Die Zutaten könnten ebenso gut aus Detroit stammen: 6,2 Liter Hubraum, acht Zylinder, Saugmotor, Automatik und reichlich Leistung an der Hinterachse. Doch der CLK 63 AMG Black Series kam nicht aus den USA, sondern aus Affalterbach. Zwischen 2007 und 2009 entstand dort ein Coupé, das mit dem gewöhnlichen CLK nur noch wenig gemein hatte.
Das Ausgangsmodell war ein komfortabler Zweitürer der Baureihe C 209, erhältlich vom CLK 200 Kompressor bis zum CLK 220 CDI. AMG machte daraus einen kompromisslosen Zweisitzer mit 507 PS, breiter Karosserie, einstellbarem Fahrwerk und Technik aus dem damaligen Formel-1-Safety-Car.
Schon der Auftritt lässt keinen Zweifel an seinen Ambitionen. Während sich manche AMG-Modelle nur dezent von der Serie unterscheiden, trägt der Black Series seine Herkunft offen zur Schau. Ausgestellte Radhäuser, große Kühlluftöffnungen, Carbon-Auslässe, ein markanter Heckspoiler und ein Diffusor mit ausgeprägten Finnen nehmen dem eleganten CLK fast jede Zurückhaltung.
Die 4,66 Meter lange Karosserie wirkt breit, gedrungen und deutlich aggressiver als beim Serienmodell. Besonders auffällig ist die Frontschürze mit ihren großen Öffnungen und den seitlichen Luftauslässen. Am Heck sorgen der Diffusor und zusätzliche Kühlmaßnahmen für die Hinterachse dafür, dass die Form nicht allein dem Auftritt dient.
Zwei Sitze statt Kompromisse
Auch im Innenraum verabschiedete sich AMG vom gewöhnlichen Gran Turismo. Die Rückbank entfiel und wurde durch ausgeformte Gepäckablagen ersetzt. Vorn nehmen Fahrer und Beifahrer in engen Schalensitzen Platz, das unten abgeflachte Lenkrad ist mit Alcantara bezogen.
Ganz auf Komfort verzichtete AMG dennoch nicht. Klimaautomatik, elektrische Fensterheber und Navigationssystem blieben an Bord. Auch die Sitze bieten trotz ihres ausgeprägten Seitenhalts genügend Komfort für längere Strecken. Der Black Series war damit kein ausgeräumter Rennwagen, sondern ein sehr schneller Straßenwagen mit deutlicher Nähe zum Motorsport.
Diese Mischung prägt auch sein Fahrverhalten. Der CLK 63 AMG Black Series ist präzise, direkt und sehr schnell, aber nicht frei von Eigenheiten. Der schwere V8 sitzt weit vorn, das Leergewicht liegt bei knapp 1,8 Tonnen. Eine ausgewogene Gewichtsverteilung gehörte deshalb nicht zu seinen Stärken.
Wer zu spät in eine Kurve hineinbremst, spürt die Last auf der Vorderachse. Beim Herausbeschleunigen verlangt die Hinterachse ebenfalls Aufmerksamkeit. Auf rutschigem Asphalt oder in engen Kurven haben die 507 PS leichtes Spiel mit den Hinterreifen. Das ESP ist sportlich abgestimmt, bleibt aber aus gutem Grund an Bord.
Die Lenkung arbeitet präzise, könnte um die Mittellage jedoch etwas mehr Widerstand bieten. Das Gewindefahrwerk lässt sich in Zug- und Druckstufe anpassen. In der serienmäßigen Einstellung behält der CLK eine gewisse Alltagstauglichkeit, erlaubt aber spürbare Karosseriebewegungen. Wer regelmäßig auf der Rennstrecke unterwegs ist, kann die Abstimmung entsprechend verschärfen.
Eine mechanische Differenzialsperre unterstützt die Traktion. Die Hochleistungsbremsanlage arbeitet vorn mit größeren Verbundscheiben. Auf den geschmiedeten 19-Zoll-Rädern sitzen Sportreifen im Format 265/30 an der Vorder- und 285/30 an der Hinterachse.
