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VW Multivan 1,4 eHybrid. Fahrbericht.

Der neue Multivan überzeugt als Plug-in-Hybrid durch Komfort, eine gute Raumökonomie und moderne Technik. Allerdings könnte der gut 2,1 Tonnen schwere elektrifizierte Bulli ein paar PS mehr vertragen.

Schnittig steht er da, der neue Multivan. Schmale Scheinwerfer und eine im Windkanal geschärfte Karosserie, die mit einem Cw-Wert von 0,3 zu einem geringeren Luftwiderstand als bisher führt, was den Verbrauch senkt. Wichtig heutzutage, wo der Spritpreis explodiert und 100 Milliliter weniger Verbrauch sich positiv auf die Haushaltskasse auswirkt. Zumal VW mit der siebten Generation des Multivan hauptsächlich Privatpersonen im Visier hat. Nicht der Diesel, der nächstes Frühjahr auf den Markt kommt, ist laut VW-Prognosen das Objekt der Begierde, sondern der Plug-in Hybrid, den sich mehr als 40 Prozent der T7-Fahrer in die Garage stellen wollen.

Der Antriebsstrang ist unter anderem aus dem Arteon PHEV bekannt und kombiniert einen 110 kW / 150 PS Benziner mit einem 86 kW / 115 PS Elektromotor, was in einer Systemleistung von 160 kW / 218 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmetern, das bereits ab 1.000 U/min resultiert. Das ist angesichts des Gewichts von gut 2,1 Tonnen auch keine Pferdestärke zu wenig. Beim Beschleunigen macht sich die Elektro-Unterstützung positiv bemerkbar. Die Sprintzeit von 11,6 Sekunden von null auf 100 km/h ist auch aller Ehren wert. Für das flotte Mitrollen auf Autobahnen und Landstraßen reicht die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h mehr als aus. Sobald man den etwas flotter unterwegs sein will, meldet sich der Verbrennungsmotor ziemlich deutlich zu Wort. Die spür- und hörbare Anstrengung ändert nichts an der Tatsache, dass sich der neue Multivan so entspannt fahren lässt wie ein Pkw.

Johannes Raspe, der technische Projektleiter des Multivan, verwehrt sich gegen die Annahme, dass der neue Bulli ein Golf 8 mit einem anderen Hut sei. „Wir haben lediglich die Elektronikarchitektur und den Antriebsstrang übernommen, der Multivan steht auf einer eigenen Plattform.“ Deswegen ist auch das Fahrwerk speziell für den T7 entwickelt und so konnten die Techniker mit Leichtbaukomponenten rund 80 Kilogramm Gewicht sparen und damit einen erklecklichen Teil zu den rund 200 Kilogramm die der neue Multivan leichter als der Vorgänger ist, beitragen.

Das Fahrwerk ist gut abgestimmt und kommt auch mit den gut 2,1 Tonnen Lebendgewicht des Multivan 1,4 l eHybrid gut klar. Selbst in der sportlichen Einstellung federt der Multivan nicht zu hart. Allerdings bedeutet Sport auch immer maximale Rekuperation und sobald man nur leicht vom Gas geht, verzögert der Kleinbus, was das Fortkommen für die Passagiere unharmonisch macht. Besser ist man mit Comfort oder Eco unterwegs.

Wie bei der MQB-Elektronikarchitektur üblich, kann man sich das Gefährt im 10 Zoll großen Touchscreen nach Wunsch konfigurieren. Das Cockpit erinnert an den Golf und kommt ohne klassischen Mitteltunnel aus, da der drahtlos funktionierende (Shift by wire) Automatikknubbel des Doppelkupplungsgetriebes sowie der Hebel für die elektronische Parkbremse nach oben gewandert sind. Die Rundinstrumente werden virtuell auf einem 10,25 Zoll Monitor. Das Head-up-Display lässt den Blick auf der Straße ruhen und mehr als 20 Assistenzsysteme helfen dem Steuermann, seinen Bulli sicher zu navigieren: Darunter auch so exklusive Helfer wie der Abbiege- und der Ausstiegsassistent.

