So langsam lüftet sich der Schleier und was Ferrari nun zeigt, ist mehr als ein neues Cockpit. Es ist ein Gestaltungsstatement – entworfen von Sir Jony Ive, jenem Designer, der gemeinsam mit Steve Jobs das Erscheinungsbild moderner Konsumelektronik geprägt hat wie kaum ein anderer. iMac, iPhone, Apple Watch: Alles Produkte, die nicht nur Geräte waren, sondern mittlerweile Kulturgut. Dass ausgerechnet dieser Mann nun das Interieur eines Ferrari gestaltet, ist kein Zufall, sondern eine strategische Ansage.

Nachdem Apple sein eigenes, jahrelang entwickeltes Auto-Projekt eingestellt hat, blieb Ive gestalterisch frei. Mit seinem Designkollektiv LoveFrom suchte er neue Herausforderungen. Eine davon ergab sich über persönliche Beziehungen: Ferrari-Verwaltungsratschef John Elkann zählt seit Jahren zu Ives Freundeskreis. Die Idee, gemeinsam an einem elektrischen Ferrari zu arbeiten, war schnell geboren und offenbar zu reizvoll, um sie liegenzulassen.
Fünf Jahre später liegt nun das Ergebnis vor. Das Exterieur des Luce wird erst im Mai gezeigt, doch Ferrari macht keinen Hehl daraus, dass das Innere mindestens genauso wichtig ist. Vielleicht sogar wichtiger. Denn während elektrische Antriebe zunehmend austauschbar wirken, will Ferrari hier etwas schaffen, das bleibt.

Der Ansatz ist radikal einfach und genau deshalb anspruchsvoll. Statt überladener Touchscreen-Landschaften setzt der Luce auf eine klar gegliederte, fahrerzentrierte Bedienarchitektur. Kombiinstrument, Lenkrad und zentrale Anzeige bilden eine funktionale Einheit. Alles, was mit dem Fahren zu tun hat, steht im Mittelpunkt. Alles andere ordnet sich unter.
Auffällig: Sämtliche Bedienelemente sind physisch. Mechanisch. Spürbar. Ferrari und LoveFrom wollten bewusst weg vom reinen Glasflächen-Design moderner Autos. Analoge Prinzipien wurden nicht aus Nostalgie übernommen, sondern weil sie im Alltag schlicht besser funktionieren. Drehregler, Schalter und Hebel sind so ausgelegt, dass sie auch ohne Hinsehen intuitiv bedient werden können.
Materialseitig treibt Ferrari den Aufwand auf die Spitze. Kunststoff ist praktisch nicht vorhanden. Stattdessen dominieren präzise gefrästes Aluminium, hochwertiges Glas und OLED-Technologie. Selbst Bauteile, die der Nutzer nie zu Gesicht bekommt, sind aufwendig gestaltet und gefertigt. Das ist kein Selbstzweck – sondern Ausdruck eines Anspruchs, der auf Langlebigkeit zielt.
Das Lenkrad besteht aus 19 einzeln CNC-gefrästen Teilen, gefertigt aus einer speziell entwickelten, vollständig recycelten Aluminiumlegierung. Zwei Bedienelemente unterhalb der Speichen steuern Antrieb und Fahrwerk: rechts die Leistungscharakteristik, links eine moderne Interpretation des klassischen Ferrari-Manettino. Die Schaltpaddles übernehmen neue Aufgaben – Beschleunigungsimpulse auf der einen, Rekuperation auf der anderen Seite.
Auch die Anzeigen schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Drei Hauptinstrumente orientieren sich optisch an klassischen Ferrari-Uhren von Veglia und Jaeger, arbeiten jedoch mit modernster OLED-Technik. Physische Zeiger treffen auf digitale Tiefe, erzeugt durch optische Effekte, die den Anzeigen eine fast dreidimensionale Wirkung verleihen. Ziel ist es, die Informationsflut zu reduzieren und den Fahrer nicht zu überfordern.
Die zentrale Anzeige ist beweglich gelagert und lässt sich zum Fahrer oder Beifahrer ausrichten. Ergänzt wird sie durch eine Handauflage – ein simples Detail, das im Alltag enormen Unterschied macht. Auch hier zeigt sich der Gedanke, Bedienung nicht nur schick, sondern sinnvoll zu gestalten.


Besonderes Augenmerk liegt auf Glas. Gemeinsam mit Corning, einem der traditionsreichsten Glashersteller der Welt, entwickelte Ferrari spezielle Verfahren, die es in dieser Form bislang nicht im Automobilbau gab. Lasergravierte Oberflächen, matte Beschichtungen gegen Fingerabdrücke, präzise eingelassene Grafiken – alles mit dem Anspruch, dauerhaft hochwertig zu wirken.
Selbst der Schlüssel ist Teil des Gesamtkonzepts: Im Fahrzeug eingesetzt, wechselt er per E-Ink-Technologie seine Farbe, das Cockpit erwacht sichtbar zum Leben. Ein wenig Inszenierung erlaubt sich Ferrari also doch.
Technische Details wie Preis oder Reichweite bleiben weiterhin offen. Klar ist nur: Mit über 1.000 PS Leistung positioniert Ferrari den Luce im absoluten Hochleistungssegment. Ob es dafür einen ausreichend großen Markt gibt, ist offen. Ab Frühjahr 2027 wissen wir mehr.