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Winkelmann: „Zwölfzylinder gehört zur Lamborghini-DNA.“

Wohin geht es mit einer Sportwagenmarke wie Lamborghini? Stephan Winkelmann, Chef der italienischen Sportwagenmarke, enthüllt im Interview, wohin die Reise geht. Auch Designer Mitja Borkert gibt interessante Einblicke in die Modellpolitik.

Der nächste Aventador wird ein Plug-in-Hybrid mit einem Zwölfzylindermotor. Wie groß ist denn die elektrische Reichweite?

Stephan Winkelmann: Beim neuen Aventador ist das Elektromodul, also die Batterie und der Elektromotor dafür ausgelegt, die Längsdynamik zu verbessern und nicht so sehr die Reichweite.

Wenn es um die Dynamik und weniger um die Reichweite geht, dann wären doch Super-Kondensatoren eine Alternative?

Winkelmann: Super-Kondensatoren bringen aktuell nicht das, was eine Batterie kann. Weder von der Reichweite noch von der Ladefähigkeit. Deswegen haben wir uns für eine Batterie entschieden, die vielleicht weniger Reichweite bietet als andere Hybridfahrzeuge, die aber schnell die Leistung zur Verfügung stellt, die wir brauchen. Sobald Sie das Auto fahren, werden Sie das spüren.

Warum hybridisieren Sie keinen Achtzylinder, wie das einige andere Hersteller machen?

Winkelmann: Weil der Zwölfzylinder zur Lamborghini-DNA gehört. Außerdem haben wir es geschafft, einen Zwölfzylinder zu bauen, der allen modernen Ansprüchen gerecht wird. Deswegen halten wir daran fest. Die Reaktion unserer Kunden zeigt, dass das genau die richtige Entscheidung war. Wir haben jetzt schon so viele Bestellungen, dass wir gar nicht wissen, wie wir die Autos produzieren und verteilen sollen.

Wie lange wird denn der Zwölfzylinder zum Einsatz kommen?

Winkelmann: So lange es geht. (lacht). Nein, im Ernst. Bei der Elektrifizierung beschreiten wir zwei Wege. Zum einen wollen wir 2028 das erste vollelektrische Fahrzeug bringen. Der zweite elektrische Lamborghini wird dann der Nachfolger vom Urus. Beim Aventador und beim Huracan-Nachfolger wollen wir möglichst lange an den Plug-in-Hybriden festhalten. Wir fassen natürlich ins Auge, auch nach 2030 Hybride zu produzieren, falls uns das synthetische Benzin das ermöglicht. Das Wichtige ist, dass wir diese Entscheidung nicht heute und auch nicht morgen treffen müssen. Also haben wir noch ein paar Jahre Zeit, festzulegen, ob wir mit den beiden Supersportlern vollelektrisch werden.

Forschen Sie selbst an E-Fuels oder verlassen Sie sich auf Porsche?

Winkelmann: Wir stehen in engen Kontakt mit Porsche. Es war ja eine Konzernentscheidung, dass Porsche beim synthetischen Benzin die Vorreiterrolle übernimmt. Es wird sich in den nächsten Jahren zeigen, ob das technisch und vom Gesetzgeber her machbar ist.

Sehen Sie eine Alternative zu synthetischen Kraftstoffen?

Winkelmann: Wenn die Emissionen reduziert werden sollen, dann nicht. Anders wird man an dem Verbrennungsmotor nicht festhalten können.

Sie haben ja bereits verraten, dass der erste vollelektrische Lamborghini ein Crossover-GT sein wird. Warum diese Kompromiss-Lösung und keinen „echten“ GT?

Winkelmann: Ich glaube, dass das kein Kompromiss ist, sondern eine große Herausforderung. So kann unser Chefdesigner Mitja Borkert etwas komplett Neues entwerfen – sowohl vom Segment als auch von der Formensprache her.

Mitja Borkert: Was wir machen, ist ein Raumschiff. Extremes Design ist mit Lamborghini verbunden und wir haben da eine wunderbare Idee gefunden, die absolut eindeutig ist. Das wird ein Trendsetter.

Winkekmann: Dieses Fahrzeugkonzept stellt das Beste aus zwei Welten dar. Durch die Batterietechnologie, die wir verwenden werden, können wir eine Formensprache realisieren, die zwar typisch Lamborghini sein wird, aber komplett neu ist. Auf der einen Seite hat man ein GT-Fahrzeug, das mit das Schönste ist, was es gibt und auf der anderen Seite vermittelt die erhöhte Sitzmöglichkeit ein Gefühl der Sicherheit. Deswegen sind ja die SUVs in allen Segmenten so stark vertreten und es gibt keine Tendenz, dass das zurückgeht,

Besteht denn zwischen dem Crossover-GT und dem Urus-Nachfolger nicht die Gefahr der Kannibalisierung?

Winkelmann:  Je mehr Modelle man hat, desto größer ist die Gefahr der Kannibalisierung. Wir haben das analysiert und sehen kaum Überschneidungsthemen, weil sich die beiden Autos optisch komplett unterscheiden werden und andere Ansprüche erfüllen wird.

Auf welcher Plattform wird der Urus-Nachfolger stehen?

Winkelmann: Der Urus-Nachfolger wird sich die Plattform mit dem GT teilen.

Sie sagen, dass sich auch ein vollelektrischer Lamborghini durch Agilität definiert. Wie wollen Sie das bei den vollelektrischen Modellen mit einer schweren Batterie umsetzen?

Winkelmann: Das ist eine valide Frage, mit der wir uns täglich beschäftigen. Wir müssen bis 2028 beweisen, dass Lamborghini ein elektrisches Fahrzeug herstellen kann, dass dem Namen alle Ehre macht und nicht nur bei der Längs-, sondern auch bei der Querbeschleunigung Maßstäbe setzt. Wenn wir das bei einem Supersportwagen wie den Aventador hinbekommen, fällt es uns auch beim Crossover-GT leichter.

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