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Mercedes 209 D Marco Polo. Ein früher Entdecker.

Campen ist beliebter denn je. Die anhaltende Corona-Pandemie hat die Menschen noch mehr auf den Geschmack nach Freiheit auf Rädern gebracht. Vor fast 40 Jahren sah das noch etwas anders aus – genauso wie die Wohnmobile. Wir machen eine Zeitreise im Mercedes 209 D, dem ersten Marco Polo Wohnmobil.

An diese Farbe muss man sich erst einmal gewöhnen. Bahama-beige kennen viele damals noch aus dem heimischen Badezimmer der Eltern. Warm, wohlig und kuschlig – diese Atmosphäre wollte 1984 wohl auch der erste Marco Polo Camper mit seiner zeitgemäßen Außenlackierung und korrespondierendem Interieur verbreiten. Frankreich wurde im gleichen Jahr Fußball-Europameister, Helmut Kohl war tatsächlich schon Bundeskanzler und der Campingsommer ging als eher durchwachsen in die Historie der Bundesrepublik ein.

Kein leichter Start für den ersten Marco Polo aus dem Hause Westfalia, der auf dem Bremer T1-Transporter mit Stern basierte und so trug auch das Erstlingswerk das schwarze Kunststoffsignet an den Kotflügeln, das auf einen seinerzeit recht kraftvollen Selbstzünder hinwies. Der Mercedes 209 D wird von einem gerade beim Startvrogang lautstark rasselnden Fünfzylinder vom Typ OM 617 angetrieben, der ohne Aufladung 65 kW / 88 PS leistet und stattliche 172 Nm auf die Kurbelwelle bringt. Trotz des stattlichen Campingaufbaus und entsprechender Ausstattungen sind so 120 km/h Spitze drin. Laut wird es in dem Stummelhauber jedoch schon deutlich früher.

Besonders der hohe Dachaufbau macht den ersten Marco Polo Camper neben seiner 80er-Jahre-Lackierung so gewaltig. Während sich bei derartigen Wohnmobilen die Dächer heutzutage auf Knopfdruck zumeist elektrisch in den Himmel recken, war der Aufbau des Westfalia-209ers damals statisch und fast drei Meter hoch. Der heutige Marco Polo auf Basis der Mercedes V-Klasse duckt sich mit einer Höhe von 1,99 Metern noch in die meisten Parkhäuser und hat auch bei tiefen Brücken oder Mautzufahrten keinerlei Probleme. Wie es sich in den 1980er gehörte, öffnete die Schiebetür noch grobschlächtig mechanisch – man war eben in einem Transporter unterwegs, der jeglichen Limousinenkomfort damaliger Zeit vermissen ließ.

Das Gesamtpaket des ersten Marco Polo ist jedoch abgesehen von den farblichen Irrungen im Innern und zahllosen praktischen Ablagen vergleichbar mit dem heutigen, denn auf überschaubarer Verkehrsfläche gab es Platz für vier Personen. So konnten zwei Personen im Hochdach schlafen und es gab mittig im Fahrzeug eine umbaubare Sitzliege, die sich aus den beiden Bänken formierte. Für den Fall der Fälle gäbe es zudem noch ein Notbett über den beiden Frontsitzen – nicht erst dann würde bei Maximalbelegung jedoch Amnesty International einschreiten. Wie auch heute sollten diesen Camper in keinem Fall mehr als zwei Personen bevölkern und auch dann ist es auf einer Länge von unter 4,80 Metern alles andere als komfortabel.

Die mentale Freiheit der Camper wurde durch drehbare Vordersitze, Küchenzeile nebst Spüle und Kühlschrank sowie einen zweiflammigen Kocher ausgelebt. Kocher und Kühlschrank ließen sich damals wie heute variabel mit Gas, 12-Volt-Bordstrom oder 220 Volt auf dem Campingplatz betreiben. Mehr ging damals wie heute nicht. Der braune Flockvelours auf den beiden Sitzbänken ist unter heutigen Gesichtspunkten ebenso reine Geschmackssache wie die bahama-beige Außenlackierung nebst Kontrastklebestreifen, die sich leicht verblasst auch in der winzigen Waschnische wiederfindet, die sich notfalls auch für eine mobile Toilette nutzen lässt.

Für einen Hauch Privatsphäre sorgt eine Tür als Sichtschutz zum Wohnraum. Mitte der 1980er Jahre war der Marco Polo auf Basis des Mercedes-Transporters eine der edelsten Möglichkeiten, mit einem kompakten Wohnmobil zu reisen. Im Gegensatz zu so manchem Wohnwagen verfügt der wohnliche Mercedes 209 D über ausstellbare Fenster – ebenfalls zeitgemäß in braun koloriert. Für warme Sommertage auf dem Campingplatz noch wichtiger: Fliegengitter und ausziehbare Rollos für die so wichtige Privatsphäre. Klimaanlage? Nicht dran zu denken und so blieb bei heißen Temperaturen allein der Durchzug oder der Sprung in See oder Meer.

Für die Fahrt zum nächsten Domizil präsentiert sich der 209er-Fahrerarbeitsplatz ebenso wenig luxuriös wie die restliche mobile Wohngelegenheit aus den 80ern. Das Zweispeichenlenkrad zeigt die Abstammung von einem kleinen Truppentransporter und die Instrumentierung könnte karger kaum sein. Neben dem Tachometer, der eine imaginäre Geschwindigkeit von bis zu 140 km/h in Aussicht stellt, gibt es kleine Runduhren für Zeit, Tank und Wassertemperatur. Rechts daneben: Heizungsregelung, Lüftung, Ascher und ein Becker Radio, das für Stimmung auf den langen Fahrten sorgte, die nicht endlos gewesen sein können. Der Kilometerzähler zeigt nicht einmal 130.000 Kilometer an. Viel unterwegs war der Asienerkunder Marco Polo mit diesem Gefährt nicht.

Im Wohnbereich hinten lässt sich über einen ebenfalls braun gefärbten Drehregler die Eberspächer Standheizung justieren – frieren musste im Marco Polo auch vor knapp vier Jahrzehnten niemand. Praktisch, dass man zum Entern des Wohn-Ess-Schlafzimmers nicht zwangsläufig die grobschlächtige Schiebetür auf- und zuwuchten muss, was wohl so manche Kurzzeitfreundschaft auf dem Campingplatz gekostet hätte. Leise schließen jedoch auch die beiden Fronttüren nicht und so weiß die Umgebung nächtens immer, wenn die Nachbarschaft unterwegs ist. Einen Marktpreis für einen solchen Mercedes 209 D im originalen Marco-Polo-Trimm zu finden ist nicht einfach, denn es sind praktisch keine Fahrzeuge auf dem Markt. Wenn man einen findet und in die Campinghistorie eintauchen will, sollte einem das je nach Pflegezustand mehr als 25.000 Euro wert sein.

TEXT Stefan Grundhoff für WALTER

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