Marc Philipp Gemballa Marsien.

Was als „Project Sandbox“ begann, soll als Hyper-Sportwagen, der sich per Lift in einen geländegängigen Crossover verwandelt, neue Maßstäbe setzen. Die Basis für Philipp Gemballas „Marsien“ ist der aktuelle Porsche 911 Turbo S, der von ausgesuchten Tunern auf Leistung getrimmt wird.

Der Porsche Cayenne und der Lamborghini Urus können sich schon mal warm anziehen. Marc Philipp Gemballa, Sohn des Tuners Uwe Gemballa hat seine eigene Firma gegründet und ein neues Hyper-SUV entwickelt. Der Marsien nutzt die Architektur des Porsche 992 Turbo S und soll ein Crossover werden, der auf und jenseits asphaltierter Straßen neue Maßstäbe in der Agilität setzen soll. Der Name Marsien ist Programm und ist eine Anspielung auf den roten Planeten unseres Sonnensystems. Teile des Testprogramms finden in der arabischen Al Faya-Wüste statt, die mit ihrem roten Sand der Oberfläche des Himmelskörpers ähnelt. „Wir haben uns gefühlt, als wären wir in einem ganz anderen Universum“, sagt Marc Philipp Gemballa.

Damit diesen Worten auch Taten folgen, hat sich Gemballa einige Experten ins Boot geholt. Das zentrale Element ist natürlich der Motor, dem die Ruf Porsche Spezialisten noch ein einige extra Vitamine verpasst hat. Das Aggregat ist in zwei Ausbaustufen erhältlich: Entweder mit über 750 PS (Porsche 911 Turbo S 650 PS) und 930 Newtonmetern (Serie: 800 Nm) oder mit bis zu 830 PS. Im Basis-Trimm sind bis zu 330 km/h drin und nach 2,6 Sekunden aus dem Stand die 100 km/h erreicht. Damit das Triebwerk im harten Einsatz nicht überhitzt, wird die heiße Luft des Kühlers nicht unter dem Fahrzeug entlanggleitet, sondern mithilfe von sogenannten Naca-Kanälen und einer Hutze, die Teil der Motorhaube ist, über das Fahrzeug geführt.

Eine Akrapovič Hochleistungsabgasanlage lässt den Sechszylinder-Boxer freier atmen. Damit die Leistungsentfaltung auch geschmeidig abläuft und das enorme Drehmoment nicht zum Exodus des Antriebstranges führt, haben die Ingenieure das Porsche Doppelkupplungsgetriebe überarbeitet, mit Elementen aus der Cayenne-Schaltung versehen und unter anderem die Antriebswellen verstärkt.

Ohne ein entsprechendes Fahrwerk verpufft die ganze Power und der Kraftprotz mutiert zu einem Bodybuilder, der zwar etliche Kilos im Bankdrücken schafft, dem aber nach 100 Meter die Luft ausgeht. Um dem Marsien die entsprechende Agilität zu verpassen, haben die kW-Techniker das Fahrwerk umfassend modifiziert. Im Zentrum des Tunings steht eine neu entwickelte Doppelquerlenker-Vorderachse mit KW Vollkolbendämpfer-Technologie mit intelligenter aktiver Dämpferregelung sowie ein per Knopfdruck höhenverstellbares Fahrwerk. Mithilfe eines elektronisch gesteuerten hydraulischen Lifts hebt sich die Karosserie vom Niveau eines Porsche Turbo S um 13 Zentimeter auf eine Bodenfreiheit von 25 Zentimeter an. Auf diesem Weg soll der Spagat zwischen Straßenagilität und Off Road-Fähigkeit geschafft werden

Ob und wie sich dieses Lift-System auf die Agilität und die Geländegängigkeit auswirkt, wird sich zeigen. Bei den Testfahrten in der Wüste hat der Prototyp des Marsien die Entwickler jedenfalls nachhaltig beeindruckt. Ergänzend zu den bekannten Porsche-Fahrmodi haben Marc Philipp Gemballa und sein Team noch typische Off Road Fahrprogramme für Schotter, Schlamm, Sand und Schnee installiert. Damit das Abenteuer auch ohne Kollateralschaden abläuft, schirmt ein Unterbodenschutz aus Aluminium das Fahrzeug ab.

Die Vollcarbon-Karosserie wird von einem Spezialisten hergestellt, der auch für Formel 1 Teams tätig ist. Das Aussehen des sandwühlenden Hyper Cars stammt aus der Feder des Franzosen Alan Derosier, der unter anderem für Dahihatsu, Chery Motors und Renault als Exterieur-Designer tätig war. Um der Hülle auch eine möglichst aerodynamische und spritsparende Form zu geben, wurde beim Entwurf die CFD (Computational Fluid Dynamics) Analyse verwendet. Federführend war dabei KLK, die seit mehr als 20 Jahren in Hightech-Rennsportserien wie der Formel 1, der Formel E und der LMP1 tätig sind. Bei der ganzen Technik, die in diesem Auto steckt, dürfte klar sein, dass dieser ganz spezielle Sportwagen kein Schnäppchen sein wird, zumal nur 40 Exemplare gebaut werden.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

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