Maserati MC20. Ferrari-Killer.

Maserati hat endlich wieder einen richtigen Sportwagen im Programm. Er sieht gut aus, ist wahnsinnig schnell und hat vor allem etwas, was die Konkurrenz nicht hat.

Ferrari hat es derzeit nicht leicht. In der Formel 1 fahren die roten Boliden chancenlos hinterher. Und jetzt überholt sie auf der Straße auch noch der nur einen Steinwurf weit entfernt ansässige Dauerrivale Maserati – ausgerechnet die Marke, von der man längst glaubte, sie auf der Rennstrecke und der Straße niedergerungen zu haben, nachdem man sich dort in den 1950er- und 1960er-Jahren wild bekriegt hatte. Und überdies exakt jenes Unternehmen, mit dem man in den letzten 20 Jahren durch Motorenlieferungen für Straßenfahrzeuge wie Ghibli, Quattroporte und Levante gute Geschäfte machte. Doch damit ist jetzt Schluss

Mit dem MC20 hat Maserati einen Supersportwagen vorgestellt, der diese Bezeichnung verdient. Er ist radikal – vor allem radikal anders als die bisher gebauten Limousinen und das SUV, die in den zurückliegenden Jahren das Wachstum von Maserati vorantrieben. Das fängt bereits beim Namen an, der nicht wohlklingend italienisch oder die Bezeichnung für einen Wind ist. Einfach MC20. Das Kürzel MC steht für Maserati Corse, die Rennabteilung des Hauses, die in den frühen 2000ern Seriensieger in der GT-Meisterschaft war. Und 20 steht für das Debütjahr 2020. So einfach kann Namensgebung sein.

Ganz und gar nicht so simpel ist die Technologie des Mittelmotorsportwagens. Schon der Motor ist ein Meisterwerk. Und das gleich aus mehreren Gründen. Denn zum einen hat man das 3,0-Liter-V6-Triebwerk selbst entwickelt und fertigt es auch selbst.

Nachdem Maserati die vergangenen zwei Jahrzehnte keine Motoren mehr selbst herstellte, wurde dazu die nötige Infrastruktur im Stammwerk in Modena komplett neu aufgebaut. Das kostete Geld – viel Geld, von dem ein nennenswerter Teil von Konzernmutter FiatChrysler stammen dürfte. Doch dafür ist die Ausstattung hochmodern und vom Feinsten. Das zeigt sich gleich im Erstlingswerk. Der Motor des MC20 hat etwas, was kein anderes Triebwerk für Straßenfahrzeuge besitzt.

Der kompakte V6-Motor verfügt über eine sogenannte Vorkammereinspritzung. Brummi-Fahrer winken jetzt ab: Bei schweren Diesel-Lkw gibt es das schon seit Jahrzehnten. Und auch die Formel-1-Szene kennt die Technologie: Seit einigen Jahren sorgt sie für mehr Leistung und Effizienz – dort maßgeblich vorangetrieben von Mercedes und Ferrari.

Dass es jetzt ausgerechnet Maserati ist, die das Verbrennungssystem in den Sportwagenbau einführt, dürfte vor allem in der Ferrari-Heimat Maranello schmerzen. Mit Vorkammer, Doppelzündung, Doppeleinspritzung und zwei Turboladern bringt es das Triebwerk auf 463 kW (630 PS) aus nur 3,0 Litern Hubraum. Das bedeutet eine Literleistung von 210 PS pro Liter – kein anderes Fahrzeug im Segment bietet mehr. Zudem hält das Aggregat erstaunliche 730 Newtonmeter Drehmoment bereit. Kein Wunder, dass Maserati die Technologie bereits zum Patent angemeldet hat.

So exklusiv und exaltiert der MC20 auch ist: Klar ist, dass Maserati dieses Know-how künftig allen Motoren angedeihen lässt. Die Technologie ist skalierbar und kann selbst bei einem Zweilitermotor zum Einsatz kommen. Dem Supersportwagen fällt damit nicht nur die Rolle als Markenbotschafter zu, sondern als technischer Vorreiter.

