Wenn ein fünffacher DTM-Champion seinen Spaß hat, dann geht es auf dem Handlingkurs ziemlich zur Sache. Schon wieder geht es mit einem Höllentempo in die knifflige Links-Rechts-Kombination. Einlenken, das Auto umlegen und wieder rauf aufs Gas. Der AMG GT Pro liegt so gut in der Hand, dass die Bewegungen am Lenkrad minimalistisch ausfallen. Jetzt kommt die enge Haarnadel. Kein Grund, das Tempo vorschnell zu reduzieren. „Die Bremse mit den großen Scheiben ist wirklich gut“, sagt Bernd Schneider und knallt in die Eisen als ob es kein Morgen gäbe.
Ein Blick auf die Bremsen lohnt sich. Die Bremsscheiben sind aus Karbon-Keramik und die Bremsbeläge bestehen wie im Rennsport auf Leistungsfähigkeit ausgelegt. Titan bildet die Rückseiten der Bremsklötze, was Gewicht bei den ungefederten Massen spart. Vorne sind die Scheiben 42 Zentimeter groß (die größten die AMG derzeit serienmäßig im Regal hat) und mit Sechskolben-Festsätteln bestückt, während es hinten Einkolben-Festsättel sind.
„Wir haben die vorderen Bremsscheiben optimiert, indem wir den inneren Aufbau verändert haben, um die Wärme schneller abzuführen“, erklärt Projektleiter Dennis Steidl. Zudem haben die Affalterbacher Techniker die inneren Kohlkanäle der Bremse weiter verbessert. Kühlung ist beim AMG GT Pro ohnehin ein großes Thema.
Zwei große Kühlluftöffnungen unten in der Frontschürze und entsprechende Bremsluftkanäle unterstützen die Temperaturkontrolle. Auch hier gilt: Mehr ist immer besser, deshalb kann man das vordere Kennzeichen schnell abnehmen und das Auto so mehr Luft aufsaugen. „Wir haben das Auto für die Rennstrecke ertüchtigt“, ergänzt der andere Projektleiter Tobias Roll. Deswegen werden auch die Differenziale der Hinter- und Vorderachse sowie das Verteilergetriebe des Allradantriebs mithilfe einer elektrisch betriebenen Wasserpumpe aktiv gekühlt. Am Unterboden sorgen Kanäle, die sich zu den Fahrzeugseiten hin krümmen und so einen Effekt wie ein kleiner Tornado generieren, was zusätzlichen Anpressdruck generiert.
In engen Ecken hilft die Hinterachslenkung und beim Rausbeschleunigen der Allradantrieb. Doch mit bei einem Gewicht von etwa 1.9 Tonnen stoßen auch die Techniker und die 2R Cup-Reifen (vorne 295/30 ZR 21 und hinten 305/30 ZR 21), also Semislicks, an ihre Grenzen und der Mercedes-AMG GT 63 Pro schiebt über die Vorderräder, wenn der Speed beim Einlenken nicht passt. Das kann leicht passieren. Denn mit 612 PS (27 PS mehr als im AMG GT 63) und einem maximalen Drehmoment von 850 Newtonmetern (plus 50 Nm) schiebt der Achtzylinder-Motor zwar mächtig an, kann aber seine Masse auch nicht durchgehend verbergen.
Der Schub ist dennoch atemberaubend, im wahrsten Sinne des Wortes: Aus dem Stand sprintet der AMG GT 63 PRO in 3,2 Sekunden auf 100 km/h, in 10,9 Sekunden auf 200 km/h und erst bei 317 km/h ist das Ende des Vortriebs erreicht.
Highspeed ist ohnehin nicht alles! Schließlich soll der Mercedes-AMG GT 63 Pro ein „Track Tool“ mit größerem Alltagsnutzen sein. Deswegen gibt es auf Wunsch auch zwei Einzelsitze hinten und das Fahrwerk mit aktiver Wankstabilisierung kann per Knopfdruck auch komfortabel eingestellt werden. Eine Sänfte wird der Mercedes-AMG GT 63 Pro 4Matic aber nie sein. Auch kein Sonderangebot. Wir vermuten einen Preis von rund 200.000 Euro.
TEXT Wolfgang Gomoll
Technische Daten Mercedes-AMG GT 63 Pro 4Matic
- Motor: Achtzylinder-Biturbo
- Hubraum: 3.982 cm3
- Leistung: 612 PS bei 5.500 bis 6.500
- Max. Drehmoment: 850 Nm bei 2.350 bis 5.000
- Höchstgeschwindigkeit: 317 km/h
- Beschleunigung 0-100 km/h: 3,2 sec.
- Getriebe: AMG Speedshift MCT 9G
- Antrieb: Allrad
- Verbrauch EU-Drittelmix: 14,1 l/100 km