Seit dem Einstieg von Geely hat sich Smart zu einer Elektroautomarke mit deutlich größeren Modellen entwickelt. #1, #3 und #5 sind moderne Crossover, die mit dem ursprünglichen Smart-Gedanken hatten sie jedoch nur noch begrenzt zu tun. Für viele Kunden bestand die Identität der Marke nicht aus Plattformstrategie und SUV-Format, sondern aus einem sehr kurzen Zweisitzer, der in der Stadt Dinge konnte, die andere Autos nicht konnten.
Genau dort setzt der #2 wieder an. Die Serienversion soll im Oktober auf dem Pariser Autosalon vorgestellt werden, die Markteinführung ist für März 2027 geplant und das Konzeptfahrzeug gibt die Richtung bereits ziemlich präzise vor. Der neue Smart bleibt deutlich unter drei Meter Länge und soll rund 2,79 Meter messen. Damit wächst er gegenüber den frühen Fortwo-Generationen, bleibt aber radikal kurz. Der Wendekreis soll unter sieben Meter liegen, ein alter Smart-Wert und für die Stadt wichtiger als jede Beschleunigungsangabe.
Optisch orientiert sich der #2 klar am Urmodell, ohne dessen Form einfach zu kopieren. Die Räder stehen weit außen, die Überhänge bleiben kurz, die Karosserie wirkt kompakt und stämmig. Auch die Tridion-Zelle kehrt als zentrales Markenzeichen zurück. Dazu dürfte wieder eine zweifarbige Gestaltung gehören. Auch die geteilte Heckklappe, beim Fortwo eines dieser kleinen Details mit hohem Wiedererkennungswert, soll beim neuen Modell wieder eine Rolle spielen.
Neue Plattform für noch mehr
Technisch basiert der #2 auf einer neu entwickelten Plattform. Smart nennt sie Electric Compact Architecture, kurz ECA. Sie wurde von Beginn an für Elektroantrieb ausgelegt und soll auch künftige Varianten tragen können. Das ist wichtig, denn ein Kleinstwagen lässt sich nur dann wirtschaftlich darstellen, wenn die Technik nicht für ein einziges Modell reserviert bleibt. Denkbar wären später weitere Radstände, ein Cabrio, ein kleiner Viersitzer oder Nutzvarianten für urbane Einsätze. Offiziell hält sich Smart dazu noch zurück, die Plattform ist jedoch entsprechend skalierbar angelegt.
Beim Akku nennt Smart nun erstmals konkretere Werte. Die Batterie soll 35,7 kWh Kapazität bieten und für rund 300 Kilometer WLTP-Reichweite reichen. Das wäre deutlich mehr als beim elektrischen Fortwo und würde den #2 aus der reinen Kurzstrecken-Nische holen. Auch beim Laden macht Smart einen wichtigen Schritt: Gleichstrom-Schnellladen soll künftig möglich sein, von zehn auf 80 Prozent soll der Akku in weniger als 20 Minuten kommen. Für ein Auto dieser Größe ist das entscheidend, weil der Stadtwagen damit nicht mehr nur Zweitwagenlogik bedienen muss.
Auch das Fahrwerk wird deutlich moderner. Der frühere Fortwo musste lange mit einer einfachen De-Dion-Hinterachse auskommen. Im #2 arbeitet hinten eine Mehrlenkerachse, die Traktion, Geradeauslauf und Präzision verbessern soll. Zusammen mit dem tief im Fahrzeugboden liegenden Akku dürfte das dem kleinen Smart mehr Ruhe und Stabilität geben, ohne seine Wendigkeit aufzugeben.
Im Innenraum setzt Smart auf eine Mischung aus Erinnerungswert und digitaler Gegenwart. Noch ist nur eine Skizze zu sehen, trotzdem lässt sich die Richtung erkennen. Runde und ovale Formen dominieren, das Cockpit zieht sich in einer weichen Linie über die gesamte Breite. Große, turbinenartige Luftausströmer zitieren die verspielte Seite früher Smart-Modelle. Mechanische Anzeigen spielen keine Rolle mehr. Stattdessen gibt es ein digitales Cockpit und einen zentralen Bildschirm, leicht zum Fahrer gedreht.
Auffällig ist das Raumkonzept. In einem nur hinter verschlossenem Vorhang gezeigten Konzept wirken die beiden Sitze fast wie eine durchgehende Bank, im Fußraum stört keine massive Mittelkonsole. Das hilft nicht nur dem Raumgefühl, sondern auch im Alltag: Wer in einer engen Parklücke steht, kann leichter zur anderen Seite aussteigen. Genau solche Lösungen machten den alten Smart stark, weil sie nicht aus Luxusdenken entstanden, sondern aus der Frage, wie man wenig Fläche besser nutzt.
Zum Start sind drei Varianten geplant: ein Basismodell, eine besser ausgestattete Version und ein sportlicheres Brabus-Modell. Die Einstiegsversion soll unter 20.000 Euro bleiben. Sollte Smart diesen Preis halten, wäre das ein wichtiger Punkt, denn die Marke muss den #2 zwischen bezahlbarem Stadtauto, Lifestyle-Objekt und Elektro-Kleinwagen positionieren. Zu teuer darf er nicht werden, zu beliebig aber auch nicht.
Der neue Smart #2 kommt in einen anderen Markt als sein Vorgänger. Als der erste Fortwo Ende der Neunziger startete, war er fast konkurrenzlos. Heute buhlen Elektro-Kleinwagen, urbane Crossover, Carsharing, E-Bikes und öffentliche Verkehrsmittel um dieselben Kunden. Der #2 muss deshalb mehr leisten, als nur kurz zu sein.