Renault 8 Gordini Concept. Blaupause.

Renault holt einen großen Namen aus der eigenen Sportgeschichte zurück. Das 8 Gordini Concept zitiert den berühmten Renault 8 Gordini der 1960er Jahre, überträgt dessen Formen in die Gegenwart und soll vor allem eine Frage beantworten: Hat Gordini als sportliche Submarke noch einmal eine Zukunft?

Seit 2011 hat Renault den Namen Gordini nicht mehr für ein Straßenmodell verwendet. Damals waren Clio und Twingo die letzten Träger des berühmten Schriftzugs. Nun wagt Renault einen neuen Versuch – vorerst allerdings nur als Studie. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Der elektrische Renault 5 hat gezeigt, wie gut sich historische Formen mit moderner Technik verbinden lassen, ohne in bloßer Nostalgie zu enden. Genau dieses Prinzip überträgt Renault nun auf Gordini.

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Dabei geht es um deutlich mehr als zwei weiße Streifen auf blauem Lack. Amédée Gordini gehörte zu den prägenden Figuren des französischen Motorsports. Der gebürtige Italiener gründete 1946 sein eigenes Unternehmen, nachdem er sich bereits zuvor mit der technischen Verfeinerung von Simca-Modellen einen Namen gemacht hatte. In den frühen 1950er Jahren versuchte sich Gordini sogar in der Formel 1, musste sich jedoch Mitte des Jahrzehnts zurückziehen. Gegen die finanziell deutlich stärkeren Werke von Mercedes, Maserati oder Ferrari war auf Dauer wenig auszurichten.

Gordini historisch 2

Die engere Verbindung zu Renault entstand Ende der 1950er Jahre. Gordini arbeitete an Motoren für Le Mans und entwickelte aus eher bodenständigen Renault-Modellen deutlich schärfere Varianten. Den Anfang machte 1957 der Dauphine Gordini, dessen Leistung von 32 auf immerhin 38 PS stieg. Wichtiger als die nackte Zahl war das Prinzip: aus einem Großserienauto mit überschaubarem Aufwand etwas Besonderes zu machen.

Der blaue Renault, den jeder kannte

Zum eigentlichen Symbol der Zusammenarbeit wurde ab 1964 der Renault 8 Gordini. Aus der kleinen Limousine mit zunächst 50 PS machte Gordini ein erheblich ernsthafteres Sportgerät. Zunächst standen 95 PS zur Verfügung, später stieg die Leistung mit größerem Hubraum auf 110 PS.

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Mindestens ebenso wichtig wie die Technik war sein Auftritt. Blau, zwei weiße Streifen über Haube, Dach und Heck – damit war die visuelle Identität praktisch erledigt. Mehr brauchte es nicht. Der Renault 8 Gordini wurde im Rallyesport erfolgreich und entwickelte sich zu einem der bekanntesten französischen Sportmodelle seiner Zeit.

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Später folgten Renault 12 und 17 Gordini, doch der Achter blieb der prägendste Vertreter. Amédée Gordini selbst zog sich Ende der 1960er Jahre schrittweise aus dem Unternehmen zurück. Renault übernahm schließlich vollständig. Der Name blieb eng mit dem Motorsport verbunden, auch als Renault später mit Turbomotoren in die Formel 1 einstieg.

300 Entwürfe, einer durfte bleiben

Für das neue 8 Gordini Concept veranstaltete Renault intern einen Designwettbewerb. Rund 300 Vorschläge gingen ein, zwei davon wurden als Modelle im Maßstab 2:5 umgesetzt. Aus diesem Duell entstand schließlich die nun gezeigte Studie.

Mit 4,12 Metern Länge bewegt sich das Concept ungefähr auf Clio-Niveau, fällt mit 1,88 Metern aber deutlich breiter aus. Nur 1,27 Meter Höhe geben ihm eine ausgesprochen flache Haltung. Der historische Renault 8 war dagegen eine schmale, hohe Limousine. Genau darin liegt der Reiz der Neuinterpretation: Renault kopiert das Original nicht, sondern übernimmt einzelne Merkmale und setzt sie auf völlig neue Proportionen.

Vorn erinnern Rundscheinwerfer und die steile Front an den Klassiker. Auch die relativ aufrecht stehende Windschutzscheibe, die Gestaltung der C-Säule und die rechteckig eingefassten Radhäuser greifen Motive des alten Gordini auf. Selbst die geriffelte Gestaltung der Zahl „8“ orientiert sich am historischen Emblem.

Am deutlichsten wird die Verbindung jedoch am Heck. Die hoch aufragende Partie mit ihrem über die gesamte Breite verlaufenden Gitter hat keine technische Notwendigkeit. Sie ist reine Erinnerung an den luftgekühlten Heckmotor-Renault von einst. Retro darf eben manchmal auch einfach Retro sein.

Heckantrieb und 270 PS

Die Studie rollt vorn auf 19-, hinten auf 20-Zoll-Rädern. Die unterschiedlichen Dimensionen betonen den Heckantrieb, denn dort sitzt auch die Leistung. Renault nennt 270 PS, lässt bislang aber offen, ob dafür ein oder zwei Elektromotoren verantwortlich sind.

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Noch deutlicher als außen spielt der Innenraum mit der Vergangenheit. Ein großer zentraler Touchscreen fehlt. Stattdessen zieht sich eine Reihe runder Instrumente über das Armaturenbrett. Dazu kommen Schalensitze mit integrierten Kopfstützen und Cordbezüge am Armaturenbrett. Nur die elektrisch betätigte Türöffnung verrät ohne Umweg, dass dieser Gordini nicht aus den 1960er Jahren stammt.

Sollte aus der Studie tatsächlich ein Serienmodell entstehen, dürfte Renault das Konzept allerdings entschärfen. Das Showcar besitzt nur zwei Sitze; eine mögliche Serienversion würde wohl alltagstauglicher und damit eher viersitzig ausfallen.

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Genau darum geht es bei diesem Auto ohnehin. Renault testet nicht nur ein Design, sondern die Tragfähigkeit des Namens Gordini. Der Erfolg des R5 hat gezeigt, dass die eigene Vergangenheit derzeit ein ziemlich gutes Ersatzteillager für neue Ideen ist.

Das Renault 8 Gordini Concept ist ab dem 24. September im Renault „Desfile“ an den Champs-Élysées zu sehen. Anschließend zieht die Studie weiter zum Pariser Autosalon.

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