Schaut man sich die Land-Cruiser-Modellpalette an, könnten die Unterschiede kaum größer sein. Der Land Cruiser 70 ist seit mehr als 20 Jahren das unverwüstliche Gegenstück zum Range Rover, während die 300er-Version eher zum Flanieren in der Stadt einlädt. Schmucker SUV hier, rustikaler Geländegänger dort – da fehlt noch etwas.
Das haben sich offenbar auch die Toyota-Markenstrategen gedacht und den Land Cruiser FJ aus dem Taufbecken gehoben und schlagen den Mercedes-Verantwortlichen mit höflicher Verbeugung ein Schnippchen. Während die Baby-G-Klasse voraussichtlich erst 2027 auf den Markt kommt, ist der Baby-Cruiser bereits Mitte nächsten Jahres verfügbar. Zunächst startet er in Japan, nicht in Deutschland oder Europa. Die strengen Abgasvorschriften machen den Japanern einen Strich durch die Rechnung. Noch! Wenn sich der kleine Land Cruiser jedoch zum Autofahrer-Magneten mausert, könnte sich das ändern. Der 4,58 Meter lange, 1,86 Meter breite und 1,96 Meter hohe Cruiser FJ hat das Zeug dazu hat.
Sein Radstand beträgt 2.580 Millimeter. Damit sind die Achsen rund 27 Zentimeter näher beieinander als beim 250er. Kombiniert mit einem großen Einschlagwinkel der Vorderräder, die an einer Vorderachse mit Doppelquerlenkern aufgehängt sind, resultiert das in einem Wendekreis von lediglich 5,5 Metern. Definitiv stadttauglich. Der Land Cruiser teilt sich mit dem Pick-up Toyota Hilux die Leiterrahmenplattform IMV (Innovative International Multi-purpose Vehicle) und steht auch abseits befestigter Straßen seinen Mann. Schließlich steht das Kürzel FJ für „Freedom & Joy“ und ist kein Marketing-Geschwurbel: Toyota verspricht eine Radverschränkung auf 70er-Niveau und die Bodenfreiheit beträgt passend dazu 21,5 Zentimeter.
Damit das auch im Gelände zum Tragen kommt, hat Toyota dem Land Cruiser FJ einen zuschaltbaren Allradantrieb verpasst, der bei Bedarf vom Hinterrad- auf Allradantrieb wechselt. Das System basiert auf dem Toyota Hilux und bietet eine Geländeuntersetzung („4L“) für knackige Offroad-Etappen. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsgang-Automatikgetriebe, das mit dem bewährten 2,7-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner (2TR-FE) gekoppelt ist. Dieser leistet 163 PS und hat ein maximales Drehmoment von 246 Newtonmeter. Der Saugmotor ist für seine Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit und Robustheit bekannt und damit wie gemacht für Regionen wie Südostasien, den Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika – sowie für unterschiedliche Kraftstoffqualitäten. Für Europa wäre ein elektrifizierter Antrieb unter der Haube nötig.
Das Design des Land Cruiser FJ ist betont kantig, klar und bewusst retro. Die würfelförmige Silhouette erinnert an den FJ40. Optional gibt es runde LED-Scheinwerfer. Praktisch sind die segmentierten Stoßfänger, die sich bei Beschädigung einzeln austauschen lassen. Innen setzt Toyota die robuste Geländewagen-Formensprache fort. Erkennbar am horizontalen Armaturenbrett, dem griffigen Schalthebel sowie den großen Schaltern. Das Infotainment mit dem 12,5-Zoll-Touchscreen und die Safety-Sense-Assistenzsysteme bringen moderne Technik ins rustikale Ambiente und erhöhen die Sicherheit.
Mit einem Einstiegspreis von etwa 3,8 bis 4,0 Millionen Yen (etwa 26.000 bis 28.000 Euro) ist der Land Cruiser FJ im Toyota-Kosmos als günstiges Einstiegsmodell positioniert. Zum Vergleich: Der Land Cruiser 250 startet in Japan bei rund 5,45 Millionen Yen (rund 37.500 Euro). Ganz so erschwinglich wird der in Thailand produzierte Baby-Cruiser in Deutschland natürlich nicht sein. Man kann mit rund 40.000 Euro rechnen.
TEXT Wolfgang Gomoll