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Walter Röhrl über Michèle Mouton: „Sie hätte den Titel verdient gehabt.“

Michèle Mouton wird 70 und für Walter Röhrl gehört die Französin zu jenen Personen, die ihn nachhaltig beeindruckten.

„Wenn es um Frauen im Motorsport geht, gibt es für mich eine ganz klare Nummer 1: Michèle Mouton. Nie zuvor und auch seitdem nie wieder hat es eine Frau gegeben, die in einem Männersport so gut war. Michèle war eine Ausnahmeerscheinung, ihre Leistung war unglaublich. Was sie bei Audi gegen Hannu Mikkola und Stig Blomqvist gezeigt hat, war unfassbar. Ich zähle beide zu den fünf besten Rallyefahrern aller Zeiten. Und gegen diese beiden konnte sich Michèle behaupten. Gegen diese interne Konkurrenz gewann sie WM-Läufe, schon das hat keine andere Frau jemals geschafft.

So ganz verstehe ich das heute noch nicht. Ich habe sie 1979 bei Fiat kennengelernt.  Bei der Rallye Monte Carlo 1980 habe ich sie auf einigen  Prüfungen eingeholt. Sie hat mir später einmal verraten, dass sie seitdem eine Art Röhrl-Komplex hatte. Nur deswegen hat sie 1982 bei der Rallye Elfenbeinküste die Nerven verloren und ist schließlich im Kampf um den Titel gegen mich gescheitert. Bei den Schotter-Rallyes hätte ich im Opel Ascona gegen sie normalerweise keine Chance gehabt.

Natürlich hat mich das damals gefuchst, von einer Frau geschlagen zu werden, auch wenn Michèle für mich ein Gegner war wie jeder andere auch. Heute muss ich sagen, ich wäre 1982 besser nicht Weltmeister geworden. Mir war der Titel ziemlich gleichgültig. Mir hätte vollkommen gereicht, der schnellste Fahrer eines zweiradangetriebenen Autos zu sein. Aber Michèle hätte Geschichte geschrieben als erster weiblicher Weltmeister im Motorsport. Schade, dass es nicht so gekommen ist. Sie hätte den Titel wirklich verdient gehabt.

Tatsächlich habe ich Michèle die Tür zu Audi geöffnet. Erst als ich Audi abgesagt hatte, war der Platz für sie frei. Sie wollte natürlich wissen, warum ich mich gegen Audi entschieden habe. Aber der Audi Quattro von 1981 hat nicht zu meinem Fahrstil gepasst, dazu musste man viel zu viel am Lenkrad arbeiten. Ich habe Michèle geraten, das Audi-Angebot anzunehmen. Denn mir war klar: Wenn diese Technik erst einmal funktioniert, bricht eine neue Epoche im Rallyesport an.

Und um das noch einmal klarzustellen: Das berüchtigte Zitat von mir, dass man einen dressierten Affen ans Lenkrad des Audi Quattro setzen könnte, und er würde Rallyes gewinnen, hatte nicht das geringste mit Michèle oder den anderen Audi-Fahrern zu tun. Diesen Spruch habe ich nach einer Fahrt auf Schotter mit dem Opel Ascona 400 rausgehauen, bei dem Mitglieder des österreichischen Skiteams meine Beifahrer waren. Die waren nach der Mitfahrt der Meinung, dass keiner schneller auf dieser Strecke fahren könne. Interessanterweise hat mir Michèle selbst diesen Spruch nie krumm genommen, sie wusste genau, wie ich es gemeint hatte. Vor Michèle habe ich noch heute größten Respekt.“  

Über Michèle Mouton

  • Geboren 1951 in Grasse (Frankreich)
  • 1974 erster WM-Lauf (Rallye Monte Carlo) auf Renault Alpine
  • 1975 Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans
  • 1981 Premiere im Werksteam von Audi. Erster WM-Sieg (Rallye San Remo)
  • 1982 Vize-Weltmeisterin (Audi) mit drei Siegen
  • 1984 + 1985 Sieg beim Bergrennen am Pikes Peak (Audi)
  • 1986 Deutscher Rallyemeister (Peugeot)
  • 1988 Erfinderin des „Race of Champions“ zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Fredrik Johnsson
  • Heute Präsidentin der FIA-Kommission „Women in Motorsports“ und Sicherheitsbeauftragte der Rallye-WM

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