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Volvo 244 D6. Das ultimative Kantholz.

Volvo ist längst ins Lager der Elektrohersteller gewechselt und segelt unter chinesischer Geely-Flagge moderner denn je. Aber man konnte auch einmal anders. Kaum ein Auto zeigt das eindrucksvoller als der Volvo 244 D6 Diesel. Ein Auto für die Ewigkeit.

Der Volvo 244 D6 sieht aus wie ein kantiger Baustein aus der Holzkiste im Kindergarten. Quadratisch – praktisch – gut. Die Kreativleistung des 240ers, aus dem Volvo 140 weiterentwickelt, stammte aus Hirn und Hand des schwedischen Autodesigners Jan Wilsgaard. 

Dabei ging es nicht immer quadratisch und praktisch zu, denn Wilsgaard arbeitete in den Anfangsjahren an Modellen wie dem Volvo Amazon oder dem 1800 ES mit, die nicht viel gemein haben mit dem Ursprungsmodell einer ganzen Generation: dem Volvo 140. Auf ihm beruhten die kommen Volvo-Modellen bis weit in die 1990er Jahre hinein. Doch Wilsgaard ließ sich gerade in den Anfangsjahren auch vom Design amerikanischer und italienischer Modelle beeinflussen. Kein Wunder, denn er wurde 1930 in Brooklyn geboren. 

Als Jan Wilsgaard die Designschule in Göteborg verließ, heuerte er bei Volvo an und kreierte Anfang der 1950er zunächst den Volvo Philip, eine viertürige Limousine mit leicht ausladenden Formen und deutlichen Anleihen an zeitgemäße Fahrzeuge von Ford, Chrysler und General Motors. Vom damals 26jährigen Jan Wilsgaard stammte auch der Amazon, für viele bis heute eine der schönsten Limousinen der Mittelklasse und für Volvo ein wahrer Kassenschlager.

Jan Wilsgaard entdeckte sich nach den Anfangsjahren und der Erkenntnis, dass es in erster Linie praktisch sein musste, scheinbar über Nacht selbst. Die organischen Formen von Philip oder Amazon waren vergessen und der Volvo 140 erfand die schwedische Marke neu. Auffällig waren das großzügige Interieur, großflächige Fenster und klare Linien. Die kantig-klobige Serie der oberen Mittelklasse wurde ein Erfolg. Mehr als 1,2 Millionen Mal verkauften sich die Modelle 142, 144 und 145. 

Mit dem 164 legte Wilsgaard nach. Der 164er war mitten in der so ertragreichen Oberklasse angekommen und Volvo hatte ein neues Aushängeschild. Mit der betont luxuriösen Limousine kehrten die Schweden 1968 in die Oberklasse zurück. Neben einer Komfortausstattung und kraftvollen Sechszylindern bot der Viertürer unter anderen eine Sicherheitsfahrgastzelle mit akribisch berechneten Knautschzonen. 

Danach legte Jan Wilsgaard nach und entwickelte die 140er-Baureihe ebenso grundlegend wie dezent weiter. Der Volvo 240 mit den Nachfolgemodelle 242, 244 und 245 wurden nach der Premiere 1974 fast zwei Jahrzehnte gebaut und wurde zum erfolgreichsten Modell der Schweden, das ein weiteres Mal neue Sicherheitsstandards setzte. Während der insgesamt 19-jährigen Produktionszeit wurden 2.685.171 Einheiten des Volvo 240 ausgeliefert. Hinzu kamen 177.402 Oberklassemodelle Volvo 260. Besser verkaufte sich kein anderer Volvo. Einzigartig bleibt, dass der Volvo 240 sogar seinen eigenen Nachfolger – den 1982 eingeführten Volvo 740 – um ein Jahr überlebt hat.

Doch der Volvo 240 war mehr als ein sicheres Kantholz, denn auch beim Fahrwerk mit seinen McPherson-Federbeinen und einem überraschend breit gefächerten Motorenangebot sorgte das Oberklassemodell für Aufsehen. Neben dem Basisvierbenziner mit der internen Bezeichnung B20 folgten die Ausbaustufen B21 / B23 mit Vergaser, Einspritzung und Turbopower, die den Volvo 245 kurzzeitig sogar zum schnellsten Kombi der Welt machen – Dank eines 154 PS starken Turboaggregats. Noch beliebter war gerade in Europa jedoch der Sechszylinder-Diesel, der im Jahre 1978 in einem Volvo 240 Kombi vorgestellt wurde – gemeinsam zwischen Volvo und VW entwickelt.

Im Volvo 244 D6 leistete der nach heutigen Maßstäben recht kernig tönende Sechszylinderselbstzünder 82 PS und lag damit auf dem Niveau vergleichbarer Modelle von der Mercedes, die den Diesel nicht allein in Europa, sondern speziell auch in einigen Teilen der USA sogar mit Turboaufladung hoffähig gemacht hatten. 244 stand dabei für die 240er-Baureihe und vier Türen. Der Zweitürer trug bis 1982 die Bezeichnung 242 und der Kombi als vermeintlicher Fünftürer 245. 

Die kuschelweichen Sitze des Volvo 244 D6

Der blaue Volvo 244 D6 in der Ausstattung GL war mit etwas mehr Komfort als die Basisvarianten ausgestattet. So gibt es kuschelweiche blaue Stoffstühle wie Omas Sofa, Colorverglasung, Viergangschaltung mit Overdrive und die in Schweden übliche Scheinwerferwaschanlage. Der Zustand des D6 ist auf Neuwagenniveau – kein Wunder, er hat trotz seines Alters von über 40 Jahren erst 2.000 Kilometer gelaufen.

Der Motor klingt nach dem Start präsent wie man es vom einem Diesel der frühen 1980er Jahre kennt, doch das geringe Fahrzeuggewicht lässt einen tonnenschwere Hybrid- und Elektroautos der Oberklasse schnell vergessen. Wer flott unterwegs sein will, muss trotz des Drehmoments kräftig schalten und gerade im Overdrive-Gang auf der Autobahn heißt es rollen lassen und den 2,4 Liter großen Reihensechsechszylinder nicht zu sehr anstrengen. Einfach die schwedische Landschaft genießen – wer braucht da mehr als 82 PS?

Das Angebot an gut erhaltenen Volvo 244 ist speziell mit dem D6-Dauerläuferdiesel dünn. Gepflegte Modelle, bisweilen sogar mit Komfortausstattungen wie Getriebeautomatik, Sitzheizung, Zentralverriegelung oder elektrischen Fensterhebern, starten je nach Laufleistung und Herkunft bei rund 7.000 Euro. Bei der Ersatzteilversorgung sieht es gut aus und wenn es einmal eng wird, helfen die großen Angebote in den USA oder dem Volvo-Heimatland Schweden. 

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.
WALTER.