Technisch setzt AMG auf einen aufwendigen Antriebsstrang. Zwei Elektromotoren sitzen an der Hinterachse, ein weiterer arbeitet vorn. Zusammen entsteht ein Allradsystem, das nicht nur für enorme Traktion sorgen soll, sondern auch die Kraftverteilung sehr präzise steuern kann. Die Leistung liegt auf dem Niveau des aktuellen C 63, allerdings ohne dessen komplexen Vierzylinder-Hybridantrieb.
Dass AMG dem Elektroantrieb dennoch künstliche Erlebnisebenen mitgibt, zeigt, wie schwierig der Übergang für eine Marke ist, die lange vom Verbrennerklang lebte. Der Fahrer kann das Klangbild variieren, auf Wunsch sogar mit Anleihen beim polarisierenden C 63. Auch simulierte Zugkraftunterbrechungen und sogenannte Shaker in den Sitzen gehören zum Programm. Sie sollen Verbrenner-Gefühl erzeugen, wirken aber eher wie der Versuch, einem sehr schnellen Elektroauto eine alte Dramaturgie überzustülpen.
Überzeugender sind die harten technischen Daten. Der Akku kommt auf 94 kWh und soll trotz AMG-Ornat Reichweiten von rund 650 Kilometern ermöglichen. Geladen wird mit bis zu 330 kW. Im Idealfall reichen zehn Minuten an der Schnellladesäule für bis zu 270 Kilometer zusätzliche Reichweite. Möglich wird die hohe Energiedichte unter anderem durch Zellen, deren Anoden Siliziumoxid mit Graphit kombinieren. Dadurch steigt die gravimetrische Energiedichte im Vergleich zu konventionellen Graphit-Anoden um bis zu 20 Prozent, die volumetrische Energiedichte liegt bei 680 Wh/l.
Optisch hält sich AMG nicht zurück. Breitere Frontkotflügel, ausgestellte Radläufe, große Räder und ein deutlich sichtbares Aerodynamikpaket machen den CLA 45 4Matic+ sofort als Topmodell erkennbar. Bei der Limousine arbeitet ein aktives Aerodynamikelement mit, der Shooting Brake setzt stärker auf die Kombination aus Performance-Auftritt und Nutzwert. Serienmäßig stehen die Modelle auf 19-Zoll-Rädern mit Mischbereifung, optional gibt es 20-Zöller.
Innen bleibt AMG ebenfalls auf Sportkurs. Sportsitze gehören zur Grundausstattung, gegen Aufpreis gibt es stärker konturierte Ledersitze. Rote Gurte, Sportpedalerie und AMG-spezifische Anzeigen sollen den Performance-Anspruch betonen. Gleichzeitig bleibt der CLA ein Auto, das im Alltag funktionieren soll. Die Limousine bietet 390 Liter Kofferraumvolumen, dazu kommt ein 101 Liter großer Frunk. Der Shooting Brake startet bei 450 Litern und bietet mit umgeklappter Rückbank deutlich mehr Ladefläche.
Die Fahrleistungen sind dabei der eigentliche Aufhänger. 2,8 Sekunden von null auf 100 km/h sind für ein Fahrzeug dieser Klasse absurd schnell. Serienmäßig wird bei 250 km/h abgeregelt, mit dem optionalen Dynamikpaket steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 270 km/h. Der theoretische Normverbrauch liegt bei 16,5 kWh je 100 Kilometer.
Der Mercedes-AMG CLA 45 4Matic+ zeigt damit sehr deutlich, wohin sich AMG entwickelt. Die Marke bleibt extrem leistungsorientiert, aber der Charakter verändert sich. Die Frage ist, ob sich diese neue Form von AMG auch von der Kundschaft akzeptiert wird.