Der große AMG-Saugmotor
Das Herzstück ist der von AMG entwickelte Achtzylinder der Baureihe M 156. Trotz der Typenbezeichnung 63 beträgt der tatsächliche Hubraum 6.208 Kubikzentimeter. Im Black Series leistet der Saugmotor 507 PS bei 6.800 Umdrehungen und entwickelt ein maximales Drehmoment von 630 Nm bei 5.250 Touren.
Der Motor war eng mit dem Aggregat des damaligen Formel-1-Safety-Cars verwandt. Zusätzliche Kühlmaßnahmen an Motor, Getriebe und Hinterachse sollten dafür sorgen, dass der CLK auch bei hoher Belastung standfest blieb.
Unter guten Bedingungen beschleunigt der Black Series in 4,3 Sekunden auf 100 km/h. Erst bei 300 km/h beendet die Elektronik den Vortrieb. Beeindruckender als die Zahlen ist jedoch die Art, wie der Motor seine Leistung entfaltet. Der V8 reagiert ohne Verzögerung, dreht frei hoch und verbindet seinen Schub mit jenem tiefen, metallischen Klang, für den die großen AMG-Saugmotoren bis heute bekannt sind.
Die Kraftübertragung übernimmt eine modifizierte Siebengang-Automatik mit verkürzter Hinterachsübersetzung. Gegenüber modernen Doppelkupplungsgetrieben wirken die Schaltvorgänge heute weniger unmittelbar, doch für ihre Zeit arbeitete die Automatik schnell und erstaunlich treffsicher. Im Sportprogramm hält sie die Gänge lange und wählt beim Anbremsen zuverlässig die passende Fahrstufe. Manuelle Eingriffe sind über Aluminium-Schaltpaddel möglich, aber nicht zwingend nötig.
Teuer, selten und längst gesucht
Bei seiner Markteinführung kostete der CLK 63 AMG Black Series 141.610 Euro. Der reguläre CLK 63 AMG mit 481 PS war bereits für 89.900 Euro erhältlich. Der Aufpreis von mehr als 50.000 Euro kaufte keine bloße Leistungssteigerung, sondern einen tiefgreifend umgebauten Wagen mit breiter Karosserie, spezieller Fahrwerkstechnik, zwei Sitzen und deutlich geschärftem Charakter.
Damals war kaum abzusehen, welchen Stellenwert der Black Series einmal einnehmen würde. Heute gilt er als einer der charakterstärksten AMG der Neuzeit: ohne Turbolader, ohne Allradantrieb und ohne elektrische Unterstützung. Ein großer Saugmotor, eine robuste Automatik und eine Hinterachse, die Aufmerksamkeit verlangt.
Auf dem internationalen Gebrauchtwagenmarkt werden noch einige Fahrzeuge angeboten. Die Preise beginnen bei rund 100.000 Euro, gute Exemplare liegen deutlich darüber. Entscheidend sind Laufleistung, Historie und Originalzustand. Gerade Fahrzeuge, die tatsächlich auf Rennstrecken bewegt wurden, sollten sorgfältig geprüft werden.
Der CLK 63 AMG Black Series war kein perfektes Auto. Dafür war er zu schwer, zu kopflastig und auf schlechtem Untergrund zu fordernd. Doch gerade diese Eigenheiten machen heute einen Teil seines Reizes aus. Er entstand zu einer Zeit, in der AMG aus einem eleganten Coupé noch einen breitbeinigen Achtzylinder mit 507 PS machen konnte, ohne sich für Verbrauch, Gewicht oder Zurückhaltung rechtfertigen zu müssen.
Fast zwei Jahrzehnte später arbeitet Affalterbach wieder an einem leistungsstarken Coupé mit V8. Die Erwartungen daran sind nicht zuletzt deshalb so hoch, weil es einen Vorgänger wie diesen gibt.
Technische Daten Mercedes CLK 63 AMG Black Series
- Motor: V8-Saugmotor
- Hubraum: 6.208 cm³
- Leistung: 373 kW/507 PS bei 6.800 U/min
- Maximales Drehmoment: 630 Nm bei 5.250 U/min
- Antrieb: Hinterradantrieb
- Getriebe: Siebengang-Automatik
- Beschleunigung 0–100 km/h: 4,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
- Leergewicht: rund 1.760 Kilogramm
- Reifen vorn: 265/30 R 19
- Reifen hinten: 285/30 R 19
- Neupreis: 141.610 Euro