Mercedes-Benz 500 SEL 6.0 AMG ‚Red Baron‘.

Es gibt AMG-Modelle – und es gibt Automobile wie diesen 500 SEL 6.0 AMG, besser bekannt als „Red Baron“. Ein Einzelstück aus dem Jahr 1983, entstanden in jener wilden Frühphase von AMG, als Affalterbach noch unabhängig agierte und die amerikanische Kundschaft nach immer extremeren Interpretationen der S-Klasse verlangte.

Das in Orientrot lackierte Fahrzeug stammt aus der Sammlung von Richard Buxbaum, Gründer von AMG North America und steht für ein faszinierendes Kapitel der AMG-Geschichte in den USA. 

Bestellt wurde der Wagen im März 1983 von William „Wild Bill“ Witz aus Illinois – einer schillernden Figur der frühen AMG-USA-Story, enger Vertrauter von Hans Werner Aufrecht und Anteilseigner am AMG-Vertrieb von Richard Buxbaum. Witz wusste genau, was AMG-Kunden erwarteten, weil er selbst einer von ihnen war.

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Schon die Spezifikation las sich wie ein Manifest: vollständiges AMG-Aerodynamikpaket, 16-Zoll-Penta-Felgen in Wagenfarbe, monochrome Anbauteile, ein AMG-Bilstein-Sportfahrwerk mit „Computer“-Abstimmung. Innen setzte Gemballa auf erweitertes Leder, rote Kontrastnähte, Sondertürverkleidungen und ein aufwendig integriertes Clarion-Soundsystem samt Autotelefon – damals ein ultimativer Ausdruck von Status und Exklusivität.

Technisch erhielt der ursprüngliche 5,0-Liter-V8 ein AMG-Tuning-Kit samt Sportabgasanlage. Nach der Fotoproduktion für den AMG-Katalog wurde der Wagen im Juni 1983 nach Chicago ausgeliefert und im September – nach US-Homologation – an Witz übergeben.

Die Ära Fingold: Vom 5,0- zum 6,0-Liter

1986 wechselte der Wagen zurück zu AMG North America und wurde umgehend an den kanadischen Industriellen J. Paul Fingold verkauft – einen „Super-Client“, der seine Fahrzeuge zwischen Kanada, Florida und diversen US-Immobilien rotieren ließ.

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In dieser Phase erhielt der Red Baron seine entscheidende Transformation. Zunächst wurde in Kanada das US-homologierte Gen-II-AMG-Optikpaket montiert, inklusive des seltenen, nur in den USA angebotenen Frontspoilers im SEC-Stil. 

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Noch bedeutender war jedoch das Motor-Upgrade. Basis war ein 5,6-Liter-V8 aus einem verunfallten 560 SEL mit geringer Laufleistung. Daraus entstand – höchstwahrscheinlich unter Mitwirkung von AMG North America in Chicago und dem legendären Motorenspezialisten John Hadjuk von Motorkraft – ein auf 6,0 Liter aufgebohrtes Aggregat.

Der Motor erhielt neu ausgewuchtete Innereien, bearbeitete Zylinderköpfe, groß dimensionierte Ansaugrohre und eine angepasste Bosch-KE-Einspritzung. Kombiniert wurde das Ganze mit einem modifizierten Viergang-Automatikgetriebe, Sperrdifferenzial, AMG-Sportfahrwerk und einer maßgefertigten Abgasanlage.

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Eine besonders kuriose Lösung: ein versteckter Zusatztank, dessen Geber so modifiziert wurde, dass die Tankanzeige die erhöhte Reichweite korrekt darstellt – ein typisches Detail aus der AMG-Sonderwunschwelt jener Zeit.

Jahrzehnte im Verborgenen

1992 verkaufte Fingold den Wagen weiter nach Ontario, später gelangte er in die USA. Ab 2002 verschwand der Red Baron nahezu vollständig aus der Öffentlichkeit und wurde eingelagert. Erst im Juni 2023 tauchte er wieder auf – mit lediglich rund 39.750 Meilen auf dem Tacho.

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Viele Unterlagen gingen im Laufe der Jahre verloren, weshalb die Historie über Monate hinweg rekonstruiert werden musste. Richard Buxbaum und „Wild Bill“ Witz waren schließlich selbst an der Rückführung beteiligt.

Restaurierung ohne Kompromisse

Zwischen September 2024 und Januar 2026 wurde der Wagen in Chicago umfassend mechanisch und kosmetisch überarbeitet – Investitionen von über 50.000 US-Dollar flossen in Technik und Aufbereitung. Dazu gehörten große Wartung, neue Steuerkette samt Spanner, komplette Überholung des Kraftstoffsystems, neue Bilstein-Dämpfer, Pirelli Cinturato P7-Reifen, Motorlager, Abgasanlage, Neulackierung der Aero-I-Felgen in Orientrot sowie eine vollständige Lackkorrektur mit Keramikversiegelung.

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Heute präsentiert sich der Red Baron technisch wie optisch in exzellentem Zustand. Mit aktuell rund 41.200 Meilen ist er ein authentisches Zeitdokument jener Phase, in der AMG noch radikal, kundenspezifisch und beinahe grenzenlos agierte. Der Schätzpreis liegt zwischen 150.000 und 200.000 US-Dollar. 

FOTOS Courtesy of RM Sotheby’s

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