Der Name verweist auf Ehra-Lessien. Auf dem niedersächsischen Hochgeschwindigkeitskurs schrieb RUF 1987 mit dem CTR „Yellowbird“ Geschichte, als Phil Hill dort rund 340 km/h, erreichte. Der neue Ehra greift diese Erinnerung auf, ohne sich technisch am damaligen CTR zu orientieren.
Seine Basis ist das von RUF selbst entwickelte Carbon-Monocoque, das bereits beim CTR Anniversary zum Einsatz kam. Auch die Karosserie besteht vollständig aus Carbon. Damit bleibt RUF seiner Linie treu, klassische Proportionen mit eigener moderner Technik zu verbinden.
Optisch fällt der Ehra breiter aus als der CTR Anniversary. Die Karosserie misst 1,87 Meter in der Breite, bleibt mit 1,28 Metern Höhe aber sehr flach. Auffällig sind die neu gestalteten Front- und Heckpartien, Lufteinlässe in den hinteren Seitenscheiben sowie geschmiedete Fünfspeichenräder mit Zentralverschluss.
Auf einen feststehenden Heckflügel verzichtet RUF. Stattdessen fährt bei höherem Tempo ein kompakter Carbonspoiler automatisch aus.
650 PS, sieben Gänge, handgerissen
Im Heck arbeitet ein 3,6 Liter großer Sechszylinder-Boxer mit zwei Turboladern. Er leistet 650 PS bei 6.250 U/min und entwickelt ein maximales Drehmoment von 900 Nm bei 3.500 Touren.
Die Kraftübertragung übernimmt ein Siebengang-Schaltgetriebe. Bemerkenswert ist die Kombination mit einem variablen Allradantrieb, der sich laut RUF abschalten lässt. Damit bleibt auf Wunsch ein klassischer Hinterradantrieb übrig.
RUF nennt 3,3 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 340 km/h.
Mit 1.325 Kilogramm Leergewicht fällt der Ehra für einen 650 PS starken Allrad-Supersportwagen vergleichsweise leicht aus. Das Leistungsgewicht liegt damit bei gut zwei Kilogramm pro PS.
Doppelquerlenker rundum
Auch beim Fahrwerk geht RUF einen eigenen Weg. An allen vier Rädern kommen Doppelquerlenker zum Einsatz. Die horizontal angeordneten Dämpfer werden über Pushrods angesteuert – eine Konstruktion, die eher an Rennwagen als an klassische Straßensportler erinnert.
Diese Architektur soll präzises Einlenken, gute Rückmeldung und zugleich genügend Alltagstauglichkeit ermöglichen. Genau darin liegt der Anspruch des Ehra: kein kompromissloses Tracktool, sondern ein schneller Gran Turismo mit klarer mechanischer Ausrichtung.
Auch innen bleibt der Ehra vergleichsweise klassisch. Das erste gezeigte Fahrzeug kombiniert braunes Leder mit Carbon-Schalensitzen, grün hinterlegten Instrumenten und Titanpedalen. Die Sitzmittelbahnen tragen ein Pasha-ähnliches Muster, wie man es aus historischen Porsche-Interieurs kennt.
Kein Porsche unter der Haut
Gerade auf den ersten Blick ist die Verwechslung naheliegend. Die Silhouette des Ehra erinnert stark an einen klassischen 911. Technisch ist er davon jedoch weit entfernt.
RUF verwendet weder Porsche-Chassis noch Porsche-Karosserie. Monocoque, Aufbau, Fahrwerk und große Teile des Antriebs entstehen in eigener Entwicklung. Damit ist der Ehra ein eigenständiges Fahrzeug und kein umgebauter 911.
Das macht ihn interessanter als die reine Retro-Optik vermuten lässt. Hinter der vertrauten Form steckt ein moderner Carbon-Sportwagen mit ungewöhnlich analoger Bedienung: 650 PS, sieben manuell geschaltete Gänge und ein Allradantrieb, der sich auf Wunsch aus dem Spiel nehmen lässt.
Technische Daten RUF Ehra
- Motor: 3,6-Liter-Sechszylinder-Biturbo-Boxer
- Leistung: 650 PS / 478 kW bei 6.250 U/min
- Drehmoment: 900 Nm bei 3.500 U/min
- Getriebe: Siebengang-Handschaltung
- Antrieb: variabler Allradantrieb, abschaltbar
- 0–100 km/h: 3,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h
- Leergewicht: 1.325 kg
- Länge: 4.207 mm
- Breite: 1.871 mm
- Höhe: 1.278 mm
- Verbrauch: 13,0 l/100 km