Die Front zeigt noch eine erkennbare Verwandtschaft zu EVO37 und EVO38, vor allem durch die vier Leuchteinheiten und die breite, geteilte Öffnung. Dahinter steckt jedoch eine deutlich extremere Aerodynamik. Die Front nimmt Luft auf, führt sie durch den Bereich der Haube und entlastet die Radhäuser über Schlitze, die an aktuelle Tracktools erinnern. Auffällig sind vor allem die kantigen, fast aufgesetzten Radhäuser. Sie lassen das Auto wirken, als stecke ein schmaler Kern in einer deutlich breiteren Rennkarosserie.
Am Heck wird der historische Bezug noch klarer. Lufteinlässe in den hinteren Seitenscheiben versorgen den Motor, weitere Öffnungen bedienen die Kühlung. Ein zusätzlicher Kanal im Bereich des Heckflügels zitiert den Lancia Beta Montecarlo Turbo. Die Rückansicht fällt abrupt und flächig aus: zwei runde Leuchten, zentraler Auspuff im Koenigsegg-Stil, darunter ein massiver Diffusor. Die vier Schlitze hinter den Hinterrädern dürften bei vielen Betrachtern Erinnerungen an den Ferrari F40 wecken. Der Vergleich liegt auch technisch nahe: V8-Biturbo, Handschaltung, Heckantrieb, geringes Gewicht und ein bewusst analoger Anspruch.
Zum Innenraum gibt es bislang nur wenige Informationen. Kimera-Gründer Luca Betti zeigte Skizzen, die eine offenliegende Schaltkulisse, ein mehrstufig aufgebautes Armaturenbrett und einen prominent platzierten Drehzahlmesser erkennen lassen. Auch hier soll die Verbindung aus Achtziger-Jahre-Motorsport und moderner Verarbeitung sichtbar werden, ohne in eine reine Retro-Kopie abzugleiten.
Der K39 soll aber nicht nur als radikales Straßenauto funktionieren. Kimera plant auch eine extremere Variante für den Pikes Peak. Der K39 Pikes Peak soll als reines Track-Tool entstehen, mit massivem Frontsplitter, Lufteinlass auf dem Dach und großem Heckflügel. Geplant sind lediglich zehn Exemplare. Ein Einsatz am Berg ist für 2027 angedacht, wobei der Zeitplan angesichts des Entwicklungsaufwands noch nicht endgültig wirkt.
Auch bei der Serienproduktion hält sich Kimera bedeckt. Erwartet wird eine sehr kleine Stückzahl, vermutlich mehr als 50, aber weniger als 100 Fahrzeuge. Rund 20 sollen bereits verkauft sein. Der Preis wird nicht offiziell genannt, dürfte aber jenseits von zwei Millionen Euro liegen, sobald Sonderausstattung und individuelle Wünsche dazukommen.