Jetzt heißt es Abschied nehmen. Von einem echten Spaßmobil. Dem Mazda MX-5 mit Zweilitermotor. Aufmerksame Leser werden sofort den Zusatz „Zweilitermotor“ bemerken. In der Tat wird es den japanischen Roadster mit der großen Maschine nach diesem Jahr nicht mehr geben. Zumindest in Deutschland. Der Grund sind die Abgasregularien der EU.
Der japanische Autobauer beeilt sich, zu versichern, dass es den Roadster weiterhin geben wird. Allerdings eben „nur“ noch mit der 1,5 Liter-Maschine mit 132 PS. Ein triftiger Grund, um eine Runde mit dem Mazda MX-5 Roadster Skyactiv-G 184 zu drehen und eine Ode an die Fahrfreude zu verfassen und den 35. Geburtstag des Kult-Roadsters zu feiern. Schließlich hat Mazda der vierten Generation passend zum Jubiläum noch einige Verbesserungen gegönnt, ohne das MX-5-Konzept auch nur eine Spur zu verwässern.
Ganz im Gegenteil. Das weiterentwickelte asymmetrische Sperrdifferenzial an der Hinterachse ist so eine Neuerung, die der Agilität noch einen extra Kick gibt, indem beim Gas wegnehmen weniger Sperrwirkung generiert wird und so im Endeffekt beim Einlenken an den Vorderrädern mehr Traktion zur Verfügung steht.
So viel zur Theorie. Jetzt geht es auf die Straße. Schon beim Platznehmen hinter dem Volant wird klar. Dies ist kein Schönwetter-Roadster für Gentleman-Fahrer die sich lediglich am freien Himmel über dem Haupt erfreuen, dies ist ein Vehikel für diejenigen, die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das merkt man schon beim Einsteigen. Der Spaßplatz hinter dem Volant, bei dem die japanischen Ingenieure um jeden Zentimeter gekämpft haben, um die ideale Position zu erreichen, ist so tief, dass das Hinterteil möglichst nah über den Asphalt flitzt. Fast schon instinktiv fällt die Hand auf den Gangknüppel. Denn das Sechsganggetriebe unseres Mazda MX-5 mit Stoffdach ist handgerissen. Manche sagen archaisch. Wir sagen: Genau so muss es sein.
Wir treten die Kupplung und schon erwacht der Vierzylinder per Knopfdruck zum Leben. Los geht das Vergnügen. Der Mazda MX-5 hat auch 2024 nichts von seiner Faszination verloren. Ganz im Gegenteil. Der Kniff mit dem asymmetrischen Differenzial verfehlt seine Wirkung nicht. Der Nippon-Roadster war am Kurveneingang noch nie ein störrischer Geselle, jetzt erhöht sich die Einlenkgier noch. Der Unterschied ist nicht wie Tag und Nacht, aber die Nuance macht das Durcheilen von Kehren jetzt noch entspannter.
Dass der MX-5 nur wenig mehr als eine Tonne wiegt, ist dem Ansinnen durchaus zuträglich. Selten ist der Begriff leichtfüßig bei der Beschreibung der Agilität treffender. So sind auch die 184 PS mehr als genug, um deutlich stärkere Limousinen aus Bayern auf Passstraßen alt aussehen zu lassen. Die Daten? Von null auf 100 km/h in 6,5 Sekunden, maximal 219 km/h.
Mutige aktivieren den Track Mode, bei dem das ESP dem Heck noch mehr Freiheiten lässt, aber stets bereit ist, einzugreifen, sobald das Hinterteil den Fahrer überholen will. Aber das ist die Ausnahme. Heck und das Fahrwerk lassen den Fahrer typisch japanisch höflich nie im Unklaren darüber, wie es um die Traktion bestellt ist. Die Federn und Dämpfer sind knackig straff abgestimmt. Wie es bei solch einem Gefährt sein soll. Die Abstimmung ist so harmonisch, dass man auch nach zweihundert Kilometern sich aus eigener Kraft aus dem guten Sportsitz schält und nicht umgehend zum Orthopäden muss.
Jetzt Rausbeschleunigen und progressiv rauf aufs Gas. Das Getriebe ist präzise wie eh und je. Das Zusammenspiel zwischen Gas und Kupplung läuft geschmeidig ab. Zweiter, dritter, vierter Gang – die Wege sind kurz und die Gassen, die der Schaltknüppel durcheilt exakt definiert. Das muss auch so ein. Denn der Motor will bei Laune sprich Drehzahlen gehalten werden, soll es flott vorangehen. Mensch und Maschine bilden eine Einheit. Alle Sinne sind Teil des MX-5-Erlebnisses. Die Nase inhaliert die Gerüche der Natur und das Gehör lauscht den vier Töpfen. Der Vierzylinder ist authentisch und gaukelt nicht vor die doppelte Anzahl von Kolben zu haben.
Ganz unerwähnt soll die Tatsache auch nicht bleiben, dass das Smartphone drahtlos per Apple CarPlay und jetzt auch Android Auto in das Infotainmentsystem mit dem 8,8 Zoll-Display eingebunden werden kann. Wer sich dieses Spaßmobil noch gönnen will, sollte schnell zugreifen. Mazda Deutschland hat noch ein Kontingent an Modellen mit dem Zweilitermotor in petto, die mindestens 37.790 Euro kosten. Dafür gibt es auch noch neue Scheinwerfer mit integriertem Tagfahrlicht und geränderte Rückleuchten.
TEXT Wolfgang Gomoll