Die neue Klasse von BMW. Das steckt dahinter.

Der neue BMW 7er ist gerade erst auf dem Markt und viele können es kaum erwarten, bis der polarisierende XM-Power-SUV endlich in den Handel rollt. Doch BMW-intern gibt es eigentlich nur noch ein Thema: die neue Klasse.

Wenn BMW-CEO Oliver Zipse oder Entwicklungsvorstand Frank Weber in Interviews oder auf der Bühne von der neuen Klasse sprechen, schauen sich nicht nur Fremdsprachler ungläubig an. Auch in Europa oder Deutschland wissen mit der Bezeichnung „neue Klasse“ nur ausgemachte Autoexperten noch etwas anzufangen. 

In den 1960er Jahre wagte BMW nach bewegten Zeiten und einer Fast-Übernahme durch Mercedes den Neuanfang mit der neuen Klasse. Dabei handelte es sich wie heute eher um eine Projektbezeichnung, denn seinerzeit ging es in der neuen Mittelklasse rund um den BMW 1800, der zwischen 1963 und 1971 ein Leistungsspektrum von 90 bis 130 PS bot – viel Dynamik für eine sportliche Familienlimousine ihrer Zeit. 

Wieso BMW diese alles andere als bekannte und dann noch betont deutsche Bezeichnung neue Klasse wieder herausgekramt hat, weiß so recht niemand zu beantworten. Wie in den 1960ern geht es auch bei der ab 2025 auf den Markt rollenden neuen Klasse der Zukunft um mehr als ein einzelnes Auto, sondern um eine Umstellung des gesamten Portfolios. Produktion, Entwicklung, Wertschöpfung oder Plattform – all das bedeutet die neue Klasse. 

Ausschließlich Elektro

Wer denkt, dass es sich bei ihr um ein neues Fahrzeug handelt, irrt. Doch natürlich geht es mit einem Modell los, das diese neue Klasse einführt und das wird der neue BMW Dreier sein. Genauer gesagt, das Elektromodell des neuen Dreiers, denn die Münchner steigen anders als viele andere Hersteller nicht nur der Freude am Fahren wegen, nicht komplett auf Elektroantriebe um. „Die neue Klasse ist ausschließlich für Elektrofahrzeuge konstruiert“, macht BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber indirekt klar, dass Verbrennermodelle mit dem neuen Fahrzeugansatz trotz anhaltender Gleichteilstrategie nur wenig zu tun haben werden.

Den Auftakt zur neuen Klasse bildet der kommende Dreier BMW, von dem es mit der Zukunftsversion des BMW i Vision Dee auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas einen abstrakten Entwurf zu bestaunen gab. BMW-Chefkreativkopf Adrian van Hooydonk beschreibt das Design des Dee als 2,5-Box-Limousine, die insbesondere mit ihren Proportionen gefallen soll, die eben typisch BMW seien. Und wer der Zukunftsstudie abseits des Messegeschehens in der Wüste Nevadas auf die Karosserieflächen schaut, der erkennt tatsächlich bestens BMW-bekannte Formen und knackige Proportionen. 

Gerade eine Verwandtschaft zur Stilikone des BMW E46, vielen besser bekannt als Dreier-Reihe der Jahre 1998 bis 2007, ist dem i Vision Dee trotz der puristischen Innenkapriolen kaum abzusprechen, doch auch dessen Vorgänger E36 oder Nachfolger E90 lassen sich wiederfinden. Als Bezeichnung dürfte der kommende Dreier mit Elektromotor offiziell BMW i3 heißen – er hat jedoch weder es mit dem ausgelaufenen Carbon-i3, noch der elektrischen China-Version des Dreiers etwas zu tun. Die Bezeichnung i3 dürfte so lange weiterlaufen, so lange BMW auf alter Plattform noch die Verbrennermodelle anbietet. 

Beim i Vision Dee, in Las Vegas ungewohnt mutig in Szene gesetzt, geht es in erster Linie um Innenraum und Bedienung. Klar ist jedoch, dass der kommende i3 als erstes Modell der neuen Klasse sowie dem kurz danach folgenden SUV BMW iX3 anders als die Zukunftsstudie nach wie vor normale Bedienelemente und Displays bekommen werden. Jedoch wird es erstmals ein Head-Up-Display geben, dass nicht nur den Fahrer, sondern auf der einer Höhe von zunächst rund 15 Zentimetern die gesamte Breite der Frontscheibe bespielt. 

„Das ist mehr als eine Vision. Wir bringen diese Innovation in die neue Klasse. Schon 2025 – also bereits übernächstes Jahr – wird diese völlig neue Technologie für unsere Kunden im Fahrzeug erlebbar sein“, so Oliver Zipse auf der CES 2023 in Las Vegas. Die Bedienung der einzelnen Funktionen erfolgt per Sprache, Lenkrad und Touchfunktion auf Displays. Anzunehmen, dass die Textilflächen in den Türen jedoch schon bald eine Rolle in der Bedienung von Komfortfunktionen spielen werden. 

Bei den Antrieben wird es im i3 die nächste Generation der aktuellen Elektromotoren geben. Die Fahrzeuge sind mit Hinterrad- und Allradantrieb zu bekommen, leisten zwischen 200 und 500 PS, was der Freude am Fahren im Vergleich zu den Elektromodellen keinen Abbruch tun soll. Im Gegenteil, denn der kommende Dreier BMW wird Fahrleistungen wie kein anderes Mittelklassemodelle aus München vor ihm bieten. Bis 2027 dürfte auch ein BMW i3M mit über 600 PS auf den Markt kommen – obligatorisch mit Allradantrieb einer Höchstgeschwindigkeit jenseits der 250 km/h – erstmals für einen elektrischen BMW. 

Weniger verbrauchen, schneller laden

In Sachen Effizienz stellt Frank Weber aufgrund neuer Akkutechnik und einer besonders intelligent vernetzten Bordelektronik Verbesserungen von rund 25 Prozent in Aussicht. Heißt, dass sich der aktuelle WLTP-Normverbrauch der kommenden Dreier-Generation in Relation zum aktuellen BMW i4 (16 – 19 kWh / 100 km) auf 12 bis 15 kWh auf 100 Kilometer reduzieren soll. Zudem dürfte in der kommenden Generation des BMW i3 und damit in allen Modellen der neuen Klasse ein 800-Volt-Bordnetz Einzug halten, was die aktuellen Ladetempi von maximal 200 kW auf 250 und später auf 300 kW steigen lassen dürfte. 

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.

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