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VW ID Buzz Pro. Fahrbericht.

Schaut man auf das breite Modellportfolio der Wolfsburger, fehlt an sich nur eines: ein echter Imageträge. Diese Rolle spielt aktuell allenfalls der VW Golf GTI, doch sonst sieht es eher müde aus. Das soll sich jetzt ändern: mit dem elektrischen VW ID Buzz.

Volkswagen ist mutig – und das ist nicht häufig der Fall. Der größte Imageträger in der prall gefüllten Produktpalette soll ein elektrischer Van oder besser ein mittelgroßer Bus werden. Generell interessiert sich für diese Klasse kaum jemand mehr, denn scheinbar die ganze Welt hat sich in die Crossover verliebt. Und dann kommt der neue Hoffnungsträger nicht einmal aus Wolfsburg oder dem Elektro-Zwickau und noch nicht einmal aus der PKW-Sparte, sondern überraschend von VW Nutzfahrzeugen. Produktionsstandort ist Hannover, wo er den rustikalen Amarok abgelöst hat, der zukünftig aus Südafrika in einer Ford-Kooperation anrollt.

Der VW ID Buzz ist ein Nutzfahrzeug und ein allemal ansehnliches dazu. Auf dem vor Jahren tiefgründig konzipierten modularen Elektrobaukasten MEB ist der neue ID Buzz der bisher lässigste Karosseriehut. Er kommt in diesem Herbst als Normalversion sowie als Cargovariante für Handwerker und Gewerbetreibenden auf die internationalen Märkte. Nächstes Jahr folgt einer Version mit langem Radstand und bis zu sieben Sitzplätzen.

Jahrzehntelang hat Volkswagen immer wieder über die moderne Neuauflage des legendären Samba Bus fabuliert. Geschafft hat es letztlich keine der Ideen, weil eine Plattform ebenso fehlte wie der Hochdruck ein solches Modell zu kreieren, denn schließlich verkauften sich die Modelle T4, T5 oder T6 ebenso bestens wie Kombis und Crossover verschiedenster Größe. Der aufgedrängte Wandel zur Elektromobilität machte nunmehr vieles möglich und während viele dachten, dass neben Limousinen, Kombis und SUV auch ein elektrischer Geländewagen im Iltis-Stil das Rennen machen könnte, so stand der E-Bus für viele ganz oben auf der Wunschliste.

Mit einer Länge von 4,71 Metern ist der Hannoveraner für einen Familienbus nicht allzu groß, bietet jedoch bereits in der Normalvariante Dank des 2,99 Meter langen Radstandes jede Menge Platz im Innern. Dabei lässt er sich mit einem Wendekreis von elf Metern kompakt zu bewegen, parkt munter aus und fährt recht komfortabel auch über schlechte Straßen, holprige Bahnschwellen und störende Querfugen hinweg. Vorn kommt hierfür eine McPherson-Achse mit Feder-Dämpferbeinen zum Einsatz, während an der Hinterachse seine eine Mehrlenkerachse verbaut ist. Zum Marktstart ist der Buzz nur in einer Antriebsversion zu bekommen.

Der Elektromotor im Heck leistet 150 kW / 204 PS und ein maximales Drehmoment von 310 Nm. Mehr Leistung und insbesondere den Allradantrieb, den andere Modelle auf dem hauseigenen Elektrobaukasten bieten, gibt es später. Das 77-kWh-Akkupaket ist wie bei den anderen Modellen der ID-Familie zwischen den Achsen verbaut und soll Reichweiten von bis zu 425 Kilometern ohne Nachladung realisieren. Gerade für die wohl sehr beliebte Cargo-Variante wurde eine kleinere 50-kWh-Batterie angekündigt, weil die Gewerbetreibenden auf jeden Euro schauen und kaum Langstrecken fahren.

Trotz seines stattlichen Gewichts von 2,5 Tonnen ist man im elektrischen VW ID Buzz in der Innenstadt überraschend flott unterwegs. Kurzer Zwischenspurt zwischen den Kreuzungen – kein Problem und wer das Fahrprogramm wechselt, kann auch in den sogenannten One-Pedal-Modus mit maximaler Verzögerung wechseln, bei dem das Bremspedal beinahe nutzlos bleibt. Die Motorleistung ist für den dynamischen Vortrieb üppig genug – die Höchstgeschwindigkeit mit 145 km/h leider wenig realitätsnah, denn nicht nur auf der deutschen Autobahn wird man bei dieser schnellen Abregelung schnell zum Verkehrshindernis, wenn es einmal auf längere Fahrt gehen soll.

Dabei ist der ID Buzz ein idealer Urlaubsbegleiter oder auf der Fahrt ins Wochenende; doch lange Autobahntouren sollte man sich überlegen, wenn man flott bis schnell unterwegs sein will. Immerhin lässt sich der ID. Buzz nach den jüngsten Überarbeitungen an der hauseigenen Elektroplattform mit bis zu 170 Kilowatt an der Schnellladesäule nachtanken. In einer halben Stunde erstarkt das Akkupaket im Unterboden von 5 auf 80 Prozent. Noch wichtiger dürfte für einige Kunden sein, dass sie die Magnetkarte zukünftig in der Tasche lassen können, denn der ID Buzz arbeitet mit Plug-and-Charge. Einstecken in die Ladesäule reicht und der Elektrobully tankt ohne weitere Zugaben nach.

Die Stärke des ID Buzz ist sein großzügiger Innenraum. Die Rückbank, im Verhältnis 40:60 teilbar, lässt sich um bis zu 15 Zentimeter in der Länge verschieben. Die Sitze sind vorne wie hinten bequem, das Platzangebot überzeugend, während die Insassen auf bekannte Displays mit Diagonalen bis 12 Zoll blicken und USB-Ports in Cockpit, Mittelkonsole und in den Türen nutzen können. Serienmäßig sind zwei Schiebetüren, die optional elektrisch zu bedienen sind. Hinter der Heckklappe gibt es ein Gepäckvolumen von 1.121 Liter, das sich durch Umlegen der zweiten Sitzreihe auf 2.205 Liter erweitern lässt.

Ob der VW ID Buzz gerade in Europa ein Erfolg wird, entscheidet sich nicht zuletzt durch die Cargoversion, die bei unter 40.000 Euro beginnen dürfte. Diese bietet eine Ladelänge von 2,21 Metern, kann zwei Europaletten schlucken und hat ein Ladevolumen von 3.900 Litern. Die Ladehöhe ist mit 62 Zentimetern angenehm niedrig. Das war beim Ur-Bully mit Heckmotor etwas anders. Die Anhängelast: 1.000 kg. Üppig ist jedoch der Preis: aktuell ist der VW ID Buzz als fünftürige Version mit normalem Radstand nicht unter 64.500 Euro zu bekommen.

TEXT Stefan Grundhoff für WALTER

Technische Daten: VW ID Buzz Pro

Motor: Elektro, hinten
Leistung: 150 kW / 204 PS
Max. Drehmoment: 310 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 10,2 Sekunden
Normverbrauch: 20,4 bis 22,5 kWh/ 100 km
Ladevolumen: 1.121 Liter
Leergewicht: 2459 kg
Länge / Breite / Höhe: 4,71 / 1,99 / 1,94 m
Akkupaket: 82 kWh / 77 kWh nutzbar
Preis: ab 64.581 Euro

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