25 Jahre Mercedes A-Klasse.

Kein anderer Mercedes sorgte in den vergangenen 50 Jahren für derart viel Gesprächsstoff wie die A-Klasse. Mit dem kleinen Benz wollten die Schwaben ihr Produktportfolio nach unten erweitern und völlig neue Kunden gewinnen. Das klappte, doch gerade die erste A-Klasse konnte nicht nur glänzen. Und die geplante Elektroversion schafft es nie in die Serie.

Bereits Anfang der 1980er Jahre hatte ein Baby-Benz für viel Aufsehen gesorgt. Mit dem 190er der Baureihe W 201 kletterte Daimler schon einmal eine Liga nach unten und wollte unterhalb der Oberklasse Kunden locken. Wurde der Mercedes 190 eher zu Unrecht als Baby Benz verspottet, so war die A-Klasse der Baureihe W 168 der eigentliche Nachwuchsstar, denn der kleine Stern hatte mit allem, was man von Mercedes kannte, kaum etwas zu tun. Design, Antrieb, Fahrzeugklasse und leider auch Wertig- und Haltbarkeit – alles war neu und das meiste war nicht auf dem bekannten Daimler-Niveau. Trotzdem wurden von der ersten Generation zwischen 197 und 2005 über 1,1 Millionen Fahrzeuge verkauft – bevorzugt an Kunden, die sich wohl sonst keinen Mercedes geleistet hätten.

Im Jahr 1993 hatte Mercedes mit der seriennahen Studie des A 93 einen Ausblick auf eine für die Schwaben völlig neue Fahrzeugklasse gegeben. Bis zum Marktstart vier Jahre später änderte sich nichts grundlegendes und so hatte Mercedes ein neues Einstiegsmodell und nannte dies „A-Klasse“. Damit wollte der aufstrebende Weltkonzern eine neue Ära einläuten. Neues Klientel und eine neue kompakte Fahrzeugklasse, wo Volkswagen mit dem Golf der vierten Generation sich mittlerweile edler und schicker denn je präsentierte. Von diesem schmackhaften Kuchen wollte Daimler sich ein großes Stück abschneiden. Ein Teil der Kunden sollte sich als reale Umsetzung des Smart Cars für den Smart Fortwo entscheiden. Unter dem Sternenbanner gab es die Mercedes A-Klasse – einen Stern wie keinen vor ihm.

Die Studie des Mercedes A 93 sorgt im Herbst 1993 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt für viel Aufsehen. Ein derart kompakter Benz, eher ein kompakter Van denn das, was man bisher in Limousinenbauart aus Schwaben kannte – das war ein Paradigmenwechsel. Bis zur offiziellen Premiere im Jahre 1997 auf dem Genfer Automobilsalon ändert sich kaum grundlegendes, denn das Konzept des 3,35 Meter langen Citymobils steht. Auffällig sind der hohe Aufbau für maximale Praktikabilität, ein langer Radstand und die stark ansteigende Seitenlinie. Im Vergleich zur Studie des A 93 legt das Serienmodell der A-Klasse nochmals um knapp 23 Zentimeter zu und misst in der zunächst nur verfügbaren Normalversion 3,58 Meter. 

Dabei ist die neue A-Klasse nicht nur der erste Serien-PKW von Mercedes mit Frontantrieb, sondern sie insbesondere auch in seiner Paketierung neue Maßstäbe. Sein Sandwichkonzept mit einem doppelten Boden, bei dem der Motor im Falle eine Frontaufpralls hinwegtauchen kann und gleichzeitig Raum für innovative Antriebskonzepte bietet, ist technologisch eine Schau und ein Patent mit der Baunummer DE 44 44 00 132 C1. Trotz des innovativen Sicherheitskonzepts macht die A-Klasse im Herbst 1997 durch ein ganz anderes Ereignis auf sich aufmerksam.

