Aston Martin Valen. Der böse Bruder.

Mit 850 PS, Carbon-Karosserie und deutlich schärferem Fahrwerk rückt der Aston Martin Valen weit vom eleganten Vanquish ab. Nur 150 Exemplare entstehen - und genau darin liegt sein Reiz: Er zeigt, wie weit Aston Martin seine klassische Frontmotor-Idee treiben kann.

Aston Martin hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe exklusiver Sondermodelle aufgelegt, vom Valour über den Valiant bis zum DBR22. Der zur Monterey Car Week vorgestellte Valen geht nun noch einen Schritt weiter. Technisch eng mit dem Vanquish verwandt, bekommt er eine eigenständige Carbon-Karosserie, weniger Gewicht, mehr Leistung und ein deutlich aggressiver abgestimmtes Fahrwerk.

Aston Martin Valen 02

Der Name leitet sich vom lateinischen „valens“ ab und bedeutet so viel wie stark oder mächtig. Ganz unpassend ist das nicht: Aston Martin bezeichnet den Valen als leistungsstärkstes Frontmotor-Serienfahrzeug seiner Geschichte.

850 PS ohne elektrische Hilfe

Unter der langen Haube sitzt weiterhin der bekannte 5,2-Liter-V12 mit zwei Turboladern. Im Vanquish leistet er 835 PS, im Valen steigt die Leistung auf 850 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 1.000 Nm.

Auf Hybridunterstützung verzichtet Aston Martin vollständig. Der V12 sitzt weit hinter der Vorderachse und soll zusammen mit der Carbon-Kardanwelle und dem hinteren Transaxle-Antrieb für eine Gewichtsverteilung von 53:47 sorgen.

Aston Martin Valen 03

Die Kraft gelangt über eine überarbeitete Achtgang-Automatik von ZF an die Hinterräder. Für den Valen übernimmt Aston Martin Schaltstrategien aus dem Vantage GT4. Zur Wahl stehen Sport, Sport+ und Track. Einen komfortorientierten GT-Modus, wie ihn der Vanquish besitzt, gibt es nicht mehr.

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Aston Martin nennt rund 3,1 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch bei 344 km/h begrenzt. Damit liegt der Valen noch etwas oberhalb des Ferrari 12Cilindri, der bei 340 km/h Schluss macht.

Bis zu 110 Kilogramm leichter

Mindestens ebenso wichtig wie die zusätzliche Leistung ist das Gewicht. Die komplette Außenhaut besteht aus Carbon, die Räder werden aus Magnesium gefertigt und auch die Titan-Abgasanlage spart Masse.

Gegenüber dem Vanquish soll der Valen in seiner leichtesten Konfiguration bis zu 110 Kilogramm verlieren. Ein optionales Lightweight-Paket trägt davon noch einmal rund 17 Kilogramm bei. Es umfasst unter anderem aus dem Vollen gefräste Aluminium-Fahrwerkskomponenten und Titanschrauben im Chassis. Ein offizielles Leergewicht nennt Aston Martin bislang nicht.

Aston Martin Valen 07

Auch das Fahrwerk wurde gründlich überarbeitet. Semiaktive Bilstein-DTX-Dämpfer arbeiten mit neuen Federn und Zusatzfedern, der hintere Hilfsrahmen ist starr mit der Karosserie verbunden. Lenkung, Achsgeometrie und Carbon-Keramik-Bremse wurden ebenfalls neu abgestimmt.

Der Valen soll sich damit deutlich agiler anfühlen als ein Vanquish, ohne seinen Charakter als schneller Gran Turismo vollständig abzulegen.

Schönheit war offenbar nicht das Ziel

Optisch schlägt der Valen allerdings eine ganz andere Richtung ein als der vergleichsweise elegante Vanquish.

Die Front trägt schmale, tief eingesetzte LED-Scheinwerfer, große Öffnungen und einen ausgeprägten Splitter. Seitlich ziehen sich verlängerte Luftauslässe aus den vorderen Radhäusern nach hinten, vor den Hinterrädern sitzen sägezahnartige Aeroelemente, die an den Valhalla erinnern.

Aston Martin Valen 09

Besonders ungewöhnlich ist das Heck. Eine klassische Heckscheibe gibt es nicht. Stattdessen sitzt dort eine geschlossene Carbon-Klappe mit integrierter Spoilerkante und durchgehendem Rücklichtband. Den Blick nach hinten übernimmt eine Kamera.

Darunter dominiert ein großer Diffusor, zwischen dessen Elementen die eigentliche Besonderheit des Valen steckt: vier echte Endrohre, die ungewöhnlich weit voneinander entfernt sitzen. Zwei befinden sich hoch im Heck, zwei weitere tiefer im Diffusor.

Bei hoher Last öffnen zusätzlich die unteren Abgaswege. Aston Martin spricht von einem subjektiv rund 50 Prozent stärkeren Klangerlebnis als beim Vanquish.

Zur Premiere trägt der Valen eine spezielle Satin-Andromeda-Red-Lackierung, deren Farbton je nach Licht zwischen Rot, Burgund, Kupfer und Gold changiert. Wer es technischer mag, kann große Teile der Carbonstruktur auch sichtbar lassen.

Weniger Vanquish im Innenraum

Auch innen grenzt sich der Valen deutlich vom Serienmodell ab. Die Mittelkonsole fällt schmaler aus, zahlreiche Komponenten bestehen aus Scalmalloy, einer per 3D-Druck verarbeiteten Aluminium-Scandium-Legierung aus der Luft- und Raumfahrt.

Carbon-Sportsitze gehören ebenso zum Konzept wie viel Leder und Alcantara. Einige Klimafunktionen wandern allerdings in den Touchscreen – ein Detail, das nicht unbedingt zu der ansonsten fahrerorientierten Ausrichtung passen will.

Aston Martin Valen 11

Hinter den beiden Sitzen gibt es zusätzliche Ablagen, der Gepäckraum fasst 170 Liter. Maßgeschneidertes Reisegepäck gehört erwartungsgemäß zum möglichen Individualisierungsprogramm.

Über Q by Aston Martin können die 150 Käufer nahezu sämtliche Farben, Materialien und Details ihres Autos bestimmen.

150 Stück, rund 1,7 Millionen Dollar

Die Produktion ist weltweit auf 150 Exemplare begrenzt – genauso viele wie einst von der Valkyrie gebaut wurden.

Einen offiziellen Listenpreis nennt Aston Martin nicht. Nach Informationen des Robb Report soll der Valen jedoch bei rund 1,7 Millionen US-Dollar vor Steuern liegen. Die ersten Auslieferungen sind für Anfang 2027 vorgesehen.

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