Über Jahrzehnte hinweg zählte Herrmann zu den erfolgreichsten Rennfahrern seiner Generation. Mehr als 80 Gesamt- und Klassensiege stehen in seiner Bilanz, die überwiegende Mehrzahl davon im Dienst von Porsche. Seine größten Triumphe feierte er bei den 24 Stunden von Le Mans, der Mille Miglia und der Targa Florio. Insbesondere sein Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1970 im Porsche 917 schrieb Motorsportgeschichte und markierte zugleich einen Meilenstein für den Hersteller aus Zuffenhausen.
Geboren wurde Hans Herrmann am 23. Februar 1928 in Stuttgart. Ursprünglich absolvierte er eine Ausbildung zum Konditor, um später das Café seiner Mutter übernehmen zu können. Doch früh zeigte sich, dass seine Leidenschaft dem Motorsport galt. 1952 bestritt er mit einem Porsche 356 sein erstes Rundstreckenrennen am Nürburgring – und gewann. Bereits ein Jahr später folgten der Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans im Porsche 550 Coupé sowie der Titel des Deutschen Sportwagenmeisters.
Seine Leistungen brachten ihm 1954 einen Platz im Werksteam von Mercedes-Benz ein, wo er an der Seite von Juan Manuel Fangio, Stirling Moss und Karl Kling fuhr. Parallel blieb Herrmann Porsche in den kleineren Hubraumklassen treu und feierte unter anderem Klassensiege bei der Carrera Panamericana und der Mille Miglia im Porsche 550 Spyder. Letztere ging mit einer legendären Szene in die Motorsportgeschichte ein: Herrmann unterquerte mit seinem offenen Rennwagen eine sich schließende Bahnschranke – ein Moment, den er später mit den Worten kommentierte: „Glück muss man haben.“
Dieses Glück sollte ihn durch seine gesamte Karriere begleiten. Nach dem Rückzug von Daimler-Benz aus dem Motorsport folgten Engagements bei Maserati, B.R.M., Borgward und immer wieder Porsche. 1960 erzielte er gemeinsam mit Olivier Gendebien im Porsche 718 RS 60 Spyder den Gesamtsieg bei den 12 Stunden von Sebring – den ersten Porsche-Gesamtsieg in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Weitere Höhepunkte waren der Sieg bei der Targa Florio mit Joakim Bonnier sowie der Titel des Formel-2-Europameisters.
1966 kehrte Herrmann endgültig in das Porsche-Werksteam zurück. Gemeinsam mit Fahrern wie Jo Siffert, Vic Elford, Rolf Stommelen, Udo Schütz und Gerhard Mitter prägte er eine der erfolgreichsten Phasen der Porsche-Rennsportgeschichte.
Der Höhepunkt und zugleich Abschluss seiner aktiven Laufbahn folgte 1970 bei den 24 Stunden von Le Mans. Nach einem dramatischen zweiten Platz im Vorjahr gewann Herrmann gemeinsam mit Richard Attwood im Porsche 917 das Rennen. Es war nicht nur sein persönlich größter Erfolg, sondern auch der erste Gesamtsieg von Porsche in Le Mans. Kurz darauf beendete er seine Karriere. Zu viele Weggefährten hatte er verloren, und das Bewusstsein für das eigene Risiko war gewachsen.
Auch nach dem Rückzug aus dem aktiven Motorsport blieb Hans Herrmann Porsche eng verbunden. Über Jahrzehnte unterstützte er das Porsche Museum bei Fahreinsätzen historischer Fahrzeuge auf renommierten Klassik-Veranstaltungen weltweit und blieb damit eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.