BMW M4 Competition. Artgerecht bewegt.

BMW hat für seine Hochkant-Niere in den vergangenen Monaten jede Menge Prügel kassiert. Da macht das Power-Doppel aus M3 / M4 keine Ausnahme zu den zivilen Coupés und Cabrios. Doch abgesehen von der harschen Designkritik: wie scharf fährt sich der M4 auf einem abgesperrten Rennkurs?

Auf der Straße hat der viertürige Bruder BMW M3 gerade als 510 PS starke Competition-Variante eine grandiose Vorstellung abgeliefert und die Kräfteverhältnisse in der leistungsstarken Mittelklasse einmal mehr bekräftigt. Im Sommer dürfte noch imposanter werden, denn dann legen die Bayern erstmals die lange überfällige Allradvariante nach, die deutlich sinnvoller ist als die entbehrliche Version mit Sechsgang-Handschaltung.

Doch auf der Straße ist es bei einer solchen Sportskanone nur das eine. Ein BMW M3 / M4 muss auch auf der Rundstrecke seine Fans begeistern. Ein erster Test auf dem BMW-eigenen Handlingkurs in Maisach zeigt, dass der BMW M4 Competition auch hier kaum irdische Grenzen kennt.

Die Leistungsdaten sind dabei weitgehend identisch mit denen des BMW M3, der ebenfalls als 480 PS starkes Normalmodell und 510 PS starke Competition-Variant anrollt, das zudem noch 650 Nm maximales Drehmoment bietet. Der Auftritt mit den ausgestellten Radhäusern und der zerborstenen Front ist schon einmal martialisch und es besteht kein Zweifel daran, dass man sich mit ihm nicht anlegen sollte.

Das Frontdesign des sportlichsten 4ers bleibt auch mit den alles andere als sehenswerten Hochkant-Nieren wenig ansehnlich. Wer noch zweifelt, soll sich im Vergleich einfach einmal die Vorgänger-Generationen ansehen, die kraftvoll und schick in die Breite gingen. BMW ist in Sachen Frontdesign gerade scheinbar auf einem völlig falschen Weg.

Das kann man bei Antrieb und Fahrwerk jedoch nicht sagen – im Gegenteil. Der aufgeladene Dreiliter-Reihensechszylinder ist ein imposant brüllender Kraftprotz, der sich mehr als alle anderen Triebwerke in hohen Drehzahlen allzu zuhause fühlt. Über 7.000 U/min sind für den Piloten und das Publikum an der Rennstrecke gleichermaßen eine wahre Wonne.

Die Temperaturen im März sind deutlich zu kühl und so muss man etwas mehr Aufwand daran verschwenden, die Pneus vor dem harten Einsatz auf der kurvenreichen Piste auf Arbeitswärme zu bringen. Die Piste in Maisach, von oben betrachtet mit leichten Anlehnungen an die Außengrenzen der USA, ist ein alter Flugplatz, der seit Jahren für Fahrertrainings genutzt wird. Die möglichen 290 km/h lassen sich hier nicht testen, aber dass der M4 aus dem Stand in unter vier Sekunden auf Tempo 100 kommt, ist einen Versuch wert.

Nach dem flotten Einrollen auf dem Kurs wird klar, dass sich nach ein paar Runden viel über die Fahrdynamik des neuen BMW M4 Competition sagen lassen wird. Gleich vom Start geht es rechts herum entgegen den Uhrzeigerrichtung. Ein paar schnelle Ausweichmanöver und dann kurz Vollgas, bis es scharf rechts in eine 90-Grad-Kurve geht. Hier hebt der Bayer sogar leicht das rechte hintere Bein. Der gelbe M4 wird brutal zusammengestaucht, um dann nach einem kurzen Zwischenspurt in eine lang gezogene Linkskehre einzubiegen. Das Untersteuern ist überschaubar und liegt nicht zuletzt an allenfalls warmen Reifen und einem kühlen Asphalt.

Prächtig ist die Rückmeldung der Lenkung, die sich mit ihrer aufwendigen Konstruktion deutlich anders als beim kleinen Bruder BMW M 440i in den Händen des Chauffeurs präsentiert. Auch der 440er war in Sachen Fahrwerk und Antrieb bereits ein echter Volltreffer, doch ein paar Kurven reichen und man spürt sofort: der M4 ist ein völlig anderes Auto. Interessant dabei, dass die Räder vorne ein Zoll kleiner als hinten sind. Entweder rollt der M4 vorne auf 18- und hinten auf 19 Zöllern oder es gibt bei den ab Sommer verfügbaren Allradvarianten vorne 19- und hinten 20 Zoll.

Ein paar kleine Wedelübungen, erst links, dann rechts und der rund 1,8 Tonnen schwere M4 räubert bei der Suche nach der perfekten Linie haarscharf an den nächsten Pylonen vorbei. Im Nordost-Eck des Rennkurses stauchen die Bremsen das bayrische Coupé wieder brutal zusammen, spät einlenken und wieder voll aufs Gas zum Hochgeschwindigkeitsausweichen jenseits der 170 km/h, wo der Nasenbär auch Garching zeigt, die stabil sein Heck ist. Dann eine schnelle Pylonenkombination und nach der 90-Grad-links geht es wieder zurück Richtung Start.

Die Runde hat kaum mehr als zwei Kilometer, doch der BMW M4 Competition macht Laune – und was für welche. Der Fahrer fährt sich nach ein paar Runden in einen höchst ungefährlichen Rausch. Bei den üppigen Auslaufzonen kann kaum etwas passieren und so lassen sich Brems- und Einlenkpunkte sowie Gasannahme und manuelles Herunterschalten ebenso ausprobieren wie die verschiedenen Fahrprogramme. Hier zeigt sich der BMW M4 genauso wie sein Familienbruder M3 allzu verspielt. Die zahlreichen Fahrmodi auf greifen je nach Menüpunkt auch auf Lenkgefühl und Bremsen zu – das braucht kein Mensch.

Dazu ist die Normalabstimmung des dynamischen Bayern einfach zu präzise, zu vertrauenerweckend. Und bei einer zehnstufig abstimmbaren Traktionskontrolle scheint es mit den Technikern an einem regnerischen Wochenende doch etwas durchgegangen zu sein. Für ganz schlimme Fälle am Steuer gibt es einen Drift-Analiser und endlose Unterpunkte im zentralen Bediendisplay bis hin zur Lauch Control.

Wenn man sieht, wie perfekt der leistungsstarke Reihensechszylinder auf die Achtstufenautomatik aus dem Hause ZF abgestimmt ist, kann man die Spartenoption einer manuellen Handschaltung noch viel weniger verstehen. Da erscheint es deutlich sinnvoller, dass der Fahrer bei der soliden Serienausstattung des mindestens 91.000 Euro teuren BMW M4 Competition eine ganz andere Wahlmöglichkeit hat. Entweder der BMW M4 ist mit dem serienmäßigen Karbondach unterwegs oder er bietet ein Stahldach inklusiv elektrischem Schiebedach. Für die, die nicht auf die Rennstrecke wollen und das Oberlicht nebst Frischluft genießen, sicher die bessere Wahl – immerhin ohne Aufpreis. Und wem der normale BMW M4 mit 480 PS reicht und sich mit der Handschaltung arrangieren kann, liegt bei 84.000 Euro. Man kann gespannt sein auf den Allradler, der im Juni startet.

Stefan Grundhoff; press-inform

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