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Mercedes C 220 d 4MATIC All-Terrain. Fahrbericht.

Nach der E-Klasse wagt sich Mercedes mit der C-Klasse All-Terrain erstmals in das Haifischbecken der Mittelklasse-Stelzenkombis, in dem sich schon Volvo und Audi tummeln.

Für echte Offroad-Fans sind Vehikel wie die Mercedes C-Klasse All-Terrain weder Fisch noch Fleisch. Kein normaler Straßenkombi und erst recht kein Geländewagen. Die Hardcore-Automobil-Kraxler bezeichnen den angedeuteten Unterbodenschutz schon mal als Lifestyle-Beplankung. Dennoch wird auch dieses um 40 Millimeter höhergelegte T-Modell der C-Klasse vor allem in Märkten wie Japan und Deutschland seine Abnehmer finden. Allerdings tummeln sich schon Audi und Volvo im Segment dieser speziellen Mittelklassenkombis und machen dem Mercedes das Leben schwer. Dass sich die Schwaben dennoch erstmals mit einer All-Terrain C-Klasse der Konkurrenz stellen, liegt an der gleichnamigen E-Klasse, die seit 2017 auf den Markt ist. „Manche Kunden mögen das Konzept, bevorzugen aber eine günstige Variante“, erklärt Produktmanager Thorsten Wilke.

Billig wirkt aber diese C-Klasse keineswegs. Der Kühlergrill mit nur einer Querstrebe und die Off-Road Optik heben die All-Terrain-Version von den anderen T-Modellen der Baureihe W206 ab. Dazu kommt das optionale digitale Licht von der S-Klasse, das im Gelände, sobald es um die Ecke geht, fast im rechten Winkel nach links und rechts abstrahlt und so einen besonders breiten Bereich ausleuchtet. Platz ist mit einer Länge von 4,76 Metern in dem T-Modell der C-Klasse auch nicht unbedingt Mangelware. Mit einem Basispreis von 55.394,50 Euro, ist der C 220 d 4MATIC All-Terrain um knapp 2.500 Euro günstiger als die E-Klasse. Allerdings hat der große Bruder 4 KW / 6 PS und 40 Newtonmetern weniger als der kleinere Bruder. Das liegt auch an der fehlenden Elektro-Unterstützung durch den integrierten Starter-Generator (ISG).

Der Vierzylinder-Diesel ist zwar kein Schreihals, lässt den Fahrer aber schon akustisch an seiner Arbeit teilhaben. Die Unterstützung durch die ISG-Mild-Hybridisierung durch 15 kW / 20 PS und vor allem dem Drehmoment von 200 Newtonmetern minimieren die Antrittsschwäche deutlich und helfen die 1.825 Kilogramm schwere C-Klasse All-Terrain geschmeidiger zu bewegen, als man das von einem Motor mit zwei Liter Hubraum und 147 kW / 200 PS erwartet. Dass das maximale Drehmoment von 440 Newtonmetern bereits bei 1.800 U/min anliegt, ist sicher nicht von Nachteil. Nach 7,8 Sekunden erreicht der All-Terrain aus dem Stand die 100 km/h-Marke und muss sich erst bei 231 km/h den Luftwiderstand ergeben. Mercedes gibt den Verbrauch mit 5,6 l/100 km an, bei unserer Testfahrt flossen 1,9 l/100 km mehr durch die Brennräume, allerdings waren wir auch schneller auf Autobahnen unterwegs.

Auch der Komfort des klassischen Stahlfahrwerks gibt wenig Anlass zum Tadel. Dass sich der Stelzen-Kombi etwas in den Kurven neigt, stört wohl nur Sportwagen-Fans, die wollen, dass die Nasse des Vehikels konstant in ein paar Zentimetern Höhe über den Asphalt schnüffelt. Deswegen könnte auch die Spreizung der Fahrmodi etwas ausgeprägter sein. Wer sich durch die Fahrprogramme klickt, sucht vergeblich nach einer Sport-Plus-Einstellung. Dafür gibt es zwei Offroad-Programme, die für Sand beziehungsweise Schnee (Offroad) und Fels (Offroad plus) geeignet sind.

Die um 40 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit realisierten die Ingenieure durch andere Federn (plus 30 Millimeter) und größere Reifen (plus 10 Millimeter). Abseits befestigter Straßen kommt der Mercedes C 220 d 4Matic All-Terrain ohne klassische Gelände-Systeme wie Sperren oder Getriebe-Untersetzungen aus. Der Offroad-Alpinismus wird lediglich durch die Regelsysteme realisiert. „Wir haben den Regelkomfort deutlich verbessert“, erklärt Versuchsleiter Christof Kühner. Bei einem Ausflug in ein Offroad-Gelände schlug sich der Software-Kraxler sehr gut und bewältigte echt knackige Steigungen problemlos. Dass die Bergabfahrtskontrolle den Kombi auch rückwärts auf die eingestellte Geschwindigkeit abbremst, hilft beim Rangieren im Schnee. So kommt man auch im Winter problemlos auf die Alm.

Dass man den Weg auch findet, obliegt dem Navigationssystem und dem Infotainment. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das nicht von den anderen C-Klassen. Also hat auch der All-Terrain ein 12,3 Zoll großes virtuelle Cockpit sowie einen zentralen 11,9 Zoll großen Tablet-Touchscreen, der um sechs Grad zum Fahrer geneigt ist. Dazu kommt das Head-Up Display, das die Informationen etwa 4,5 Meter vor die Motorhaube projiziert. Allerdings hat sich bei der Software etwas getan und mit dem neuesten Update halten virtuelle Favoriten-Knöpfe Einzug, die sich nach den Vorlieben des Fahrers richten. Ab Dezember steht die Kraxel C-Klasse beim Händler.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

Datenblatt Mercedes C 220 d 4MATIC All-Terrain

Typ: Kombi

Motor: Vierzylinder-Diesel

Hubraum (cm3): 1.993

Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 200 (147) bei 3.600

Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 440 bei 1.800 bis 2.800

Höchstgeschwindigkeit (km/h): 231

Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 7,8

Getriebe: Neungang-Automatik

Antrieb: Allradantrieb

Treibstoffsorte: Diesel

Tank (L): 40

Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 5,6

CO2-Ausstoß (g/km): 146

Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.875

max. Zuladung (kg): 525

Abmessungen (L/B/H): 4.755 / 1.820 / 1.494 (L/B/H)

max. Ladevolumen (L): 490 bis 1.510

Preis (Euro): 55.394,50

Abgasnorm: Euro 6d ISC-FCM

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