Offiziell spricht bei Range Rover noch niemand vom Ende des Velar. Trotzdem dürfte der neue GT dessen Position im Modellprogramm infrage stellen. Der Velar liegt bereits heute zwischen Evoque, Range Rover Sport und dem großen Range Rover, ohne eine wirklich eigenständige Rolle gefunden zu haben. Ein flacherer, stärker auf lange Reisen ausgerichteter GT könnte diese Lücke künftig eindeutiger besetzen.
Range-Rover-Chef Martin Limpert bezeichnet das neue Modell als den bislang „autoähnlichsten“ Range Rover. Gemeint ist damit offenbar ein Fahrzeug, das sich stärker von der klassischen SUV-Form entfernt, ohne die typischen Merkmale der Marke aufzugeben. Technische Grundlage ist die elektrifizierte EMA-Architektur.
Zum Marktstart ist eine rein elektrische Variante vorgesehen. Konkrete Angaben zu Leistung, Batteriegröße und Reichweite macht Range Rover noch nicht. Für ein Fahrzeug mit Grand-Touring-Anspruch wird allerdings entscheidend sein, ob es auch auf langen Etappen überzeugt und nicht nur mit Design und Leistung wirbt.
Weniger Bildschirme, mehr Ruhe
Deutlich greifbarer ist bereits der Innenraum. Range Rover verzichtet auf die Displaylandschaften, mit denen viele Wettbewerber inzwischen Fahrer, Beifahrer und Fondpassagiere umgeben. Vor dem Beifahrer befindet sich kein eigener Bildschirm, auch im Fond sind keine fest eingebauten Monitore vorgesehen.
Die Designer sprechen von „Digital Detox“. Ganz analog wird der GT deshalb natürlich nicht. Im Zentrum des Armaturenbretts sitzt ein großer Touchscreen, dazu kommen ein schmales Fahrerdisplay und ein Head-up-Display. Die digitale Technik soll weniger sichtbar in den Vordergrund treten als bei vielen anderen aktuellen Luxusmodellen.
Das Lenkrad erinnert deutlich an die Studie Jaguar Type 00. Es fällt kompakt aus und sitzt vergleichsweise tief. Auch die Lenkstockhebel, der dort integrierte Fahrstufenschalter und die konfigurierbaren Bedienflächen greifen Elemente des Jaguar-Konzepts auf. Hinter dem Lenkrad liefert ein schmales Display die wichtigsten Informationen.
Klassische Schalter sind selten geworden. Neben den Bedienelementen am Lenkrad bleiben im Wesentlichen die Lenkstockhebel und Fensterheber. Viele Funktionen wandern in den zentralen Bildschirm. Ob dieser reduzierte Ansatz im Alltag tatsächlich einfacher funktioniert, wird vor allem von der Menüstruktur und der Sprachbedienung abhängen.
Viel Platz in der zweiten Reihe
Der Fahrersitz ist großzügig gepolstert und eher auf Komfort als auf ausgeprägten Seitenhalt ausgelegt. Als Bezug verwendet Range Rover das synthetische Material Ultrafabrics. Es wirkt optisch und haptisch ähnlich wie Leder, soll sich bei Sonneneinstrahlung aber weniger stark erwärmen. Bei einem großen Panoramadach kann das durchaus von Vorteil sein.
Eine klassische Lederausstattung ist nach aktuellem Entwicklungsstand offenbar nicht vorgesehen. Als Grund nennt Range Rover die Größe der Sitze und die Schwierigkeit, dafür geeignete Lederhäute zu finden. Ob das auch für das spätere Serienmodell gilt, bleibt abzuwarten. Gerade bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse dürfte ein Teil der Kundschaft weiterhin echtes Leder erwarten.
Im Fond wird der GT wahlweise mit zwei Einzelsitzen oder einer klassischen Rückbank angeboten. Schon die erste Sitzprobe zeigt, dass Range Rover bei Bein- und Kopffreiheit nicht knapp kalkuliert hat. Auch große Passagiere finden reichlich Platz. Die Einzelsitzkonfiguration dürfte vor allem Kunden ansprechen, die den GT als komfortablen Reisewagen und nicht nur als Fahrerauto nutzen wollen.
Der neue Range Rover GT versucht damit, sich nicht allein über Leistung oder eine flachere Karosserie zu definieren. Entscheidender könnte der Innenraum werden: weniger visuelle Unruhe, mehr Platz und eine Gestaltung, die sich bewusst von der üblichen Bildschirmfülle absetzt.
Ob das genügt, um tatsächlich eine neue Rolle innerhalb der Range-Rover-Familie zu schaffen, wird sich erst mit dem Serienmodell zeigen. Die erste Sitzprobe hinterlässt jedenfalls den Eindruck eines Autos, das näher am klassischen Gran Turismo liegt als jedes bisherige Modell der Marke.