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Kia EV6 GT vs. Kia Stinger GT. Heck lass nach.

Der Thüringer Wald und Kia meinten es gut mit uns. Kurven, Schnee, zwei Spielzeuge und einer, der weiß, wie es geht. Kurz noch einmal die Vorfreude genießen und dann zügig los, bevor der Winterdienst den Spaß beendet.

So schnell bringt man einen Rallyefahrer zum Strahlen. „Dass es solche Straßen bei uns gibt“, bejubelt Julius Tannert die ausgesuchte Strecke in der Kammlage des Thüringer Waldes. Prächtige Kurven und eine ordentliche Ladung Schnee, ein Hauch von Rallye Monte Carlo zieht durch die Bäume. Nicht weniger erfreulich: weit und breit ist niemand außer uns zu sehen. Der feine Tag kann beginnen.

Zum heutigen Unterhaltungsprogramm gehören der Kia EV6 GT und der Kia Stinger GT. Überschrift: Allrad-Stromer gegen Allrad-Benziner. Beide gesegnet mit jeder Menge Leistung. Der 3,3 Liter große V6 des flachen Stingers bringt es auf 366 PS und der Elektro EV6 hält mit satten 430 kW (585 PS) dagegen, die wie üblich ansatzlos zur Verfügung stehen.

Elektro, Schnee und Fahrtalent

Ohne langes Herumsuchen kommt der EV6 GT direkt zur Sache. Die giftgrüne GT-Taste am Lenkrad entfesselt nicht nur die volle Leistung, sondern jetzt ist auch das ESP deaktiviert. Und wenn 740 Nm Drehmoment zupacken, dann heißt es sanft mit rechtem Fuß umgehen und sofortige Lenkimpulse. Für Julius Tannert kein Thema. Eher täglich Brot, denn hauptberuflich ist er als Fahrinstruktor auf dem Sachsenring tätig. Deshalb überrascht es wirklich niemanden, dass auf den nächsten fünf Kilometern der EV6 gefühlt keinen Meter mehr geradeaus fahren wird. „Man braucht nur kurz Stromstöße“, sagt Tannert und staunt selbst ein wenig über diese Wortwahl. „Danach Gegenlenken, aber nicht zu viel.“

Lob von Walter Röhrl

Auch Walter Röhrl, der sich den EV6 GT wenige Tage später höchstpersönlich zur Brust nimmt, lobt: „Der Schub ist beeindruckend. Bis Tempo 200 ist einfach kein Nachlassen zu spüren. Das Fahrwerk ist ausgewogen, kein Untersteuern und der Allradantrieb verleiht dem Auto gute Führung. Es hat enormes Potential für sportliches Fahren.“

Weil der Kia oft als Porsche Taycan-Schreck beschrieben wird, schaut Röhrl noch genauer hin und findet prompt ein paar Ansatzpunkte. „Die Lenkung hinterlässt einen synthetischen Eindruck. Präzise, leichtgängig, filigran, so würde ich sie mir wünschen.“ Diese Worte werden an den richtigen Stellen ankommen, denn Walter weiß: „Die Kia-Leute dürfen wir nicht unterschätzen. Das sind jetzt richtig gute Autobauer.“

Wie gut, zeigt der EV6 GT auf trockener Straße. Aus dem Stand spurtet er in nur 3,5 Sekunden auf Tempo 100 und Schluss ist erst bei 260 km/h. Das ist Taycan-Niveau und das hält er auch beim Nachladen dank 800-Volt-Technik. Allerdings kostet der Koreaner mit 72.990 Euro deutlich weniger als der Porsche.

Stinger grüßt aus der alten Welt

Während der EV6 und die anderen Stromer die Zukunft von Kia darstellen, sind die Tage des Stinger gezählt. Da nützt es auch nichts, dass der flache Viertürer optisch noch immer eine Augenweide ist. Die Kia-Elektrostrategie lässt keinen Platz mehr für leistungsstarke Verbrenner.

Schon die ersten Meter machen den Unterschied zwischen den beiden Welten deutlich. Während der EV6 GT ansatzlos auskeilt, benötigt der Stinger GT etwas Anlauf, um in Fahrt zu kommen. Der V6 will Drehzahlen, wir wollen Spaß und finden ihn im Sport-Plus-Programm. ESP ist komplett aus, die Kraft wird zu 100 % nach hinten gereicht und wenn die volle Wucht des Biturbos einsetzt, dann geht die Fuhre ordentlich voran. Tannert muss zwar den rechten Fuß jetzt mehr durchdrücken, aber die Drifts sind deutlich harmonischer als zuvor beim EV6. Das alles untermalt vom wohligen Sechzylinderbeat. „Es macht einfach Spaß“, grinst Herr Tannert noch mehr und zieht fröhlich an den Schaltwippen des Achtgang-Getriebes.

Kurz zur Vervollständigung: Wenn es trocken ist, dann stürmt der Stinger von 0 auf 100 in 5,4 Sekunden und erreicht 270 km/h. Wer es schafft, beim Freundlichen noch ein Exemplar aufzutreiben, bekommt für 60.620 Euro einen vollausgestatteten GT der alten (guten) Schule. Zur allgemeinen Beruhigung sei noch einmal extra erwähnt: außerhalb des Sport-Plus-Programms fährt er sich lammfromm. „Der Stinger ist für mich das ‚deutscheste‘ unter allen Kia-Autos. Da haben sie ein richtig gutes Auto gebaut“, urteilt Walter Röhrl und bedauert, „Schade, dass er nicht mehr produziert werden wird.“

Während wir noch überlegen, welcher Kia hier und heute das Rennen gemacht hat, nähert sich aus dem Tal das Ende der schönen Zeit. Der Winterdienst räumt pflichtbewusst die Piste, aber Julius Tannert ist sich sicher, dass er ein paar Ecken weiter einen Abzweig gesehen hat, „dort müsste noch was gehen!“

Technische Daten

Kia EV6 GT

  • L x B x H: 4.695 x 1.890 x 1.545 mm
  • Gewicht: 2.200 kg
  • Motor: Elektro; 430 KW (585 PS), 740 Nm
  • Antrieb: Allrad
  • Verbrauch: 21,8 kWh
  • Batterie / Reichweite: 74 kWh / 360 km
  • Fahrleistungen: 0–100 3,5 sec; Vmax 260 km/h
  • Preis: 72.990 EUR

Kia Stinger GT

  • L x B x H: 4.830 x 1.870 x 1.400 mm
  • Gewicht: 1.933 kg
  • Motor: 3,3 l Turbo-V6; 366 PS, 510 Nm
  • Antrieb: Allrad, 8-Gang-Automatik
  • Verbrauch: 10,8 l
  • Tank / Reichweite: 60 l / 567 km
  • Fahrleistungen: 0–100 5,3 sec; Vmax 270 km/h
  • Preis: 60.620 EUR

TEXT Michael Heimrich
FOTOS Andreas Schubert

LESENSWERT.
WALTER.