Brot und Butter 911. Wie AC/DC mit Bon Scott.

Susanne Marack ist Baujahr 1988, besitzt leider nur neun Autos und ist beruflich eigentlich mehr mit Dodge und RAM Trucks unterwegs. Sie ist Automobilistin, Nostalgikerin und Musikfan. Diese drei Leidenschaften hat die Münchnerin jetzt für uns zusammengefasst: in ihrer ganz persönlichen Brot-und-Butter-Corona-Beute-Porsche-Geschichte …

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Einfach nur roh, ein bissl dreckig, etwas derb, aber vor allem authentisch, alt und unfassbar cool. So würde ich nicht nur meine Lieblingsplatten von AC/DC bezeichnen. Insbesondere auf meinen „Zweitelfer“ trifft diese Beschreibung perfekt zu. Und aus derselben Zeit kommt „Niki“ auch noch.

Im August 1974 traf die Band auf den Mann, der ihren Stil prägen sollte wie kein anderer. Zeitgleich wurden in Stuttgart die ersten Porsche 911 mit großen Stoßstangen gefertigt. Mega, nicht nur die Bumpers. Einige Monate später, im Oktober, war Bon schließlich Sänger von AC/DC und nochmal ein Jahr darauf lief auch Niki vom Band. Allerdings noch etwas braver als die australische Band damals unterwegs war. Ein biederes Kfz, Ausstattungsfetischisten würden von einem Brot-und-Butter-Porsche sprechen. Kein Radio, kein Sonnendach, schmales Modell mit 2.7 Liter Motor. Farbe W1 Platindiamant. Innenausstattung Nadelstreifenvelours schwarz. Quasi ein optisch und preislich wahr gewordener Buchhaltertraum aus Zuffenhausener Fertigung.

Ein halbes Dutzend Eigner und 46 Jahre später fand Niki dann seinen Weg zu mir. Dazwischen lagen auch ein Seitenschuss vorne rechts, etwas Spachtelmasse und eine liebevolle Neulackierung in Baumarktsilber metallic. Der Schaden war aber gut gerichtet worden und der auch ansonsten rostfreie Zustand sicher der mit dem Baujahr eingeführten Verzinkung zu verdanken. Aber wer kauft so ein Auto und warum?

Ein paar Leute wie mich, die einen Porsche eben lieber fahren, als seine Wertsteigerung in Excel-Tabellen zu dokumentieren, gibt es ja doch noch. Leute, die für Assistenzsysteme und Komfort nicht viel übrig und kein großes Budget haben. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich schon seit Beginn der Pandemie von der Idee besessen war, einen „Corona-Schuss“ zu machen, was sich nun ausnahmsweise nicht auf eine Impfung bezieht. Ganz früh in 2021 dachte ich mir, wenn nicht jetzt zu einem guten Kurs, wann dann soll er kommen, wann sonst als in der vielleicht allerletzten Talsohle der Preisgefüge sollte ich ihn mir leisten können, den zweiten 911 im eigenen Fuhrpark. Eine Backdate-Basis. Vielleicht eines Tages optisch ein 911 RS. Vielleicht ein Clubsportauto?

Nach einigen Jahren mit 3.2, G50 und Breitbau war ich nicht nur ein besserer Autofahrer geworden, ich wusste auch, dass bei der unfassbaren Vielfalt an Porsche-Settings ein einziger 911 nicht genug für mich war. Und dass es gerne etwas weniger brav zu Sache gehen dürfte, wie bei AC/DC in den späten 1970ern. Der Sportsgeist war eben nach zigtausend Kilometern mit der Endausbaustufe des G Modells geweckt und ein spritziger Zweitwagen musste her.

Sportliche Ambitionen hatten Niki und einer seiner Vorbesitzer schon Anfang der 2000er gezeigt: der originale 2.7 war einem 3.0 SC Motor gewichen. OIdschool! Mechanische Einspritzung. Geil. 915 4-Gang Getriebe. Anders. Die Drehstäbe voll runtergedreht, die Fuchs-Tribute-Felgen schwarz lackiert und mit dem tief geschüsselten OMP-Lenkrad schonmal ein perfekter Ansatz für die künftige Gestaltung des Innenraums. So stand er da, einige Kilometer hinter Straubing, einen Waldspaziergang entfernt vom privaten Röhrl Walter.

Und jetzt steht er bei mir im Keller. Eigentlich wollte ich ja nur eine Basis kaufen und für später wegstellen, wenn ich Geld zum Backdaten hätte. Für mich wäre ohnehin nur ein 70er Jahre 911 als Basis für einen F-Modell-Umbau in Frage gekommen. Das Basisauto muss schon passen für sowas, insbesondere technisch. Und gerade die authentische Technik und der unbeschreibliche Spaß, den mir dieses Auto auf vergleichsweise wenigen Kilometern schon gebracht hat, die rohe Attitüde von Niki machten mir genau da einen Strich durch die Rechnung. Keine vier Monate sollte er stehen, schon war das Auto angemeldet und auch wenn für die optische Alterung von circa zwei Jahren noch viel gespart werden muss, für einen Bürzel und einen Satz Vor-Facelift-Außenspiegel hat’s schon gereicht. Weiter dann irgendwann. 

It’s a long way to the top if you wanna Rock ’n’ Roll.

TEXT Susanne Marack für WALTER #13
FOTOS Tobias Weese

LESENSWERT.