WERBUNG

Audi S2 Coupé. Der Nachfolger.

Das Audi S2 Coupé trat 1990 das schwere Erbe des Ur-Quattro an. Bei der Entwicklung gab es einige Hürden zu überwinden, was den Spaß, den das Allrad-Auto 31 Jahre später macht, nicht schmälert.

Der Audi S2 war eigentlich nicht geplant. Ähnlich emotionslos wie bei einer ungewollten Schwangerschaft verlief auch die Präsentation 1990 auf der Motorshow in Birmingham. Im Gegensatz zu Glanz-Messen wie der IAA in Frankfurt oder gar Genf war das Stelldichein in den West Midlands ähnlich glamourös wie Castrop-Rauxel im Vergleich zu New York. Um diese stiefmütterliche Behandlung des Audi S2 zu verstehen, muss man sich seine Entwicklungsgeschichte anschauen.

Der Ur-Quattro war für Audi ein Identitätsstifter, eine Fahrmaschine erster Güte. Lenkradartisten wie Walter Röhrl fuhren in den Sportversionen der Konkurrenz um die Ohren und verwandelten das Image der Marke mit den vier Ringen in ein sportliches. Doch auch die Zeit des Ur-Quattro war einmal vorbei. Also musste ein Nachfolger her. Die Ingolstädter Ingenieure erklärten, dass eine Transplantation des modifizierten Antriebsstrang des Ur-Quattros in das Coupé der Baureihe B3 nicht machbar sei oder sehr viel Geld kosten würde. Vor allem der finanzielle Aspekt war ein Totschlagargument. Denn die Prognosen der Verkaufszahlen lagen weit hinter den Erwartungen zurück.

„Sollen sich doch andere an dieser Aufgabe versuchen“, haben sich die Ingolstädter Techniker vermutlich gedacht und gaben den Auftrag an die Konrad Schmidt Motorsport GmbH, mit denen man auch in der DTM zusammenarbeitete, um das schwer Machbare möglich zu machen. Die Spezialisten aus Cadolzburg machten sich sogleich an die Arbeit und bauten aus Komponenten eines Audi 200 Quattro ein Coupé mit dem Fünfzylinder-Vierventilmotor auf. Also galt auch hier: geht nicht, gibt es nicht. Diese Lösung überzeugte auch die Skeptiker in Ingolstadt und führte zu einem offiziellen Entwicklungsauftrag.

Bis zur Serienreife gab es noch genug zu tun. Vor allem in Anbetracht der beschränkten finanziellen Mittel. „Hier wurde eine machbare Packaging-Lösung entwickelt“, fasst Audi-Historiker Ralf Friese zusammen. Das Budget für den S2 war eng geschnürt. Machbar hieß eben auch kostengünstig. Das Getriebe war ein Ritt auf des Messers Schneide. Für ein stärkeres Getriebe war im Mitteltunnel definitiv kein Platz, also musste die bewährte B80-Schaltung herhalten. Das Problem war das Drehmoment des 2.2 Liter-Triebwerks, das auf 390 Newtonmetern begrenzt werden musste, damit einem nicht die Zahnräder um die Ohren fliegen. Ganz nebenbei verkleinerten die Techniker noch den Ladeluftkühler, damit er in den Motorraum passte. Doch nicht bei allen Bauteilen hatte man bei Audi einen Igel in der Tasche: Die Heckklappe war aus mehreren Vollkunststoffteilen aufwendig gefertigt.

Nachdem die Lösungen gefunden waren, ging es an die Erprobungsfahrten. Um einen Rückstand aufzuholen, ließ Versuchsleiter Fritz Naumann den Prototypen des S2 in Afrika so richtig fliegen. Noch heute erzählen sich die Beteiligten von der Vollgasorgie und den Standing Ovations für den Manager als das Auto am Zielpunkt ankommt.

Wir sitzen in einem Coupé aus dem Jahr 1990, erkennbar an den polierten Fünfsternfelgen, während beim Nachfolger die Avus-Showcar nachempfunden gleichnamigen Felgen montiert waren. Mit dem S2 Coupé wurde der vom V8 bekannte Plakettenkühlergrill im B-Segment eingeführt. Die übrigen Coupés erhielten ihn im Rahmen eines Facelifts erst im Frühjahr 1991. Der flotte Audi kam im September des Jahres 1990 für 72.450 DM auf den Markt.

Die Sitze sind bequem und die Lenkung verlangt weniger Muskelkraft, als das beim Ur-Quattro der Fall ist und das Fahrwerk signalisiert, dass es den Rücken der Insassen auf langen Strecken nicht malträtiert. Auch wenn das Drehmoment ein wenig kasteit ist, ist der aufgeladene Fünfzylinder das Sahnestück des Audi S2 Coupés. Bei aller Kraft ist dieses Aggregat alles andere als ein Schreihals. Herrlich sonor beschallen die fünf Töpfe den Innenraum und signalisieren dem Fahrer „ich bin bereit, wann immer Du es bist“.

Ab 2.000 Umdrehungen macht sich so langsam der Turbolader bemerkbar, der dann ab 3.000 Touren für satten Vortrieb sorgt. Kein plötzlich einsetzender Dampfhammer wie das früher der Fall war, diesem Turbo merkt man an die Erziehung zu einem sittsamen Verhalten an. Dass lediglich 1.290 Kilogramm schwere S2 Coupé beschleunigt geschmeidig bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h.

Insgesamt wurden vom Coupé bis zum Dezember 1990 genau 7.370 Exemplare gebaut. Die S2 Limousine und der S2 Avant kamen erst später auf den Markt und hatten schon den Facelift-Motor mit 230 PS und Sechsgangschaltung. Dennoch erreichten beide Modelle nicht die Beliebtheit des Coupés. Von der Limousine wurden lediglich 300 Stück gebaut und vom Avant waren es 1.818 Exemplare.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

LESENSWERT.