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Alfa Romeo Giulia GTA / GTAm. Reine Magie oder Illusionismus?

Der neue Alfa Romeo Giulia GTA ist eine Hommage an das Originalmodell von 1965 und will im Segment der sportlichen Mittelklasselimousine völlig neue Maßstäbe setzen. Neben dem Fahrspaß verschlägt einem auch der Preis wahrlich den Atem.

Es ist der ungezählte Versuch, Alfa Romeo wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen zu lassen. Viel Arbeit für Marken-CEO Jean-Phillipe Imparato, der sich bewusst ist, dass es wieder einmal keine einfache Sache sein wird, Alfa Romeo zu dem zu machen, was alle von dem Stellantis-Ableger erwarten.

„Alfa hat alle Voraussetzungen, um die globale Premium-Marke der Stellantis-Gruppe zu werden“, versichert Jean-Phillipe Imparato mit viel Zuversicht. Hat man alles schon einmal gehört – wieder und wieder. Da lohnt es sich zu erinnern, was die Giulia für Alfa Romeo bedeutet hat. Sie erschien 2016, um die dynamische Kompetenz italienischer Autos wieder zu steigern und zwar mit der bekannten Symbiose aus Frontmotor und Heckantrieb, die bereits das Urmodell von 1962 auszeichnete.

Endlose kommerzielle Misserfolge wie Brera, Spider, 159 oder das Einstiegsmodell MiTo sorgten dafür, dass Alfa Romeo da parkt, wo sie mit gerade einmal 50.000 verkauften Fahrzeugen im Jahr an sich nicht hingehört. Und jetzt bringt die so traditionsreiche Marke mit dem Giulia GTA und GTAm zwei Renner, die selbst BMW M3, Audi RS4 oder Mercedes AMG C63 Angst machen sollen.

Der 4,67 Meter lange Alfa Romeo Giulia GTA verführt noch immer durch das filigrane Gesicht mit dreieckigem Schild, das als Kühlergrill dient, flankiert von schlanken Scheinwerfern und eine geradezu verschwenderische Verschmelzung von konkaven und konvexen Formen. Optisch grenzt sich die GTA-Version durch übliche Verbreiterungen der Karosserie und Kohlefaserelemente von seinen zahmen Brüdern ab.

Man spürt sofort, dass der Viertürer noch muskulöser als das bereits trainierte Quadrifoglio-Modell erscheint und bemerkt die üppigen Kohlefaserprofile in den vorderen Lufteinlässen, die zehn Prozent mehr Luftstrom zur Motorkühlung bringen und das Gewicht des Autos zu reduzieren. Beim noch schärferen GTAm sorgten Türverkleidungen aus Verbundstoffen, leichteren Aufhängungsfedern, Sportsitzen und einer Heckscheibe aus Polycarbonat für eine Hightech-Abspeckkur, wie man dies sonst nur von echten Tourenwagen kennt. Die beiden Sportversionen haben um 25 (Giulia GTA) beziehungsweise 100 Kilogramm (Giulia GTAm) an Gewicht verloren.

Die ehemaligen Familienlimousinen wirken mit Heckdiffusor, zentralen Titan-Endrohren mit Akrapovic-Schriftzug, Karbon-Keramik-Bremsen, riesigem Heckflügel und 20-Zoll-Rennreifen vom Typ Michelin Pilot Cup 2 mit Zentralschließe wie echte Rennwagen, die auf dem Weg zur Boxengasse kurz abgebogen sind. Die Feinabstimmung des Fahrwerks erledigten ganz nebenbei die hauseigenen Formel-1-Piloten Antonio Giovanazzi und Kimi Räikkönen. Was soll da noch schiefgehen?

Auch weil der Sporttrimm im Innern mit Alcantara-Armaturenbrett und bestens konturierten Rennsitzen passt: Schade, dass die Materialien für ein Fahrzeug der 180.000-Euro-Liga ebenso mäßig sind, wie Bildschirmbedienung oder Navigationssystem, was heute wichtiger denn je ist. Dafür hat man mit etwas zahmeren Giulia GTA eine echte Familienlimousine mit Platz für vier Personen und 480 Liter Gepäck, die man mit einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h durch die Landschaft transportieren kann.

