Eigentlich sind doch die A4-Modelle die Brot-und-Butter-Modelle bei Audi? Und jetzt A5? Die Antwort auf dieses Zahlenrätsel liegt in der neuen Nomenklatur der Ingolstädtern Modelle. Ab sofort tragen die Elektroautos gerade Ziffern in der Modellbezeichnung, die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ungerade. Also ist der A5 auch der neue A4.
Doch damit ist es nicht getan. Bei Audi müssen sie schon an einem größeren Rad drehen, um wieder Teil des deutschen Premium-Trios zu werden. Mercedes und vor allem BMW geben mächtig Gas. Bei Audi hatte man in den letzten Jahren immer wieder den Eindruck, dass Design und Technik mehr oder weniger auf der Stelle treten beziehungsweise sich nicht wirklich weiterentwickeln – Evolution statt Revolution lautete die Devise.
Jede Veränderung beginnt von innen heraus. Deshalb führt Audi mit der A5-Familie die neue Premium Platform Combustion (PPC) ein, die den modularen Längsbaukasten (MLB evo) ablöst. Der Name ist mit Bedacht gewählt und soll eine neue Ägide bei den Modellen mit Verbrennungsmotoren einläuten. Ähnlich wie das die Premium Platform Electric für die Elektroautos wie den Q6 e-tron ist.
Die optischen Unterschiede der neuen A5-Familie zu den bisherigen A4- und A5-Modellen fallen sofort ins Auge. Die PPC-Autos stehen stämmiger, einfach sportlicher da. Ein wichtiger Schritt für Audi, um sich selbst am Schopf aus dem Singleframe-Einheitsbrei zu ziehen. Natürlich geht es auch weiterhin nicht ohne das Markengesicht, das laut Audi breiter und deutlich flacher ist und eine dreidimensionale Wabenstruktur hat.
Die A5-Limousine hat eine coupéhafte Linie und setzt so die Tradition der Vorgänger mit dieser Modellbezeichnung fort. Die A5-Limousine ist genauso wie der beliebtere Avant 4,83 Meter lang und 1,77 Meter breit – 6,7 Zentimeter länger und 1,3 cm breiter. Der lange Radstand von 2.90 Meter (plus acht Zentimeter hilft bei dem dynamischen Äußeren, aber auch der Raumökonomie des Interieurs.
Generell geht es luftiger zu als bisher. Im Fond ist die Beinfreiheit dank des längeren Radstands angenehm, aber aufgrund der coupéhaft abfallenden Dachlinie wird es ab 1,85 Meter Körpergröße um den Kopf herum eng. Die Gestaltungsmöglichkeiten wirken sich auch auf den Avant aus, bei dem die Beinfreiheit hinten ebenfalls gewachsen ist. Bei einem Kombi ist insbesondere der Kofferraum wichtig, der beim Avant nun 476 bis 1.424 Liter misst. Nicht rekordverdächtig, aber in Ordnung. Bei der Limousine sind es 445 Liter bis zu 1.299 Liter. Bei den Mildhybriden muss man sowohl bei beiden Modellen 28 Liter abziehen, da die Ersatzradmulde nicht zur Verfügung steht.
Ab November werden zunächst die A5 und S5 Limousine und der A5 und S5 Avant auf den Markt kommen. Entsprechend ist auch die Motorenpalette: Die Basis bilden je ein Zweiliter-TFSI und ein Zweiliter-TDI. Den Benziner gibt es entweder mit 150 PS oder 204 PS. Während die schwächere Version nur mit Vorderradantrieb erhältlich ist, gibt es den stärkeren Motor optional auch als Quattro.
Beim Diesel sind es ebenfalls 204 PS mit einem Doppelkupplungsgetriebe als Frontantrieb oder dem Allradantrieb. Das vorläufige Topmodell wird der Audi S5 mit echtem Quattro inklusive Sportdifferential und einem 3,0-Liter-V6-TFSI-Motor mit 367 PS. Im Vergleich zum aktuellen S-Benziner, der im A5-Cabrio zum Einsatz kommt, sind das 13 PS mehr. Damit endet das Zeitalter der TDI-S-Modelle.
Auch wenn die Leistungssteigerung überschaubar ist, kommt bei allen drei Aggregaten eine neue 48-Volt-Mildhybridisierung (mhev plus) zum Einsatz. Bei dieser Elektrifizierung wird der Riemenstarter-Generator (RSG) einen Triebstrang-Generator (TSG) ergänzt, der auf der Getriebeausgangswelle angebracht ist und Bei dieser Elektrifizierung wird der Riemen-Starter-Generator durch einen auf der Getriebeausgangswelle montierten Antriebsstrang-Generator ergänzt, der bis zu 18 kW (24 PS) und 230 Newtonmeter zum Antrieb beisteuert.
Genauso wichtig ist die maximale Rekuperation mit 25 kW Leistung. Wenn nötig auch bis zum Stillstand. Ab einer Geschwindigkeit von 140 km/h wird der TSG abgekoppelt. Damit dieses komplexe System funktioniert, ist eine Batterie nötig, die die Energie schnell aufnehmen und wieder abgeben kann. Die 48V-Lithum-Eisenphosphat-Akkus haben eine Kapazität von 1,8kWh. So ist auch rein elektrisches-Fahren möglich.
Neben der verbesserten Fahrbarkeit reduziert der Stromschlag auch den Verbrauch: um bis zu 0,38 l/100 km bei den Diesel-Modellen und um bis zu 0,74 l/100 km bei den Benzinern. Wem das nicht reicht, für den wird es später auch einen Audi A5 als Plug-in-Hybrid mit einem 1.5-TSI-Motor, vermutlich einer Systemleistung von 200 kW (272 PS), einem Sechsgang-DSG und einer Reichweite von rund 100 Kilometern geben.
TEXT Wolfgang Gomoll