Ein bis dahin namenloser skandinavischer Journalist kippte die A-Klasse bei einem speziellen Ausweichtest und macht den sogenannten Elchtest über Nacht noch bekannter als die A-Klasse selbst. Daimler reagiert und rüstet alle 18.000 verkauften sowie die neuen Fahrzeuge der Baureihe serienmäßig mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP sowie dem automatischen Bremsassistenten aus. Hinzu kamen eine straffere Feder-Dämpfer-Abstimmung, ergänzt durch eine Tieferlegung der Karosserie sowie Reifen der Größe 195/50 R 15 statt der ursprünglichen Dimension 175/65 R 15. Alle 18.000 bereits ausgelieferten Fahrzeuge wurden für die Kunden kostenfrei umgerüstet und ESP wird über Nacht zum Sinnbild für ein modernes Sicherheitssystem im Auto.

Wegen des doppelten Unterbodens sitzen die Insassen der A-Klasse vergleichsweise hoch wie in einem kompakten Van. Das ermöglicht einen bequemen Einstieg und eine gute Übersichtlichkeit, lässt die A-Klasse jedoch alles andere als dynamisch erscheinen. Dafür bietet die A-Klasse in seiner Klasse ein einzigartiges Raumangebot. Die Fondsitzbank lässt sich verschieben oder herausnehmen und der Beifahrersitz ist mit wenigen Handgriffen demontierbar. Insgesamt sind so auf kleinem Raum mehr als 70 verschiedene Sitzanordnungen möglich. Ein ebener Laderaumboden und eine große Heckklappe in Verbindung mit einer niedrigen Ladekante erleichtern das Be- und Entladen dieser A-Klasse mit Minivancharakter.

Das optionale Lamellenschiebedach bringt den Kunden viel Luft und Licht – und Daimler viel Ärger weil es mit der Verarbeitung ebenso hapert wie mit dem Premiumanspruch der A-Klasse im Innern, die weit hinter dem Klassenprimus VW Golf hinterherfährt und wenig mit dem bekannten Daimler-Premiumanspruch gemein hat. Erstmals bei einer Großserie von Mercedes-Benz bestehen die vorderen Kotflügel aus Kunststoff, ebenso die Heckklappe. Das Fahrzeuggewicht beträgt lediglich 1.000 Kilogramm. Noch mehr Platz und Flexibilität im Innern bietet die 2001 in Genf vorgestellte A-Klasse mit einem um 17 Zentimeter verlängerten Radstand und Beinraum wie in der S-Klasse.

Das Sandwichprinzip des Unterbodens und das nicht einmal 3,60 Meter lange Kompaktfahrzeug erfordern die Konstruktion einer neuen Generation von Vierzylindermotoren. Zunächst werden die beiden Ottomotoren der Baureihe M 166 in den Modellen A 140 und A 160 angeboten. 1998 folgen die CDI-Dieseltriebwerke der Baureihe OM 668. Mit einem Kraftstoffverbrauch von unter fünf Litern auf 100 Kilometern sind die Dieselmodelle Mercedes A 160 CDI und A 170 CDI besonders sparsam.

Diese Turbodieselmotoren gehören zu den ersten mit der von Mercedes gemeinsam mit Bosch entwickelten Commonrail-Technik. Das Leistungsspektrum der vier Motoren reicht zunächst von 44 kW / 60 PS bis 75 kW / 102 PS. Erst 1999 wird der A 190 mit 82 kW / 125 PS zur stärksten A-Klasse, bevor 2002 mit dem Mercedes A 210 Evo mit 103 kW / 140 PS mehr Dynamik in die Modellpalette Einzug hält. Dieser erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h, der Sprint von 0 auf 100 km/h erfolgt in 8,2 Sekunden. Nicht zur Serienreife schafft es die seit dem Start der Baureihe geplante elektrische A-Klasse mit im Sandwichboden untergebrachten Natrium-Nickelchlorid-Akkus.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es eine Vielzahl von Fahrzeugen der ersten A-Klasse-Generation. Günstiger Modelle aus dem Jahre 2000 mit dem 160er-Motor starten bei unter 3.000 Euro. Gut ausgestattete Versionen des A 160 L mit langem Radstand kosten kaum mehr. Die drehmomentstarken Diesel sind wegen der Schadstoffeinstufung nahezu unverkäuflich und ein gepflegter A 190 mit weniger als 100.000 Kilometern ist ebenfalls nach wie vor für deutlich unter 4.000 Euro zu bekommen.

TEXT Stefan Grundhoff für WALTER

LESENSWERT.