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Range Rover Sport 2023. Brandstifter.

Der neue Range Rover Sport steht wuchtiger da als der Vorgänger, ist aber auch deutlich teurer. Dafür gibt es mehr Agilität, neue Offroad-Programme und einen Plug-in-Hybriden, der rein elektrisch bis zu 113 Kilometer weit kommt.

Namen können sie, die Briten. Beim neuen Range Rover Sport heißt ein grauer Lack einfach „Eiger Grey“. Jedem mehr oder weniger versiertem Alpinisten kommt da sofort das über 1.800 Meter senkrecht in die Luft ragende Fels-Ungetüm des 3.967 Meter hohen Eigers nahe dem schweizerischen Grindelwald in den Sinn. Ein Abschnitt, der einige Todesopfer unter den waghalsigen Kletterern forderte und so Mitte der 1930er-Jahre den Namen „Mordwand“ erhielt.

Weit weniger dramatisch ist dagegen die Tatsache, dass die Fläche unter der scheinbar schwebenden Mittelkonsole „Fireplace“ („Feuerstelle“) heißt. Feuer soll der dynamische Edelbrite ab Ende dieses Sommers vor allem der deutschen Konkurrenz machen. „Wir haben uns am BMW X5 orientiert“, sagt Chef-Ingenieur Erol Mustafa und fügt hinzu: „Der neue Range Rover ist deutlich dynamischer als der bisherige.“

Das muss der Crossover auch sein, wenn er bei der Agilität mit der deutschen Konkurrenz aus Zuffenhausen und München mithalten will. Also basiert der neue Range Rover Sport die MLA-Flex-Plattform (Flexible Modular Longitudinal Architecture) und hat eine Karosserie, die um 35 Prozent verwindungssteifer ist als bisher. Dazu kommt ein optionales Sperrdifferenzial an der Hinterachse, ein neu abgestimmter Allradantrieb, Torque Vectoring per Bremseingriff und eine aktive 48-Volt-Wankstabilisierung, ähnlich wie die des Bentley Bentayga. „Nur, dass unsere Elektromotoren mehr Drehmoment haben“; lächelt Mustafa. Um genau zu sein, sind es 1.400 Newtonmeter. So können die elektrisch angesteuerten Querstabilisatoren schneller agieren.

Beim Fahrwerk setzen die Briten auf eine Zweikammer-Luftfederung mit adaptiven Billstein-Dämpfern. Zum Vergleich: Beim Luxusbruder Range Rover sind Einkammer-Luftfedern verbaut. Damit diese Dynamik-Beuteile auch den gewünschten Effekt haben, haben die Ingenieure den 2,3 Tonnen schweren Range Rover Sport etliche Runden lang über die Nordschleife des Nürburgrings gejagt. Eine Hinterachslenkung, bei der die Räder mit bis zu 7,3 Grad einschlagen, hilft beim Rangieren. Genauso wie die 360-Grad-Kamera und in der Nacht helfen Scheinwerfer die Straße bis zu 500 Meter weit ausleuchten bei der Orientierung.

Die Optik unterstreicht die Agilität. Der sportliche Range Rover steht wuchtiger da als der Vorgänger, ist rund zwei Meter breit, sieben Zentimeter länger, in den Radhäusern befinden sich mächtige 23 Zoll-Reifen. Der Fahrer sitzt 2,3 Zentimeter tiefer als im Range Rover. Im Fond haben die Passagiere des neuen Range Rover aufgrund des gewachsenen Radstands ebenfalls um gut drei Zentimeter mehr Platz als bisher und der Kofferraum wächst um etwa 50 bis 60 Liter und beherbergt auch ein echtes Notrad.

Bei aller Sportlichkeit bleibt ein Range immer noch ein Rover. Also muss er auch abseits befestigter Straßen seinen Mann stehen. Wie der Name schon sagt, ist die „Adaptive Off-Road Cruise Control“ ein adaptiver Tempomat, wenn es über Stock und Stein geht. Je nach Geländebeschaffenheit stehen vier Fahrprogramme zur Auswahl, das System übernimmt den Rest und der Pilot muss nur noch lenken. Wie gut sich die Technik schlägt, wird der Test zeigen. Echte Off-Road-Enthusiasten werden vermutlich weiterhin ihrem eigenen Gasfuß und dem darin vorhandenen Gefühl vertrauen.

Im Interieur vollziehen die Designer Reduktion und Nachhaltigkeit. Auf Wunsch sind die Sitzgelegenheiten mit recycelten Materialien versehen und das Interieur hat weniger Knöpfe als bisher. Im Zentrum der neusten Version des Pivi-Pro-Infotainment steht der 13.1-Zoll-Touchscreen mit Bedienelementen, die wie bei Audi ein haptisches Feedback geben, wenn man sie berührt und eine Aktion initiiert. Die Lautsprecher des Soundsystems sind hinter einem schalldurchlässigen Stoffbezug versteckt und damit unsichtbar. „Der Klang wird nicht beeinträchtigt“, sagt Siobhan Hughes, die für die Materialien zuständig ist. Die virtuellen Instrumente werden auf einem 13,7 Zoll großen Monitor dargestellt.

Obwohl es beim neuen Range Rover Sport einen Plug-in-Hybrid mit 375 kW / 510 PS und einer elektrischen Reichweite von 113 Kilometern (WLTP) gibt, sind die Vierzylindermotoren aus dem Angebot verschwunden. Der 250 D Sechszylinderdiesel (183 kW / 249 PS) stellt die Einstiegsmotorisierung dar und kostet stattliche 93.000 Euro. Wer den 510-PS-PHEV-Antrieb mit der 38,2-Kilowattstunden-Batterie will, muss rund 138.500 Euro hinlegen. Der P440e AWD PHEV mit 324 kW / 440 PS ist ab 100.200 Euro zu haben. Die Topmotorisierung mit reinrassigen 390 kW / 530 PS und V8-Biturbo-PS kostet mindestens 142.600 Euro. Eine vollelektrische Version kommt nächstes Jahr auf den Markt.

TEXT Wolfgang Gomoll für WALTER

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