Kaufberatung VW Golf GTI. Wer lohnt an meisten?

Einst machten sich zumeist ambitionierte Jungautofahrer auf die Suche nach einem Golf GTI. Doch längst wollen sich immer mehr Autofans in ihren 40er oder 50er Jahren ein Stück Kindheit zurückholen. Wie ginge das besser als mit einem Golf GTI? Wir zeigen, welcher Kauf aktuell der Beste ist und wer das meiste GTI fürs Geld bietet.

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Wer an einen Golf GTI denkt, dem kommt unweigerlich die erste Generation – oftmals in rot oder weiß lackiert – in den Sinn. Mit der ersten Sportversion zeigte Volkswagen Mitte der 1970er Jahre, wie viel Fahrspaß ein kompaktes Auto bereiten kann und es nicht immer ein Porsche oder BMW sein muss, der bei der Kurvenhatz oder auf der Autobahn glänzt. Der kleine Fronttriebler brachte deutlich weniger als 900 Kilogramm auf die Waage und holte aus einem vergleichsweise zahmen 1600er-Triebwerk zunächst 110 PS und dann 112 PS. Die Generation I ist für bis heute viele Kauftipp Nummer eins. Jedoch sind Modelle, die nicht verbastelt worden sind, eher selten in den Fahrzeugbörsen anzutreffen. Die Autos waren einst so billig, dass sie sich nahezu jeder leisten konnte. Sportliches Tuningzubehör gab es zuhauf und so wurden an den meisten Modellen schamlos herumgebastelt. 

Doch wer sich Zeit nimmt, findet von den Golf-Generationen I (1976 – 1983) und II (ab 1984) durchaus Sportversionen, die nicht mit Spoilerwerk, gebördelten Kotflügeln, Motortuning, Boxenorgien und Zubehörauspuffanlagen verschandelt worden sind. Einfacher als in Deutschland ist die Situation in Italien, Südfrankreich oder Spanien. Hier war Tuning verpönt und die GTI-Modelle befinden sich oftmals nicht nur im Originalzustand, sondern das betont sommerliche Wetter hat sie auch vor größerem Rostbefall bewahrt. Dass die durchdringende Sonne nicht nur die Sportsitze ausgeblichen, die Hutablagen zerborsten oder dem Lack seinen schönen Schein genommen hat, nimmt man gerne auf sich, wenn sonst Qualität und Originalität stimmen. 

Bei den Motoren kann man nicht viel falsch machen, denn gut sind sie an sich alle. Der ab Modelljahr 1983 erhältliche 1,8 Liter Motor mit 112 PS ist besser als das Ursprungsmodell mit 1,6 Liter und 110 PS, wobei das Hubraum-Plus mehr bringt als der kümmerliche Leistungszuwachs. Jetzt war der GTI 190 statt bisher 182 km/h schnell und das Plus an Brennraum tat dem Durchzug gerade aus mittleren Drehzahlen sichtlich gut. Besonders begehrt sind Modelle in schwarz oder mit dunkelgrünem Metalliclack; am besten mit Stahlschiebedach und weiteren sportlichen Dreingaben ab Werk. Die Ausstattung selbst in beim Golf I GTI karg, denn viel Komfort gab es nicht. Das wurde erst beim Golf II besser, wo es nicht nur später eine schärfere 16-V-Version, sondern auch Viertürer und Komfortdetails wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Sitzheizung oder Lederstühle gab. Gerade die Modelle aus Südeuropa sind häufig mit solchen Sonderausstattungen versehen, weil der Golf II GTI seinerzeit ein vergleichsweise teures Auto in Frankreich, Spanien oder Italien war.

