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BMW M3 Coupé E92 Lime Rock vs. BMW M4 Coupé G80.

Der Frühling hat begonnen und ganz langsam kündigt sich mit ihm auch der Autosommer an. Was könnte da mehr Freude bereiten, als zwei echte Sportskanonen unterschiedlicher Zeiten miteinander zu vergleichen? Der BMW M4 ist eines der besten Sportcoupés, das man derzeit kaufen kann – das M3 Coupé war vor mehr als einer Dekade genau das gleiche. So feiert man perfekt seinen 50. Geburtstag.

Wie sich die Zeiten doch ändern können. Das BMW M4 Coupé der aktuellen Generation G80 trägt seine Orangenhaut genauso selbstbewusst zur Schau wie sein Ahne, das BMW M3 Coupé der Baureihe E92. Kaum zu glauben, dass dieser orangefarbene Zweitürer schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel hat, denn er wurde Ende 2007 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Damals trugen alle Versionen – egal ob Limousine, Cabrio oder Coupé – noch die imageträchtige Bezeichnung BMW M3. Erst die 2014 vorgestellte Nachfolgegeneration teilte die Limousine in M3 und das Coupé / Cabriolet in M4. Dem Erfolg tat diese Zäsur in der Nomenklatur keinen Abbruch.

Hatte die erste Generation des BMW M3 im E30 einst mit einem 2,3 Liter großen Vierzylinder-Saugmotor begonnen, setzte die Generation des E92er-M3 erstmals mit einem kraftvoll brüllenden Achtzylinder völlig neue Maßstäbe. Mit vier Litern Hubraum durchbrach das Saugtriebwerk erstmals die 400-PS-Marke und brachte echte Rennsporttechnik auf die Straße. Technisch seinerzeit mit dem größeren V10 des BMW M5 verwandt, leistete der V8-Motor des BMW M3 stattliche 420 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Nm bei 3.900 U/min. Die maximale Motorleistung lag bei mächtigen 8.300 U/min an und knapp darüber donnerte der Bayer in den Drehzahlbegrenzer. Damit schafft es der knapp 1,7 Tonnen schwere Bayer aus dem Stand in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h.

Dieser orangefarbene BMW M3 ist kein Coupé von der Stange, denn es handelt sich um die begehrte Sonderedition des M3 Lime Rock Park, die streng limitiert allein dem US-Markt vorbehalten war. Nur 200 Coupés in der Lackierung Feuerorange wurden als Pendant zum europäischen BMW M3 GTS nach der bekannten Rennstrecke im US-Bundesstaat Conneticut aufgelegt. Der Preis im Jahre 2012: knapp 71.000 US-Dollar und damit rund die Hälfte des europäischen M3 GTS, der über ähnliche Karbondetails, jedoch den stärkeren 450-PS-Motor verfügte. Innen gibt es schwarzes Leder, Alcantara und die leicht zu hohe Sitzposition; neben dem automatisierten Getriebe eines der wenigen Schwachstellen des seinerzeitigen Topmodells. Überall zu bestaunen: Karbon, wohin man auch schaut.

Die auffällige orangefarbene Lackierung ist nicht die einzige optische Gemeinsamkeit zwischen den beiden M3-/M4-Generationen der Jahre 2010 und 2022. Die Proportionen mit ausgestellten Radhäusern und der bulligen Karosserie ist ähnlich, Front und Heck bei der neuen M4-Generation filigraner. Leider ist der aktuelle BMW M4 der Generation G80 im Gesicht mit der polarisierenden Hochkant-Niere unterwegs, die es einem nicht leicht macht, ihn auf den ersten oder zweiten Blick zu begehren. Da schlägt sich der Urahn besser und weniger her macht er ohnehin nicht.

Technisch ist das 2022er-Modell des BMW M4 Coupé in völlig anderen Dimensionen unterwegs. Er setzt wieder auf sechs Brennkammern mit drei Litern Hubraum, denen mit Turboaufladung Leistung im Überfluss aus den Adern gepresst wird. Wahlweise gibt es 480 oder 510 PS und endlich auch auf Wunsch den lange überfälligen Allradantrieb, von dem man beim E92 nur träumen konnte. Der aktuelle BMW M4 ist ein nahezu perfekter Sportwagen – wahnsinnig schnell zu bewegen und das – egal ob mit 480 oder 510 PS – weit lässiger als im bissigeren und filigran am Gas hängenden BMW M3 der Generation E92. Der muckte seinerzeit sowohl mit der knochigen Sechsgang-Handschaltung als auch mit dem alles andere als perfekten automatisierten Schaltgetriebe, das nur bei Schaltvorgängen unter Last und entsprechend hohen Drehzahlen überzeugen konnte.

Das neue M4 Coupé bietet als Competition mit Allradpaket 510 PS und ein mächtiges Drehmoment von 650 Nm, das bereits ab 2.750 U/min anliegt – ein gigantischer Unterschied zum E92. Zudem bringt der 1,8 Tonnen schwere Bayer seine Leistung dank Achtstufenautomatik und Allradantrieb deutlich lässiger auf die Straße als der bissige und am Heck zuckende M3, dessen straffes Sportfahrwerk jedoch ebenso begeistern kann wie die kräftigen Bremsen und eine perfekte Lenkung. Aus dem Stand geht es in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und trotz deutlich mehr Leistung darf auch der neue M4 die 300er-Marke nicht knacken. Er wird bei 290 km/h abgeriegelt, verbraucht jedoch rund zwei Liter weniger als sein Vorvorgänger.

Jedoch ist auch hier das Bessere der Feind des Guten. Der aktuelle BMW M4 Competition fährt zu Preisen ab 94.300 Euro einfach in einer völlig anderen Liga – nicht nur in Orange. Er bietet deutlich mehr Alltagsnutzen, ist perfekt vernetzt und auf längeren Strecken nicht zuletzt der besseren Sitzposition ein sehr sportlicher Cruiser mit jeder Menge Suchtpotenzial. Das bietet das BMW M3 Coupé der Generation E92 in erster Linie auf Landstraßen und der Rennstrecke, denn auf längeren Autobahnfahrten wird es unter modernen Gesichtspunkten in Sachen Fahrwerk, Geräuschentwicklung und spitzer Anbindung von Lenkung und Bremsen schnell unkommod. Doch wer möchte sich zwischen diesen beiden Schönheiten schon ernsthaft entscheiden und die Orangenhaut liebt jeder? Begehrenswert sind beide, heißer das M3 Coupé und besser ganz klar der aktuelle M4.

TEXT Stefan Grundhoff für WALTER

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