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Aston Martin DBX 707. Dieser Grill.

Wenn der Lamborghini Urus der Hochleistungssportler der Hyper-SUV ist, gibt der Aston Martin DBX 707 den englischen Gentleman, der aber auf Wunsch den Maßanzug ablegt und sich das Sportdress überstreift. Mit einer Leistung von 707 PS weißt er den Italo-Lover schon mal in die Schranken und auch bei der Dynamik braucht sich der Aston Martin nicht verstecken.

Britisches Understatement kann man dem Aston Martin DBX 707 nun wirklich nicht attestieren. Der monströse Kühlergrill scheint einen Smart der ersten Generation im Vorübergehen zu verschlingen. In der Tat ist der zentrale Lufteinlass um 30 Prozent größer als beim Standard-DBX, und der geizt ja schon nicht mit der Hoppla-jetzt-komme-ich-Attitüde. Neben der technischen Notwendigkeit, da der Vier-Liter-Biturbo-V8 Kühlluft braucht, misst sich der Aston Martin DX 707 mit Hyper-SUVs wie dem Lamborghini Urus, dessen optisches Auftreten auch nicht das Zurückhaltendste ist.

Da ist es gut, dass der Brite seinem Aussehen auch Taten folgen lässt. Mit 707 PS hat er 57 PS mehr als sein italienischer Widersacher und 67 PS mehr als der Porsche Cayenne Turbo GT. „Wir schlagen den Urus bei allen dynamischen Daten“, sagt Baureihenleiter Steven Smith. Bei der Beschleunigung aus dem Stand nimmt der Aston Martin dem Lamborghini mit 3,3 Sekunden schon mal 0,3 Sekunden ab. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 310 km/h und ist um fünf km/h höher als die des Italieners. Die Kraft schöpft der Aston Martin unter anderem aus einem größeren Turbolader, der aus der Black Series des Motorenlieferanten Mercedes-AMG stammt.

So viel dazu, aber der Ski-Weltcup wird nicht nur durch Triumphe in der Abfahrt gewonnen, sondern auch durch Siege in Slalom und Riesenslalom. Damit der DBX 707 vernünftig um die Ecke geht, haben die Ingenieure an den entsprechenden Stellen Hand angelegt und zum Beispiel 40 Kilogramm an ungefederten Massen aus dem Auto genommen, davon alleine 24 Kilogramm an der Vorderachse durch andere Bremsen, hinten sind es insgesamt zehn Kilogramm. Die Lager an der vorderen Radaufhängung sind um 55 Prozent steifer als beim Standard-DBX. Dazu kommt hinten ein optimiertes elektrisches Differenzial, das mehr Drehmoment aufnehmen und verteilen kann. Eine Carbon-Kardanwelle, die aus einem Stück gefertigt ist, reduziert ebenfalls das Gewicht und die Geräusche. 

Diese ganzen Dynamik-Verbesserungen müssen mit aerodynamischen Optimierungen einhergehen, sonst verpuffen sie beinahe wirkungslos. Air Curtains reduzieren den Auftrieb an der Vorderachse und verbessern zusammen mit dem veränderten Fahrwerk das Einlenkverhalten. Der Dachspoiler sorgt für ein ausbalanciertes Fahrverhalten „Unsere Wettbewerber haben den Schwerpunkt nach hinten gelegt, deswegen gibt die Lenkung hohen Geschwindigkeiten weniger Rückmeldung“, erklärt Steven Smith.

Die dickeren Auspuffrohre sind nur ein passender visueller Abschluss und führen dazu, dass die Abgasanlage einen satten, voluminösen Klang entwickelt, der zwar akustisch präsent, aber selbst im Sport-Plus Fahrprogramm nie zu aufdringlich wird. Da ist es dann doch, das britische Understatement. Das legt der Antriebsstrang auf Wunsch des Fahrers aber auch ab. Sobald man beim Starten des Motors an einer Schaltwippe zieht, öffnet die Auspuffanlage alle Klappen und lässt die Umgebung akustisch an der Potenz des Achtzylindermotors teilhaben. Wer auf gute Nachbarschaft Wert legt, sollte diese Gelegenheit, akustisch aufzuzeigen, unbedingt öfters nutzen.

Die Melange aus verschiedenen Maßnahmen verfehlt ihre Wirkung nicht. Das Hyper-SUV aus Gaydon deckt die ganze Bandbreite der Fahrdynamik-Palette ab und ist dennoch nicht so spitz und kompromisslos abgestimmt wie der Lamborghini Urus, der den Fahrer vor die Wahl stellt: schnell oder brutal schnell. Dabei geht der Aston Martin DBX 707 ebenfalls mit einer beachtlichen Verve um die Ecke, bleibt aber dabei immer verbindlich und dem Lenker wohlgesonnen. Flott fahren geht entspannt von der Hand, dabei hilft natürlich die Front-Mittelmotor-Bauweise. Bei ambitionierten Kurvenfahrten meldet sich das Heck zu Wort, aber nicht ohne sein Mitwirken zuvor freundlich anzukündigen. Der grundsätzlich auf die Hinterachse fokussierte Allradantrieb sorgt mit einer maximal paritätischen Kraftverteilung für Traktion. Eine Hinterachslenkung fehlt beim DBX 707.

„Die brauchen wir bei unserer Plattform nicht“, sagt Steven Smith. Die mächtigen Carbon-Keramik-Bremsen (42 cm Scheiben vorne, 39 cm hinten) sind standfest, könnten aber einen Schuss verbindlicher bei der Dosierbarkeit sein. Auch der Komfort kommt beim Aston-Martin-SUV im GT-Fahrmodus nicht zu kurz, bei dem das Fahrwerk seine kommode Seite ausspielt. Das ist umso bemerkenswerter, da unser Testwagen auf Rädern mit 23 Zoll Felgen unterwegs war. Die guten Sportsitze tragen ihren Teil dazu bei, dass auch lange Strecken nicht zur Tortur werden. Fehlt nur noch der Blick auf den Verbrauch. Den gibt Aston Martin mit 14,2 Litern pro 100 Kilometer an, wir kamen bei unserer ersten Testfahrt auf 17,9 l/100 km.

Im Aston Martin DBX 707  ist die Anwesenheit der Technik des Partners Mercedes-AMG allgegenwärtig. Während das dem SUV beim Motor zum Vorteil gereicht, schaut es beim Innenraum etwas anders aus, auch wenn die Briten alles tun, um das Interieur mit Carbonapplikationen so schmuck wie möglich aussehen zu lassen, um die Verwandtschaft so gut es geht zu kaschieren. Das Infotainment ist nicht mehr zeitgemäß, was manche Kunden nicht stören dürfte, da es beim DBX 707 um die Dynamik und nicht um das Heimkino-Erlebnis geht. Allerdings ist es bei einem Auto, das 238.500 Euro kostet, nicht standesgemäß, wenn sich das Navigationssystem verabschiedet.

TEXT Wolfgang Gomoll für WALTER

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