So fährt sich der AMG C 63 S mit Vierzylinder.

Jetzt ist es also so weit: Der AMG C 63 S hat einen Vierzylinder-Verbrennungsmotor samt Plug-in-Hybrid-Modul. Die Leistungsdaten lesen sich beeindruckend, zumal Formel-1-know-how in die Entwicklung des neuen Sportlers eingeflossen ist. Auf der Rennstrecke schlägt sich Power-C-Klasse gut, auf der Straße ist die Performance nicht ganz so überzeugend.

Die Fans der Affalterbacher-Tuningschmiede runzeln angesichts des Zwei-Liter-Motörchens die Stirn und trauern der Zeit der potenten Achtzylinder mitsamt ihrem voluminösen Klang hinterher. „Nicht so schnell“, sagen Sie bei AMG und verweisen auf den kernigen Klang des 350 kW / 476 PS starken Benziners. Außerdem verfügt der AMG Dank des 150 kW / 204 PS E-Motors an der Hinterachse über insgesamt 500 kW / 680 PS mit einem maximalen Drehmoment von 1.020 Newtonmetern. Das bedeutet, dass der Standardsprint von null auf 100 km/h in lediglich 3,4 Sekunden absolviert ist und erst bei 270 km/h Schluss ist. Das Ganze ist bei einem Norm-Verbrauch von 6,9 l/100 km schon ziemlich amtlich!

Um die letzten „Ja-Aber“-Bedenkenträger zu überzeugen, zücken die AMG-Techniker noch ein zweites As aus dem Ärmel. Der Antriebsstrang des Mercedes-AMG C 63 S E Performance ist mit Technik-Anleihen aus dem Formel-1-Team ausgestattet. „Wir machen fast das Gleiche im Energiemanagement“, erklärt AMG-Techniker Sebastian Liendo. Das Dynamik ganz oben auf der Liste steht, sieht man an der 6,1-Kilowattstunden-Batterie (4,8 kWh netto), deren Hauptaufgabe das Unterstützen des Verbrennungsmotors ist und deswegen nur eine rein elektrische Reichweite von 13 Kilometern ermöglicht. 

Damit das ständige Abrufen der Leistung auch zuverlässig klappt, werden die 560 Zellen des Akkus mit einer elektrisch nichtleitenden Flüssigkeit einzeln gekühlt. Dank dieses aufwendigen Prinzips, das so ähnlich in der Königsklasse des Rennsports zum Einsatz kommt, haben die Energiespeicher eine Leistungsdichte von 1,7 kW/kg, also ungefähr das Doppelte herkömmlicher Batterien. Das resultiert in einem Gewicht von lediglich 89 Kilogramm. Essenziell für einen Straßen-Sportler. Bei so viel Hightech passt es aber nicht ins Bild, dass der Onboardlader lediglich 3,7 kW schafft. 

Für die Speed-Fraktion haben die Ingenieure eine ideale Runde auf 17 Rennstrecken im System hinterlegt. Um die 70 Kurse sollen es später mal sein. Wie bei einer Runde der Mercedes-Piloten meldet die Cockpitanzeige, dass es Zeit ist, mit einem Kick-down die zehn Sekunden währende Boost-Extra-Power des Elektromotors zu entfesseln. Auf dem Ascari Race Ressort schlägt sich die Mercedes-AMG C 63 S E Performance vorzüglich und zeigt selbst nach drei harten Runden keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Die Batterie wird mit der stärksten der vier Rekuperationsstufen sowie unbemerkt vom Fahrer mit dem Verbrenner geladen, sobald es die abgerufene Leistung erlaubt. Mit dem manuellen Modus des Neungang-Doppelkupplungsgetriebes passen die Beschleunigungen perfekt und das fehlende Gewicht auf der Vorderachse macht sich beim Einlenken positiv bemerkbar. Dank des Zweiganggetriebes an der Hinterachse geht der E-Maschine auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht die Luft aus.

Ganz so gut schlägt sich der Mercedes-AMG C 63 S E Performance T-Modell auf der Landstraße nicht immer. Im Automatikmodus sortiert sich das Getriebe manchmal, ehe es den passenden Gang einlegt, begleitet von einem leichten Ruckeln. Der Vierzylindermotor kann seine Herkunft weniger kaschieren und dreht beim progressiven Abrufen der Leistung hörbar hoch. Das Fahrwerk ist aufgrund des Gewichtes von 2.190 Kilogramm und des AMG-Selbstverständnisses eher straff, aber nie gänzlich unkomfortabel ausgelegt. Bei der Lenkung haben die AMG-Ingenieure spürbar nachgebessert. Die Steuerung ist nun präziser, gibt mehr Rückmeldung und versucht nicht mit großen Rückstellkräften Sportlichkeit vorzugaukeln. Nach der Testfahrt, die uns durch Berge mit vielen Kurven führte, meldete der Bordcomputer einen Verbrauch von 10,3 l/100 km beziehungsweise 0,7 kWh/100 km.

Insgesamt acht Fahrprogramme stehen zur Auswahl („Electric“, „Comfort“, „Battery Hold“, „Sport“, „Sport+“, „RACE“, „Glätte“ und „Individual“), die mit vielen zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten verfeinert werden können. Meistens über die beiden Knöpfe am Lenkrad, die man mehrmals drücken muss, um in das richtige Menü zu gelangen. Erst danach geht es an die Einstellungen. Manch einer empfindet die verschachtelte Bedienungsstruktur als überladen. Aber die Playstation-Fans der C 63 Gemeinde werden die vielen Optionen lieben. Das gilt auch für die farbenfrohe Welt des AMG-Infotainments.

Während sich beim T-Modell die Einschränkungen des Kofferraums durch das PHEV-Modul in Grenzen halten (kein Fach unter dem Boden), befindet sich bei der Limousine eine deutliche Stufe im Gepäckabteil, die das Volumen nicht nur ordentlich reduziert, sondern auch das Beladen mit großen Koffern massiv erschwert. Wer die dynamisch rollende Spielkonsole haben will, muss bis zum Sommer des nächsten Jahres warten und rund 100.000 Euro bereithalten.

TEXT Wolfgang Gomoll für WALTER

Technische Daten

Typ: Mittelklasse-Kombi
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum (cm3): 1.991
Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 680 (500)
Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 1.020
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 270
Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 3,4
Getriebe: Neungang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allradantrieb
Tank (L): 60
Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 6,9
Gewicht, Herstellerangabe (kg): 2.190
max. Zuladung (kg): 485
Abmessungen (L/B/H): 4.842 / 1.900 / 1.474 (L/B/H)
max. Ladevolumen (L): 324
Preis (Euro): Ca. 100.000

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