Iso Grifo. Gelbes Schätzelein.

Weil ein Mann eine Halle zu seinem Auto gebaut hat, dann haben wir uns genau den richtigen Kandidaten ausgesucht. Einen, der einen Vogel hat wie wir. Einen Grifo. Und dennoch kam mal wieder alles anders als geplant.

Iso Rivolta aus dem italienischen Bresso hatte in den 30ern als Isothermos angefangen. Und wie der Name vermuten lässt, wurden dort Kühlanlagen produziert. Bis Renzo Rivolta (so möchte Mann heißen) kam und nach dem zweiten Weltkrieg mehr Spaß an motorisierten Zweirädern hatte und die Produktion umstellte. Und jetzt, Achtung, keine 10 Prozent von Euch wissen das: Renzo Rivolta ließ einen Kleinstwagen entwickeln mit zwei eng zusammenstehenden Hinterrädern, zwei Sitzplätzen und Fronteinstieg. Iso Isetta nannte er die fahrende Kugel Eis. Und ja, jetzt fällt es Euch auf: genau dieses Gefährt wurde ab 1954 von BMW in Lizenz gebaut und kam danach zu Weltruhm.

Und weil Renzo Rivolta jetzt reichlich Geld aus München bekam wollte er einen Sportwagen. Er holte Bertone ins Boot, der ließ seinen neuen Designchef Giorgetto Giugiaro ans Zeichenbrett (warum haben alle Italiener eigentlich coolere Namen als wir hier? Walter? Michael? Knut? Andreas? Christian? Markus? Reiner? Sagt doch mal!) und fertig war 1962 erst der Iso Rivolta, bis dann 1964 der Iso Grifo die Welt betrat.

Eine Legende war geboren. Und der Iso Grifo.

Eine Entwicklung der Technik war für den Kleinserienhersteller natürlich nicht möglich, die wurde aus aller Herren Länder dazu gekauft. Der 5,4-Liter V8 kam aus der Corvette, Bremsen von Dunlop, Schaltgetriebe von ZF und und und. Zusammen mit dem betörenden Kleidchen und dem klangvollen Namen war der Supersportwagen fertig. Die Motoren gab es in verschiedenen Ausbaustufen, zwischen 300 und 400 PS. Der Iso Grifo 350 erreichte im AMS-Test 1967 eine Spitze von 247 km/h und beschleunigte in 6,4 Sekunden auf 100. 1967. Seinerzeit der schnellste Sportwagen auf dem europäischen Markt! Zur Erinnerung: ein 911er hatte 1967 160 PS.

In diesem Jahr wurde auch unser gelbes Schätzelein gebaut. 1967 in Italien verschickt, erstmals zugelassen im April 1968 in Berlin. Als Iso Grifo GL 365. Mit ein paar Extra-PS also. Und sagte ich UNSER Schätzelein? Hmm. Genau genommen gehört es Hermann Geilen, der es 2005 aus dem Saarland nach Hause geholt hat. Karosserieseitig war der Wagen da schon in Italien restauriert, Perfektionist Geilen hat dann nur noch schnell mit seinem Sohn Simon in eintausendzweihundert Stunden die Technik in den Besser-als-Neu-Zustand versetzt. Da hilft es, wenn man a) Maschinenbau-Ingenieur ist und b) bei ZF arbeitet.

Ein weiterer Grund, warum es nicht „unser“ Schätzchen, sondern seins ist und bleibt, teilt uns Hermann Geilen persönlich mit: „Die aktuelle Preisempfehlung in gepflegtem Zustand liegt bei 431.000 Euro. Ein Verkauf ist aber nicht geplant, falls Sie das denken!“ Ähm, nein. Ich denke nicht, dass ich das denke.

Wenn wir uns weder im jetzigen noch in einem denkbaren weiteren Leben einen Iso Grifo leisten können, dann halt einen De Tomaso. Ich meine hey, De Tomaso. Gut, dass da einer in der Ecke parkt. Ich gestehe, ich hatte vorher noch keinen der 402 gebauten live gesehen. Und dann stand er da: in biancospino. Sofortige Schockverliebung. Wie es nun weitergeht steht in WALTER #8, jetzt im Handel erhältlich, oder versandkostenfrei (DE) im Online-Shop.

LESENSWERT.