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Mercedes EQB 300 4Matic. Fahrbericht.

Der Mercedes EQB ist technisch eng verwandt mit dem EQA, soll aber die Kunden ansprechen, die ein praktisches Familienauto suchen. Daher kommen die härtesten Konkurrenten nicht aus dem eigenen Haus.

Wer A sagt, muss auch B sagen, weiß der Volksmund. Also schiebt Mercedes nach dem EQA nun den EQB nach, der mit 4,68 Metern um 22 Zentimeter länger ist als der kleine Bruder. „Die Autos sind modular entwickelt“, erklärt Chefingenieur Axel Heix. Was nichts anderes heißt, als dass A und B bei der Mercedes Technik ganz eng verwandt sind. Ein Unterscheidungsmerkmal ist die eben erwähnte Größe. Also kann man in den EQB eine aufpreispflichtige dritte Sitzreihe packen oder einen Kofferraum mit maximal 1.710 Litern Fassungsvermögen nutzen.

Blickt man auf den Allradantrieb, nutzt auch der Mercedes EQB beim Allradantrieb eine ähnliche Antriebsphilosophie wie die Konkurrenz aus Ingolstadt, Wolfsburg und Mladá Boleslav. Während an der Hinterachse eine Permanenterregte Synchronmaschine für Vortrieb sorgt, verrichtet vorne eine Asynchronmaschine (ASM) ihr Werk und ist quasi ein Teilzeitarbeiter. Der Vorteil eines ASM-Elektromotors ist, dass er auch unbestromt mitlaufen kann, dabei nur sehr geringe Schleppverluste auftreten und die E-Maschine bei Bedarf blitzschnell zugeschaltet wird. Damit ist der 4Matic-Antrieb im Mercedes EQB vom Prinzip her ein elektronischer Hang-On-Allrad. Denn die meiste Zeit agiert der effiziente PSM-E-Motor an der Hinterachse ohnehin auf eigene Faust und holt die Vorderachse nur bei Bedarf ins Vortriebsboot. So wird Strom gespart.

Die moderne Technik erfüllt beim Mercedes EQB 300 ihre Pflicht. Das Zusammenspiel der Achsen geschieht unmerklich und blitzschnell. Auffälliger ist dagegen die Spreizung der Fahrprogramme. Grundsätzlich ist der EQB komfortabler abgestimmt als der EQA. Es wäre ja mehr als kontraproduktiv, wenn der Familienausflug zum Rüttelabenteuer mutierte. Im Komfortmodus haben die Ingenieure das adaptive Fahrwerk so getrimmt, um die Bodenunebenheiten so gut wie möglich zu absorbieren. Das gelingt auch prächtig, allerdings wippt die Karosserie bisweilen nach. Im Eco-Programm sind die Dämpfer straffer eingestellt und im Sportmodus leitet das Fahrwerk kurze Schläge unnachgiebiger an die Insassen weiter. Ist aber bei guten Straßen durchaus eine Alternative.

Auch die Gasannahme unterscheidet sich. Bei Sport spricht der EQB schnell auf den Vorankommenswunsch des Piloten an, während es im Eco-Modus nicht ganz so eilig nach vorne geht. Allerdings kann man mit einem Kickdown des Gaspedals diese Zurückhaltung überstimmen. Holt man alles aus den 165 kW / 218 PS des EQB 300 4Matic heraus ist aus dem Stand nach acht Sekunden Landstraßentempo erreicht und bei 160 km/h ist Schluss. Deshalb geht dem EQB 300 jenseits der 120 km/h auch sukzessive die Luft aus. Mercedes gibt als WLTP-Durchschnittsverbrauch 18,1 kWh/100 km an, wir brauchten bei unserer ersten Testfahrt 22,1 kWh/100 km. Bei der 66,5 kWh-Batterie reicht das für gut 300 Kilometer.

Damit hat der EQB 300 4Matic einen kleineren Stromtank als der Audi Q4 45 e-tron quattro oder der VW ID.4 GTX. Auch wenn das Plastik-Cockpit im VW ID.4 GTX nicht zu den Wertigkeits-Highlights im deutschen Automobilbau gehört. Das schaut im EQB besser aus, aber S-Klassen Niveau erreicht der Materialmix im Innenraum nicht. Zudem hört man beim Rangieren die Mechanik der Rückfahrkamera. Eine Konsequenz der fehlenden Hutablage. Dennoch hat der Sternen-Stromer mit voraussichtlich rund 55.000 Euro seinen Preis. Der Skoda Enyaq iV 80X (hat eine 77 kWh-Batterie / netto), kostet ab 47.000 Euro, der VW ID.4 GTX mindestens 50.415 (77 kWh-Akkus) und der Audi Q4 45 e-tron quattro (76,6 kWh) ist ab 50.900 Euro zu haben. Zudem bieten die VW-Konzern E-Crossover Augmented Reality im Head-Up-Display. Also weisen fliegende Pfeile den Weg.

Bei der Navigation schlägt dafür mit der „Electric Intelligence“ die große Stunde des EQB. Dieses System bezieht bei der Suche nach dem schnellsten Weg zum Ziel verschiedene Faktoren mit ein. Dass Topografie, das Fahrverhalten, die Verkehrslage und Geschwindigkeitsbegrenzungen eine Rolle spielen, ist nichts Neues. Aber dass Wetterdaten mit einbezogen werden, ist interessant. Die Logik dahinter ergibt Sinn: Umso kälter es ist, umso mehr Energie muss für das Heizen verwendet werden. Übrigens kann auch ein zusätzlicher Ladestopp die Fahrt beschleunigen.

Die Mercedes-Logik leuchtet ein: Zwei Mal kurz Strom tanken mit mehr Ladegeschwindigkeit ist schneller als einmal den Akku möglichst voll zu pumpen. Schließlich geht die Geschwindigkeit jenseits der 80 Prozent der Batteriekapazität merklich zurück. Schaut man sich die nominelle Ladeleistung des EQB an, sind maximal 100 kW wahrlich kein Weltrekordwert, da schaffen die VW-Konzernmodelle mehr. „Wir laden robust mit 100 kW“, hält Axel Heix dagegen. Der Grund soll die Behandlung der sensiblen Akkus sein, die bei einem anstehenden Ladevorgang in Wohlfühloase versetzt werden, sodass der Strom möglichst ungehindert fließen kann. Laut Mercedes sind ist nach 15 Minuten Schnellladen Saft für rund 150 Kilometern in den Energiespeichern, während das Tanken von 10 auf 80 Prozent 32 Minuten dauert. Eine gute Sache ist, dass das Bezahl-Wirrwarr mit Mercedes me Charge der Vergangenheit angehören soll. Bei 250.000 europäischen und etwa 42.000 deutschen Ladepunkten geschieht die Abrechnung automatisch und im ersten Jahr ist der Spaß kostenlos, danach beträgt der Preis aktuell 99 Euro pro Jahr.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

Datenblatt Mercedes EQB 300 4Matic

Typ: E-SUV

Motor: Zwei E-Maschinen

Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 228 (168)

Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 390

Höchstgeschwindigkeit (km/h): 160

Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 8,0

Getriebe: Eingang-Automatik

Antrieb: Allradantrieb

Tank (L): 66,5 kWh

Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 18,1

CO2-Ausstoß (g/km): 0

Gewicht, Herstellerangabe (kg): 2.175

max. Zuladung (kg): 405

Abmessungen (L/B/H): 4.684 / 1.834 / 1.701 (L/B/H)

max. Ladevolumen (L): 495 bis 1.710

Preis (Euro): Rund 55.000

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