Lightyear 0. Das Solarauto.

Noch in diesem Herbst soll es Realität werden. Anders als viele Wettbewerber setzt der niederländische Lightyear nicht nur aus Strom aus der Steckdose, sondern ist das erste in Serie produzierte Solarfahrzeug. Der Preis: 250.000 Euro.

Sechs Jahre dauerten die Entwicklungen zum vermeintlich ersten echten Solarauto der Welt. In diesem Herbst soll es so weit sein, dass der Lightyear 0 in Produktion geht. Geplant bis maximal 946 Fahrzeuge. Der Hersteller verspricht, dass das aerodynamisch gestylte Elektromobil bis zu sieben Monate lang fahren kann, ohne auch nur einmal an der Ladesäule nachzutanken.

„Heute ist der Tag, auf den wir alle gewartet haben, seit wir zu fünft in einer Küche saßen und unseren Traum vom nachhaltigsten Auto der Welt skizzierten“, sagt Lex Hoefsloot, CEO und Mitgründer von Lightyear, „2016 hatten wir nur eine Idee. Drei Jahre später hatten wir einen Prototyp. Jetzt, nach sechs Jahren des Testens, Wiederholens, Gestaltens und unzähliger Hindernisse, ist Lightyear 0 der Beweis, dass was unmöglich schien, tatsächlich umsetzbar ist.“

Der 5,08 Meter lange Lightyear 0 verfügt auf seiner Karosserie über insgesamt fünf Quadratmeter patentierte, doppelt gekrümmte Solarzellen. Sie ermöglichen es dem Elektroauto sich selbst während der Fahrt oder im Stand aufzuladen. Unter optimalen Bedingungen erzielt der Lightyear 0 auf diese Weise neben seiner Reichweite von bis zu 625 Kilometern eine zusätzliche Reichweite von 70 Kilometern pro Tag. Dank eines Solarertrags von bis zu 11.000 Kilometern pro Jahr können Fahrer, die den Lightyear 0 zum Beispiel nur für ihren täglichen Arbeitsweg von 35 Kilometern nutzen, zumindest in der Sommerzeit wochen- oder gar monatelang fahren, bevor der windschlüpfrige Bolide wieder an eine Ladesäule muss. Das soll in zentraleuropäischen Ländern wie Deutschland, Österreich oder den Niederlanden zumindest zwei Monate im Jahr klappen. In Südeuropa wäre der steckerlose Vortrieb ein halbes Jahr oder mehr möglich.

Der Lightyear 0 macht vieles anders als andere Elektroautos. Seine vier Radnabenmotoren sind einer der effizientesten Elektroantriebe, den es derzeit gibt. Der Luftwiderstandsbeiwert von weniger als 0,19 macht ihn zu einem aerodynamischen Familienauto, wobei gerade das geringe Fahrzeuggewicht seine Effizienz erhöht. Trotz seiner Gesamtlänge von fünf Metern beträgt das Gesamtgewicht nur 1.575 Kilogramm. Mit einem Energieverbrauch von 10,5 kWh pro 100 Kilometer (bei maximal 110 km/h) ist er das effizienteste bislang verfügbare Elektrofahrzeug. Bei überschaubaren 110 km/h Spitzentempo sind bis zu 560 Kilometer ohne Nachladung drin, während die Höchstgeschwindigkeit bei 160 km/h liegt. Das Akkupaket hat eine Kapazität von 60 kWh.

Das Armaturenbrett verfügt über ein 10,1-Zoll-Touchscreen-Infotainmentsystem, das Cloud-basierte Updates ermöglicht und nach hinten wird über Bildschirme statt Spiegel geblickt. Der Innenraum mit Platz für bis zu fünf Personen besteht vollständig aus veganen Materialien aus natürlichen Quellen – etwa ökologischen Mikrofaser-Wildledersitzen und Details aus Rattanpalmen. Der Laderaum fasst 640 Liter. Die Produktion des Lightyear 0 beginnt in diesem Herbst und bereits im November soll das erste Auto an Kunden ausgeliefert werden. Das Unternehmen will maximal 946 Lightyear-0-Modelle zu einem Preis von jeweils 250.000 Euro produzieren. Das Nachfolgemodell soll dann in einer Großserienproduktion zum erschwinglichen Einstiegspreis von 30.000 Euro konzipiert werden. Diese ist für Ende 2024/Anfang 2025 geplant.

TEXT Patrick Solberg für WALTER

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