BMW i Vision Dee. Digitale Gefühlswelt.

So eine Show hat die CES wohl noch nie gesehen. BMW gab mit der Konzeptstudie des i Vision Dee einen unterhaltsamen Ausblick auf seine neue Klasse, die Mitte der Dekade ihre Premiere feiert. In den Keynote-Nebenrollen reif für einen Vegas-Oscar: Oliver Zipse, Arnold Schwarzenegger, David Hasselhoff, Herbie und Kitt.

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Wer meinte, nach dem mächtigen Luxus-Doppelpack aus 7er und XM würde bei BMW erst einmal durchgeatmet, der rieb sich verwundert die Augen. Jetzt folgte das große Vegas-Entertainment auf der Consumer Electronic Show: BMW-CEO Oliver Zipse präsentierte im voll besetzten Pearl Theater des Palms Hotel die automobile Zukunft der Bayern. Star des Abends: die Konzeptstudie des BMW i Vision Dee, die mehr als einen Vorgeschmack auf die neue Mittelklasse der Bayern geben soll und allzu gerne mit seinen Filmvorgängern Kitt und Herbie spielt. Den Rest erledigten Arnold Schwarzenegger und David Hasselhoff.

Auch bei der CES im vergangenen Jahr hatte BMW unter den Autoherstellern einen der am meisten beachteten Auftritte. Das lag weniger am erstmals präsentierten Fond-Großbildschirm, den die Bayern später in üppiger Größe mit dem neuen Markenaushängeschild des Siebeners einführten, sondern am BMW iX E-Ink, der auf Knopfdruck seine Farbe ändern konnte. 

Auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas, seit Jahren die weltweit wichtigste Techmesse, reichte das für viel Aufmerksamkeit und jede Menge Applaus des Fachpublikums, das trotz anhaltender Corona Pandemie in die Spielerstadt gereist war. In diesem Jahr wird es seitens der Münchner deutlich konkreter, was neue Modelle angeht. Zwar wird die erstmals enthüllte Konzeptstudie des BMW i Vision Dee so nicht in Serie kommen, doch ein direkter Bezug zu der ab 2025 geplanten „neuen Klasse“ ist der Zukunftsstudie kaum abzusprechen. 

BMW kann mit der bunten Auftakt-Keynote mehr als zufrieden sein, denn auch wenn sich vor Wochen die Freude in Grenzen hielt, dass mit Carlos Tavares der CEO eines weiteren Autokonzerns mit einer Keynote viel Aufmerksamkeit zuteilwird, so genoss BMW als CES-Dauergast in der Spielerstadt die Gunst der frühen Geburt. Denn Tavares ist mit seiner Keynote-Rede zur Mobilität des breit gefächerten Stellantis Konzerns erst einen Tag später auf der Bühne des Venetian Hotels dran und dürfte die Auftritte von Schwarzenegger, Hasselhoff und Herbie kaum kontern können. Wichtig, weil der Portugiese auf der Techmesse nicht nur Studie des Peugeot Inception Concept enthüllen, sondern auch das Tuch vom elektrischen Ram 1500 ziehen will – ein Full-Size-Pick-Up mit großer Bedeutung für Stellantis und die amerikanischen Markenableger Dodge, Chrysler und Jeep. 

Das focht BMW mit Oliver Zipse auf der Pearl-Showbühne nicht an. Nach zahlreichen polarisierenden Designkreationen aus dem Hause BMW will der i Vision Dee seine Betrachter auf der Messe mit visuellen Einflüssen nicht überfordern. Die einzelnen Elemente des Viertürers sind reduziert und fokussieren sich neben den Proportionen auf BMW-Ikonen wie Doppelscheinwerfer, Niere und Hofmeister-Knick. Der imaginär elektrisch angetriebene Dee – steht für Digital Emotional Experience – ist eine Mittelklasselimousine – mit klassischen Drei-Box-Design und kurzen Überhängen, reduzierten Karosserielinien und einem Innenraum, auf den es letztlich ankommen soll, um die Messebesucher in der Spielerstadt für sich einzunehmen.

Besondere Bedeutung kommt hierbei dem neue Head-Up-Display zu, das sich nahezu über die gesamte Frontscheibe ziehen soll. Hierbei werden nicht wie bisher die wichtigsten Informationen in den Sichtbereich des Fahrers projiziert, sondern die Frontscheibe dient großflächig als Display der Zukunft. Erstmals verfügbar soll das Hightech-Display bei der neuen Klasse ab dem Jahre 2025 sein und dann sukzessive in zahlreichen weiteren Modellen Einzug halten. Die Bedienung erfolgt durch minimierte Touch-Oberflächen des sogenannten Mixed Reality Sliders oder per Sprache.

Nach dem medialen Erfolg des BMW iX E-Ink aus dem vergangenen Jahr legen die Bayern bei der Vielfarbaußenhaut nunmehr kraftvoll nach. Die Karosserie des BMW Dee ist in 240 Segmente unterteilt, die allesamt einzeln angesteuert werden und so ihre Farbe ändern können. Wer will, kann den BMW Dee in einer Insellandschaft wie einst den VW Polo Harlekin in 32 unterschiedlichsten Farben erstrahlen lassen.

„Mit dem BMW i Vision Dee zeigen wir, was möglich ist, wenn Hardware und Software verschmelzen. Damit schöpfen wir das volle Potenzial der Digitalisierung aus, um das Auto zu einem intelligenten Begleiter zu machen“, sagt BMW-CEO Oliver Zipse, „gleichzeitig ist der BMW i Vision Dee ein weiterer Schritt auf dem Weg zur neuen Klasse.“ Und wo könnte man einen derart großen Schritt in die Zukunft besser zelebrieren als aus der CES in Las Vegas?

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.

WALTER.