Der Luxus-Unimog.

Der Unimog, das universelle Arbeitstier? Zum 80. Geburtstag zeigt sich der legendäre Lastesel von einer ganz anderen Seite: als Edel-Offroader für alle, die im Gelände bereits alles besitzen.

„Gebaut für Extreme“ – so bewirbt Daimler Trucks den Unimog. Ob bei Feuerwehr oder THW, im Winterdienst oder Bergbau, als Expeditionsmobil in entlegenen Regionen: Immer dann, wenn herkömmliche Fahrzeuge nicht mehr weiterkommen und selbst Geländewagen oder Allrad-Trucks kapitulieren, rückt er an. Und das seit exakt 80 Jahren.

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Extreme bedeuten jedoch nicht nur widrige Witterung, unwegsames Terrain oder Spezialaufgaben. Nun betritt das „universelle Motorgerät“ – so die Bedeutung der Abkürzung – die Welt des Luxus. Das Einzelstück versteht sich als eigene Belohnung zum runden Geburtstag. Für die Umsetzung holte man sich Unterstützung beim thüringischen Unimog-Spezialisten Hellgeth.

Im kleinen Wurzbach entstehen seit Jahren außergewöhnliche Umbauten im Kundenauftrag: vor allem Reisefahrzeuge, aber auch gewerbliche Sonderlösungen. Die Nachfrage ist international. Deshalb wird geprüft, ob aus dem Unikat eine Kleinserie entstehen könnte – für Menschen, die vermeintlich schon alles haben.

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Allein die Vorstellung sorgt für ein Schmunzeln: Statt Bentley oder AMG G-Klasse fährt vor dem Luxushotel oder dem Casino von Monaco ein silberner Unimog vor. Vorausgesetzt, er darf überhaupt hinein – schließlich handelt es sich weiterhin um ein Nutzfahrzeug mit 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Manche Innenstadtstraße bleibt damit tabu. Hinzu kommen 2,90 Meter Höhe. Parkhäuser scheiden aus.

Spätestens beim Aussteigen weicht das Schmunzeln einem breiten Grinsen. Wer glaubt, ein flacher Supersportwagen sei unbequem, hat noch keinen Unimog erklommen. Hier wird rückwärts geklettert. Elektrisch ausfahrbare Trittstufen wie bei manchen US-Trucks? Fehlanzeige. Es bleiben Haltegriffe und hoch angesetzte Stufen.

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Im Innenraum hingegen herrscht ungewohnter Luxus. Die Doppelkabine, normalerweise für sieben Personen ausgelegt, bietet nun vier luftgefederte, beheizbare Einzelsitze. Feines, kariert gestepptes Leder mit Ziernähten, dazu eine breite Mittelkonsole und ein zweigeteilter Dachhimmel im gleichen Stil – fast schon Maybach-Atmosphäre. Auffällig sind zudem die großen volldigitalen Außenspiegel mit umfassender Rundumsicht sowie die vorgeschriebene seitliche Totwinkelkamera. Und die Perspektive? Von hier oben blickt man tatsächlich auf andere herab.

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Auch äußerlich wurde Hand angelegt. Kabine und Stoßfänger präsentieren sich mit neuer Formgebung, modernem LED-Licht und matter Metalliclackierung. Hinzu kommt eine nach hinten abfallende Designer-Pritsche. Sie wirkt spektakulär, würde im harten Baustellenalltag jedoch wohl kaum lange unversehrt bleiben. Doch beim Geburtstagsmodell steht der Nutzwert nicht im Vordergrund.

Worauf es hingegen ankommt, sind die Gene des Unimog: maximale Geländegängigkeit. Entsprechend wurde technisch nachgeschärft. Unter der Haube arbeitet ein neuer 300 PS starker Reihensechszylinder. So viel Leistung ist in der hochgeländegängigen Baureihe ungewöhnlich. Der 7,7-Liter-Motor klingt entfernt nach Riva-Boot und liefert mit 1.200 Newtonmetern spürbaren Vortrieb. Die Kraft ist so gewaltig, dass auf Permanent-Allrad umgerüstet wurde. „Es wäre heikel gewesen, die gesamte Leistung nur an die Hinterachse zu schicken“, erklärt Marketing-Chef Kasten Fuchs.

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Permanent-Allrad passt ebenso in die Zeit wie das automatisierte Getriebe. Keine klassische Wandlerautomatik, keine Doppelkupplung – ein Hydrauliksystem sortiert die Gänge. Bei Bedarf kann der Fahrer manuell eingreifen. Wird es besonders anspruchsvoll, etwa in tiefem Morast oder Schnee, lässt sich sogar ein Kupplungspedal ausklappen, um bewusst mit Schlupf zu fahren. Der Automatismus bleibt dennoch sinnvoll: Acht Vorwärtsgänge, per Tastendruck untersetzbar, ergeben 16 Übersetzungen. Da der Richtungswechsel über einen Konverter erfolgt, steht theoretisch die gleiche Anzahl Rückwärtsgänge zur Verfügung. Im harten Arbeitseinsatz kann das entscheidend sein.

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Mercedes-Benz Special Trucks Luxus Unimog

Mercedes-Benz Special Trucks luxury Unimog

So bewegt sich auch der Luxus-Unimog souverän über Stock und Stein. Die serienmäßige Reifendruckregelanlage erleichtert Fahrten durch Sand oder tiefen Schlamm. 20-Zoll-Beadlock-Felgen verhindern, dass sich der Reifen bei geringem Druck von der Felge löst. Drei Differenzialsperren sorgen dafür, dass die Kraft unabhängig vom Untergrund ankommt. Grenzen kennt dieses Fahrzeug kaum – höchstens beim Preis. Bereits das Basisfahrzeug liegt jenseits von 250.000 Euro.

TEXT Wolfgang Hörner

LESENSWERT.

WALTER Magazin.