In Deutschland startete der VW Golf I GTI Mitte der 1970er Jahre bei unter 14.000 D-Mark. Der Nachfolger kostete knapp zehn Jahre später schon rund 24.000 D-Mark. Eine gute Wahl ist der VW Golf GTI II, der aufgrund des Mehrgewichts und eines Katalysators einiges sehr Dynamik einbüßte. So fühlen sich die 107 PS nicht viel mehr an als die 90 bis 98 PS der schwächeren 1,8-Liter-Versionen in VW Golf GL, Carat oder Cabriolet. Kein Wunder, dass hier der Golf GTI 16V mit zunächst 139 und später 129 PS der eigentliche GTI ist. Er bietet als erster GTI echte Langstreckenqualitäten und ist auch nach heutigen Maßstäben durch seine Komfortausstattungen allemal noch zeitgemäß. 

Als der Golf III kam, war es mit der Sportlichkeit des GTI vorbei, denn hier verkam das Buchstabenterzett zu einer Ausstattungsvariante und wer wirklich sportlich unterwegs sein wollte, musste sich für einen 174 PS starken Golf VR6 entscheiden. Ebenfalls kaum ein echter GTI – die Generation IV. Echte GTI-Gefühle kamen erst wieder in der fünften Generation des VW Golf, denn hier war ein GTI wieder einen ebensolcher. Angetrieben von einem 200 PS starken Vierzylinder-Turbo mit zwei Litern Hubraum gab es nicht nur beinahe doppelt so viel Leistung wie beim Ur-GTI, sondern eben wieder echte Sportlichkeit. Wahlweise als Drei- oder Fünftürer zu bekommen, lockte der Golf GTI V mit hohem Alltagsnutzen, einer auf Wunsch kompletten Komfortausstattung und optischen Unterscheidungsmerkmalen zu den anderen Gölfen. Auf Wunsch gab es nicht nur Doppelkupplungsgetriebe, sondern auch karierte Sportsitze und jede Menge Platz für die kleine Familie. 

Wer auch nach heutigen Maßstäben einen günstigen Kompaktsportler sucht, ist mit dem VW Golf GTI V bestens bedient. Insbesondere deshalb, weil die Preise passen und das Angebot groß sind. Mit weniger als 150.000 Kilometern und gutem Pflegezustand geht es bei knapp 6.000 Euro los. Knapp darüber, bei rund 8.000 Euro, beginnt die sechste Generation des Golf GTI, der mit seinem 211 PS starken EA888-Triebwerk für viele noch begehrlicher ist. Dabei handelt es sich beim Golf VI um keine neue Generation, sondern eher eine Modellpflege des Golf V. Der Sechser ist auch als GTI etwas wertiger und der Motor nebst Kombination mit dem Doppelkupplungstriebe DSG noch besser als die bisherigen 200-PS-Version. Mehr GTI fürs Geld als bei einem gut ausgestatteten VW Golf GTI DSG für knapp 10.000 Euro ist aktuell nicht zu bekommen. 

Dagegen kostet ein VW Golf I GTI mit nachvollziehbaren Laufleistung von unter 200.000 Kilometern mittlerweile schnell 15.000 oder mehr. Mit H-Zulassung, ohne Rost und weitgehend restauriert werden bisweilen mehr als 20.000 Euro aufgerufen. Speziell bei Sondereditionen wie dem Pirelli-GTI mit besserer Ausstattung in einer guten Farbe. Von Mai bis Oktober 1983 bot Volkswagen den Pirelli-GTI an. Er bot 1,8 Liter Hubraum, 112 PS, in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und Außenspiegel, speziell designte Pirelli-Alufelgen und eine limitierter Farbauswahl. Rund 10.500 Exemplare wurden produziert – entsprechend dünn ist das Angebot und hoch die Preise.

Die Golf GTI der Generation II sind zahlreicher und nicht zuletzt deshalb auch leichter sowie günstiger zu bekommen. Mit mäßiger Ausstattung sind schon Modelle unter 10.000 Euro im Angebot. Die 16-V-Versionen mit wie ohne Kat und somit 129 oder 139 PS sind in solidem technischen wie optischen Zustand und mit entsprechenden Sonderausstattungen kaum unter 15.000 Euro zu bekommen. Auch hier kennen die Preise aktuell nur eine Richtung. Begehrt sind besonders die seltenen Versionen mit umfangreichen Extras und ungewöhnlichen Farbkombinationen. 

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.

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