Audi will wieder Emotionen wecken. Nach dem Ende von Coupés, Cabrios und Sportwagen soll die Marke nicht länger nur der Konkurrenz aus München und Stuttgart hinterherfahren, die bei Image und Verkaufszahlen enteilt ist. Neben dem Serienmodell der elektrischen Roadsterstudie Concept C soll insbesondere die Neuauflage des Audi R8 das Markenbild schärfen. Vom bisherigen Mittelmotorsportwagen hatten sich die Ingolstädter erst vor zwei Jahren verabschiedet. Einen Nachfolger wünschten sich nicht nur Sportwagenfans, sondern auch die Konzernschwester Lamborghini, die den Temerario als Nachfolger des Huracán allein entwickeln musste.
Nachdem der Lamborghini Temerario mit seinem vier Liter großen V8-Biturbomotor und elektrifiziertem Allradantrieb seit knapp einem Jahr auf dem Markt ist, hat Audi nun doch die Entscheidung getroffen, wieder einen Sportwagen aufzulegen. Weil die Voraussetzungen für eine Großserie fehlen, die Fertigung zwischen Norditalien und Deutschland aufwendig ist und die Exklusivität gewahrt werden soll, bleibt der Audi Nuvolari auf 499 Exemplare limitiert. Der Preis liegt bei 590.000 Euro. Dafür erhalten Käufer eine Karbonkarosserie, die Technik des Lamborghini Temerario und ein bewusst puristisch gehaltenes Design.
Nach lediglich eineinhalb Jahren Entwicklungszeit soll der Mittelmotorsportwagen bereits Ende des Jahres vorgestellt und ab Anfang 2027 ausgeliefert werden. Anders als viele Konkurrenten setzt Audi nicht auf einen reinen Elektroantrieb, sondern auf einen leistungsstarken Plug-in-Hybrid mit 1.001 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 350 km/h.
Entstanden ist der geschlossene Zweisitzer in einem streng abgeschirmten Entwicklungsprojekt innerhalb des Audi-Designzentrums in Ingolstadt. Nur wenige Mitarbeiter hatten Zugang. Ein entscheidender Vorteil: Kurz nach dem Start des Projekts wechselte Audi seinen Entwicklungsvorstand. Geoffrey Bouquot wurde im März 2026 durch Rouven Mohr ersetzt. Der 47-jährige Saarländer war zuvor als Technikchef bei Lamborghini tätig und kannte die Plattform des Temerario bis ins Detail. Das beschleunigte die Entwicklung erheblich.
„Der Nuvolari ist der erste Supersportwagen mit High-Performance-Hybridantrieb von Audi und definiert mit seiner Aerodynamik und der Weltneuheit Quattro Predictive Ride neue Maßstäbe“, kündigt Rouven Mohr einen besonders fahrdynamischen Allradantrieb an.
Technische Details hält Audi bislang weitgehend unter Verschluss. Für den Vortrieb sorgt ein aufgeladener V8-Motor mit vier Litern Hubraum, 800 PS und 730 Nm Drehmoment. Unterstützt wird er von einem Axialfluss-Elektromotor im Doppelkupplungsgetriebe sowie zwei weiteren Elektromotoren mit jeweils 150 PS an der Vorderachse. Die Energie liefert eine Batterie mit einer Kapazität von 7,3 kWh. Der Sprint auf 100 km/h soll in 2,6 Sekunden gelingen. Nach 6,8 Sekunden fällt bereits die Marke von 200 km/h.
Neu entwickelt wurde vor allem das Allradsystem. Es verarbeitet Sensordaten wie Beschleunigung, Lenkwinkel, Gierrate und verfügbares Gripniveau in Echtzeit und verteilt die Antriebskraft gezielt zwischen Vorder- und Hinterachse sowie zwischen den einzelnen Rädern. Ergänzt wird das System durch eine aktive Aerodynamik, die situationsabhängig den erforderlichen Anpressdruck erzeugt.
Für die Verzögerung sorgt eine Hochleistungsbremsanlage mit Zehnkolben-Festsätteln und 420 Millimeter großen Bremsscheiben an der Vorderachse sowie Vierkolben-Sätteln und 410 Millimeter großen Scheiben hinten. Eine speziell entwickelte Innenbelüftung soll die Wärmeabfuhr gegenüber herkömmlichen Karbon-Keramik-Bremsanlagen um rund 20 Prozent verbessern. Das Rekuperationspotenzial wird mit bis zu 2,8 Megawatt angegeben – ein Wert auf Formel-1-Niveau.
Der Name Nuvolari ist bei Audi nicht neu. Bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten trug eine 2+2-sitzige Konzeptstudie diese Bezeichnung. Sie gilt als Vorläufer des späteren Audi A5 Coupé. Namensgeber ist Tazio Nuvolari, der 1933 die 24 Stunden von Le Mans gewann. Der 1892 in Mantua geborene Italiener zählt zu den erfolgreichsten Rennfahrern der Vorkriegszeit. Als Werksfahrer der Auto Union wurde er zur Legende. Bekannt war Nuvolari nicht nur für seinen spektakulären Fahrstil, sondern auch für den gelben Pullover, den er bei seinen Rennen stets trug. Er starb 1953 im Alter von 60 Jahren.