Mit einem Sprintvermögen von 0 bis 100 km/h in weniger als 2,9 Sekunden radiert er geradezu den Weg in die Zukunft auf den Asphalt. Dass seine Top-Speed sehr vorsichtig mit „mehr 325 km/h“ angegeben wird, dürfte maßgeblich damit zusammenhängen, dass die gerade vorgestellten Trofeo-Versionen von Ghibli und Quattroporte mit Höchstgeschwindigkeiten von 326 km/h als schnellste Serienmodelle angepriesen werden.

Der MC20 ist ein regulär erhältlicher Straßensportwagen, den es künftig auch als offenen Spyder und wohl auch in einer reinen Elektroversion geben wird. Schon das Coupé liegt geschätzt bei Preisen von 200.000 Euro aufwärts. Doch Maserati hat mit ihm noch viel vor. So wird er bereits in naher Zukunft das Comeback der Marke in den internationalen GT-Sport einläuten. Wo genau, ist derzeit noch unklar – auch weil sich die Spielregeln in diesem Metier gerade wandeln.

Das hinderte Maserati aber nicht daran, den MC20 konzeptionell für alles vorzubereiten: Die Technik, auch abseits des Triebwerks, wird selbst einem Hypercar gerecht: Voll-Carbon-Chassis, extrem ausgefeilte Aerodynamik mit hohem Abtrieb, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Sperrdifferential – auf Wunsch elektronisch geregelt – und ein Fahrwerk mit sogenannten virtuellen Lenkern. Um ganz sicher zu gehen, holte man sich dabei auch Unterstützung beim Rennwagenbauer Dallara.

Nur 1.470 Kilogramm bringt der MC20 auf die Waage – weniger als ein Porsche 911 und etwa so viel wie Ferrari 488 GTB. Der gute Wert wird auch dadurch erreicht, dass Maserati den Innenraum eher spartanisch gestaltete. Statt feinen Edelhölzern gibt es Carbon, statt opulentem Leder rennsportliches Alcantara und statt einer Flut aus Schaltern einen 10,25 Zoll großen Touchscreen, ergänzt um ein ebenso großes Cockpit-Display.

Dass dabei die viel gepriesene Liebe zum Detail trotzdem nicht verloren ging, zeigt der aus Aluminium gefräste Controller in der ansonsten nahezu leeren Mittelkonsole: kompakt, griffig und vor allem mit fünf Fahrprogrammen, die das Setup des Fahrzeugs von Regen bis Rennstrecke perfekt anpassen. Genau diesen Spagat zwischen Reisen und Rasen beherrscht Maserati ja von jeher aus dem Effeff.

TEXT Wolfgang Hörner; press-inform

Technische Daten Maserati MC20

Motor: 90°-V6-Twin-Turbo
Hubraum: 3.000 cm3
Leistung: 467 kW / 630 PS bei 7.250 U/min
Max. Drehmoment: 730 Nm bei 3.000 U/min
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Hinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit > 325 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h < 2,9 s
L x B x H: 4.669 x 1.965 x 1.224 mm
Gewicht: 1.470 kg
Verbrauch (kombiniert): 11,6 l/100 km
Preis: noch offen

LESENSWERT.

Skoda Octavia RS iV. Jetzt mit Elektro-Boost.

Skoda verpasst dem Octavia RS ein Hybrid-Modul. Das geht zwar zulasten des Kofferraum-Volumens und bringt Gewicht ins Auto, aber auch jede Menge Fahrspaß.

Autoklassiker. VW Corrado.

Viele Autofans schauen leicht ungläubig, wenn sie den Namen VW Corrado hören. Da war doch etwas? War es – in den späten 80ern. Mit der sportlichen Neuauflage des Scirocco wollte Volkswagen erstmals ernsthaft am Premiumsegment kratzen. Dafür gab es sogar einen bis zu 190 PS starken Sechszylinder – und leider nicht genug Kunden.

Auto-Vorzeige-Garage.

Warum um alles in der Welt sollte man ein schönes Haus, ein schönes Auto und dann eine hässliche Garage haben?