BMW M135i xDrive. Automatisch schlimm?

Als der BMW M135i xDrive im vergangenen Jahr mit einem Vierzylinder, ohne Heckantrieb und mit Automatikgetriebe angekündigt wurde, habe ich sofort in der Redaktion gerufen „NICHT als Testwagen anfordern“! Und ich bin stur geblieben. Bis ich jetzt einen Leihwagen brauchte und ausgerechnet jener BMW aus der Sixt-Garage gefahren wurde. Na gut. Dann soll er seine Chance kriegen.

Die 35 hinter der 1 soll uns automobile Dinosaurier in Sicherheit wiegen. Wer seinen Führerschein länger als einen Tag hat weiß, dass die 1 das Modell beschreibt und die 35 den Hubraum. Dieses festgeschriebene Gesetz wurde aber vor einiger Zeit im Rahmen des Downsizing-Wahns herstellerübergreifend abgeschafft und durch Fantasiezahlen ersetzt. Uns älteren Herren soll es vorgaukeln, dass da ein großer Sechszylinder verbaut ist und die Jüngeren wissen es nicht besser. Wie man nun ausgerechnet auf 35 kam – keine Ahnung. Weder der Zweiliter-Vierzylinder ist der Namensgeber noch die 306 PS.

Drückt man den Startknopf und rollt los, folgt die nächste Mimikry: Der winzige Vierzylinder brabbelt wie ein Vielzylinder. Sonor bassig grummelt das soundsystemunterstützte Aggregat los wie ein Achtender. Das ist durchaus erfreulich. Und klingt auch so. Man erwischt sich, an Ampeln lieber einmal öfter anzuhalten, um das gleich nochmal zu hören.

Aber das hat dem Sound-Inscheniör nicht gereicht. Er wollte uns zeigen, was er gelernt hat: Beim Durchbeschleunigen startet der M135i wie erwähnt akustisch in der Big-Block-Welt und geht bei mittlerer Drehzahl in den Sound des geliebten und vermissten Sechszylinders über! Holla, Freude kommt auf!

Erst Richtung roter Bereich kann dann auch der Herr Ingenieur nichts mehr gegen die Tatsachen unternehmen: dann klingt der kleine M-Motor eben wie ein kleiner Motor mit ausgeräumtem Endtopf. Damit wir uns da nicht falsch verstehen: niemand kann etwas gegen einen BMW M mit Vierzylinder-Motor haben. So fing schließlich alles an im Ur-M3. Und wer jemals in einem YouTube-Video (oder gar live!) einen ausgedrehten Bastos-M3 in der Hand von Patrick Snijers gehört hat, weiß warum ich jetzt sofort eine kurze Pause machen muss, um mir ein Video von Patrick Snijers im ausgedrehten Bastos M3 anzugucken.

Zurück. Pure Gewalt war das. Herrlich.

Ganz so herrlich klingt der kleine Turbo-Zweiliter im oberen Drehzahlbereich leider nicht.

Gar nicht.

Weniger Hubraum, viel weniger Drehzahl, Turbolader und Automatik machen ihm da einen Strich durch die M wie Milchmädchen-Rechnung.

Automatik. Da war das böse Wort zum ersten Mal. Nervt sie in diesem Auto? Einem M? Ehrlich gesagt weniger als gedacht. Die acht Gänge tun, was sie tun müssen, und der M135i ist ja nicht gebaut worden, um belgische Asphaltsträßchen aufzufräsen, sondern um dem jungen dynamischen Familienvater Nils K. das letzte bisschen persönliche Freiheit zu gewähren: weil ein Einser BMW absolut sozialverträglich ist und bei Partner/in, skeptischen Schwiegereltern und Golf Plus-Nachbarn als vernünftig durchgeht. Das mit dem angekreuzten M hat Nils zu Hause einfach vergessen zu erzählen.

Die Automatik macht ihn zu einem freundlichen Gesellen, der einem die Edeka-Tour nicht krumm nimmt, zumal der Innenraum wirklich extrem geräumig ist. Man sollte jetzt keine Zweimeterzwölf groß sein, wenn man hinten sitzen will, was aber nur an der Höhe liegt, in der Länge ginge es problemlos.

Der letzte Kritikpunkt, der in meinem sturen Schädel noch schlummerte, war der nicht mehr vorhandene Heckantrieb. Aber hey, wenn man auf Typenbezeichnungen nix mehr geben kann und der Klang nicht mehr erkennen lässt, wie viele Zylinder da wirklich arbeiten, dann kommt es auf dieses letzte Alleinstellungsmerkmal auch nicht mehr an. Erstens ist es eh nicht mehr sonderlich angesagt, in der Innenstadt quer ums Eck zu kommen und zweitens überträgt der M135i xDrive ja zumindest noch auf Gasfußwunsch ein paar Prozent des Antriebs auf die richtige Achse. Und da die meisten von uns sowieso nicht wie Patrick Snijers fahren können, werden viele zufrieden damit sein, dass man sich jetzt auch bei Regen an der Ampel einfach mit 306 PS und 450 Nm durch den simulierten Acht-, Sechs- und Vierzylinder durchhören kann, ohne das Heck auf dem Bürgersteig einfangen zu müssen.

Ich habe meinen Frieden geschlossen. Manchmal muss man einfach gezwungen werden.

Kurzbeschreibung: BMW M135i xDrive, 1.998 ccm Vierzylinder Turbo, 306 PS bei 4.500 U/min, 450 Nm bei 1.750 U/min, Achtgang-Automatik, Allrad (im normalen Fahrbetrieb Frontantrieb), 1.600 kg, 0-100 4,7 Sek., 250 km/h, ab 48.252 Euro. Sozialverträglicher Softie für ambitionierte Vernünftige.

TEXT Thomas Senn

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