Rekonstruktion eines Grenzgängers: Der Auto Union „Lucca“.

In den 1930er-Jahren war der Automobilbau von einer rasanten Jagd nach Geschwindigkeitsrekorden geprägt. Nach dreijähriger Arbeit präsentiert Audi Tradition nun den Neuaufbau der legendären „Rennlimousine“, die 1935 in Italien die 320-km/h-Marke knackte.

Mitte der 1930er-Jahre lieferten sich die Auto Union AG und Daimler-Benz einen erbitterten Wettstreit um die technische Vorherrschaft. Nachdem Rudolf Caracciola für Mercedes im Oktober 1934 mit 316,6 km/h vorgelegt hatte, stand die Zwickauer Rennsportabteilung unter Zugzwang. Die Basis für den Konter bildete der Auto Union Typ A, dessen 16-Zylinder-Motor für die Saison 1935 weiterentwickelt wurde.

Effizienz durch Aerodynamik

Ein entscheidender Faktor war die Karosserie. Erstmals flossen Erkenntnisse aus dem Windkanal der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof direkt in die Konstruktion ein. Das Ergebnis war eine strömungsoptimierte, geschlossene Silhouette mit vollverkleideten Rädern und einer markanten Heckfinne. Der im Frühjahr 2026 am Neuaufbau gemessene Luftwiderstandsbeiwert von cW=0,43 belegt die damalige Vorreiterrolle in der Aerodynamik.

Angetrieben wurde der Rekordwagen von einer frühen Version des 16-Zylinders, der aus knapp 5 Litern Hubraum eine Leistung von 343 PS schöpfte. Um das Gewicht zu senken, setzten die Ingenieure konsequent auf Leichtbau und eine glattflächige Außenhaut.

Die Rekordjagd in der Toskana

Die Suche nach einer geeigneten Strecke führte das Team im Februar 1935 über Ungarn und Mailand schließlich nach Lucca. Auf einem fünf Kilometer langen Teilstück der Autostrada zwischen Pescia und Altopascio herrschten ideale Bedingungen. Am 15. Februar erreichte Hans Stuck dort eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 320,267 km/h über die fliegende Meile. In der Spitze wurden 326,975 km/h gemessen. Damit galt der Wagen kurzzeitig als schnellster Straßenrennwagen der Welt.

Thermische Grenzen auf der Avus

Doch die extreme Stromlinienform hatte technische Nachteile. Beim internationalen Avus-Rennen im Mai 1935 zeigte sich die mangelnde Standfestigkeit unter Dauerlast. Die geschlossene Karosserie verhinderte eine ausreichende Kühlung des Motors. Sowohl Bernd Rosemeyer als auch Prinz Hermann zu Leiningen mussten ihre Fahrzeuge vorzeitig abstellen – Letzterer aufgrund eines Kühlwasserschadens. Die Technik war für den Sprint optimiert, aber der thermischen Belastung eines Rundstreckenrennens noch nicht gewachsen.

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Der Neuaufbau 2026

Da nach dem Zweiten Weltkrieg alle Originalfahrzeuge als Reparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert wurden und dort verschollen sind, beauftragte Audi die britischen Experten von Crosthwaite & Gardiner mit einer Rekonstruktion. Auf Basis historischer Fotos und Archivdokumente entstand in dreijähriger Handarbeit ein authentisches Abbild.

Um die Langlebigkeit bei heutigen Demonstrationsfahrten zu gewährleisten, wich man in Details vom Original ab: Im Heck arbeitet nun das standfestere 6-Liter-Aggregat des Typ C, das optisch identisch ist. Zudem wurde das Kühlsystem leicht modifiziert, um die thermischen Probleme der 1930er-Jahre zu umgehen. Der Wagen ergänzt nun die historische Sammlung von Audi und soll im Juli 2026 beim Festival of Speed in Goodwood erstmals eingesetzt werden.

Technische Daten Auto Union Luca (2026)

Baujahr2026 (Rekonstruktion nach Plänen von 1935)
Motor16-Zylinder-V-Motor mit Kompressor
Hubraum6.005 ccm (analog Typ C von 1936)
Leistung520 PS (382 kW) bei 4.500 U/min
KraftstoffGemisch: 50% Methanol, 40% Super bleifrei, 10% Toluol
Abmessungen (L/H/B)4.570 / 1.200 / 1.700 mm
Radstand2.800 mm
Leergewicht960 kg
AußenfarbeCellulose Silver
StückzahlUnikat
Höchstgeschwindigkeitk. A. (Historischer Wert 1935: 326,975 km/h)

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