Im Vergleich zum normalen Alfa Romeo Giulia Q gab es für den 2,9 Liter großen V6-Turbomotor einen Leistungsnachschlag um 30 auf 540 PS. Mehr bietet in dieser Liga keiner und selbst der neue BMW M3 kann mit seinen 650 Nm maximalem Drehmoment den Italiener (600 Nm) nur in dieser Kategorie schlagen. Höchstgeschwindigkeit, Leistung und Sportlichkeit auf der Rennstrecke – hier setzt der Giulia der deutschen Konkurrenz seine Krone auf. Den Hightech-Anspruch unterstreichen neben der geänderten Abstimmung neue Pleuelstangen und zwei geänderte Öldüsen für eine bessere Schmierung.

Ganz nebenbei bringt der Alfa Romeo 100 bis 240 Kilogramm weniger auf die Waage als die potente Mittelklassekonkurrenz, was der Dynamik speziell auf der Rennstrecke überaus zuträglich ist. So nimmt er Audi, BMW und Mercedes auch beim Imagespurt 0 auf Tempo 100 ein paar schmerzhafte Zehntel ab und knackt die Marke in 3,6 beziehungsweise 3,8 Sekunden.

Die Wahl der Gänge übernimmt ein achtstufiges Automatikgetriebe aus dem Hause ZF, das seine Schaltvorgänge durch die Anwahl der verschiedenen Fahrmodi beeinflusst sieht. Im Race-Programm schnacken die Gänge in gerade einmal 150 Millisekunden in die nächste Ebene. Angenehm griffig: die Alu-Schaltpedale am präzise zu bedienen Steuerrad. Das Paket passt, doch an die Qualität der Schaltboxen von BMW oder Porsche kommt der Alfa nicht heran.

Das Fahrwerk mit seinen vier Fahrmodi ist stramm, sportlich oder sogar hart. Der Renntrimm, der die Notfallanker komplett ausschaltet, ist auf Straße wie Rennstrecke nur etwas für sehr erfahrene Piloten. Das Heck zuckt ständig und so wild wie der Schwanz eines Hundes, der freudig auf seinen Besitzer wartet. So ist man in den mittleren Fahrprogrammen wie in Dynamic besser und trotzdem schneller als jeder andere unterwegs. Ein kleiner Drift in der Kurve ist mit einem Rest an Rettungsankern noch immer drin, während das sportliche Fahrwerk mit seinen Spurverbreiterungen (2,5 cm vorn und 5 cm hinten) Dank der warmen Sportpneus besten Grip und einen überraschend hohen Restkomfort bietet.

Wer nicht regelmäßig auf die Rennstrecke will, ist mit dem Alfa Romeo Giulia GTA besser bedient. Auf abgesperrten Kursen wie in Balocco, Nardo oder Vallelunga gewinnt die nachgeschärfte GTAm-Version 3,0 bis 4,7 Sekunden pro Runde im Gegensatz zum einem normalen Q-Modell – für Rennfahrer mehr als eine halbe Ewigkeit.

Doch dieser Preis verschlägt einem den Atem, denn mit 173.000 Euro ist der Alfa Romeo GTA (GTAm: 178.000 Euro) fast doppelt so teuer wie der normale Giulia Q oder der noch perfektere BMW M3 Competition. Da fällt einem die Entscheidung leichter als gedacht, auch wenn der scharfe Norditaliener gerade auf der Rennstrecke ein grandioser Spaßmacher ist. Das greifen bei den 500 produzierten Fahrzeugen wohl nur ein paar exzentrische Multimillionen-Dollar-Autosammler zu.

TEXT Joaquim Oliveira; press-inform

Technische Daten: Alfa Romeo Giulia GTAm

Motor: V6 mit Turboaufladung
Hubraum: 2891 ccm
Leistung: 397 kW / 540 PS
Max. Drehmoment: 600 Nm ab 2.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,8 Sekunden
Leergewicht: 1.580 kg
Normverbrauch: 10,8 Liter / 244 g CO2
Getriebe: Achtgang-Automatik
Laderaum: 480 Liter
Preis: ab 173.000 Euro

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