Laut Datenblatt begnügt sich der Multivan 1,4 l eHybrid sich mit 1,5 Liter pro 100 Kilometer. Bei unserer Testfahrt, die mit vollen Akkus gestartet wurde, meldete das System 5,6 l/100 km. Rein elektrisch reicht die Energie der 13-Kilowattstundenbatterie (10,4 kWh netto) laut Angabe für rund 50 Kilometer, wir schafften 39 km, wobei wir auch auf Landstraßen und Autobahnen unterwegs waren. Jedenfalls ist die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und der Antritt durchaus ausreichend. Allerdings sind die Energiespeicher an einer Wallbox mit 360 Volt und 3,6 kW erst nach 3 Stunden und 40 Minuten wieder gefüllt. An einer Haushaltssteckdose mit 230 Volt und 2,3 kW Wechselstrom dauert das Laden fünf Stunden. Für Privathaushalte, die den PHEV-Multivan für eine längere Zeit einstöpseln können, kein Problem, für Shuttle-Dienste dagegen schon eher.

Beim VW Bus geht es um Raum und Transportmöglichkeiten. Die siebte Bulli-Generation hat in der Länge um fast sieben Zentimeter (69 Millimeter) auf 4.973 Meter und in der Breite auf 1.941 Meter (plus 3,7 Zentimeter) gewonnen. Da der T7 mit 1,907 Meter um 4,7 Zentimeter niedriger ist, steht er jetzt stämmiger da. Die entscheidende Größe bei dieser Aufzählung ist der Radstand: Der hat nämlich deutlich zugelegt und beträgt jetzt 3,124 Meter: Das sind 12,4 Zentimeter mehr als bisher, die in der Kabine ankommen und sorgt für mehr Platz sorgen. Als Alternative steht die Langversion parat, die es immerhin 5,173 Meter bringt und damit um 13,1 Zentimeter kompakter ist als bisher, und das bei identischem Radstand. So wächst der Kofferraum von 469 Liter auf bis zu 4.053 Liter.

Die Gäste sollen sich wie in einer Lounge fühlen. Die VW-Innenraumarchitekten haben die Sitzbank aus dem Bulli verbannt und durch Einzelsitze ersetzt. Dass sich die Stühle der zweiten Reihe wie bisher um 180 Grad drehen lassen, versteht sich von selbst. Das Gestühl ist bis 29 Kilogramm leichter als bisher und kann auf einem Schienensystem in der Fahrgastzelle einfach hin und her geschoben werden. Durch das reduzierte Gewicht fällt auch der Ausbau leichter. So sind interessante Konfigurationen denkbar – etwa, dass man nur eine Reihe ausbaut, um sperrige Gegenstände zu transportieren.

Im Winter hilft die Tatsache, dass Stromleitungen durch die Schienen führen und so eine Sitzheizung ermöglichen bei den äußeren Plätzen. Der mittlere Stuhl der dritten Reihe bleibt zwar kalt, kann aber bei Bedarf ganz nach vorne geschoben werden und dient als zusätzliche Mittelkonsole in der ersten Sitzreihe. Das optionale Panoramaglasdach sorgt für wohlige, weil natürliche Lichtverhältnisse. Der Einstieg in die Schöner-Wohnen Oase erfolgt durch zwei Schiebetüren und wenn man die Hände voll hat, lässt sich die Heckklappe mit einem beherzten Fußkick öffnen. Allerdings hat der elektrifizierte Bulli mit mindestens 57.173,55 Euro ab Mitte November auch seinen Preis.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

Datenblatt VW Multivan 1,4 l eHybrid

Typ: Kleinbus

Motor: Vierzylinder-Benziner

Hubraum (cm3): 1.395

Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 218 (160) bei 4.900n bis 6.500

Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 350 bei 1.000 bis 4.100

Höchstgeschwindigkeit (km/h): 190

Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 11,6

Getriebe: Sechsgang-DSG

Antrieb: Vorderradantrieb

Treibstoffsorte: Super

Tank (L): 45

Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 1,5

CO2-Ausstoß (g/km): 34

Gewicht, Herstellerangabe (kg): 2.120

max. Zuladung (kg): 630

Abmessungen (L/B/H): 4.973 / 1.941 / 1.907 (L/B/H)

max. Ladevolumen (L): 469 bis 4.053

Preis (Euro): 59.035,90 (Basismodell44.829,20)

Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM

Effizienzklasse: A+++

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