Porsche Boxster. Kaufberatung.

Der Porsche Boxster der Modellreihe 986 gilt als ein Fahrzeug, mit dem für wenig Geld viel Fahrspaß haben kann. Allerdings kann sich der Roadster auch schnell in ein Groschengrab verwandeln.

Manche Automobile werden ihren Makel nur ganz schwer los. Der Porsche Boxster ist so eines. Wenn man bei Männer-Stammtischen so mutig ist seinen Zündschlüssel mit dem Zuffenhausener Wappen auf den Tisch zu legen, folgt mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einem selbst ernannten Auto-Kenner die Frage: „S oder 4S“?“ Gemeint ist die Antriebsart eines waschechten Porsche 911ers. Wenn man dann etwas verschämt murmelnd mit „Boxster“ antwortet, ermittelt die Stochastik unter Einbeziehung des Homo Sapiens Zuffenhausenus ebenso sicher die spöttische Replik „Ach so, der Hausfrauen-Porsche“.

Mittlerweile ist dieses Attribut dank 400 PS-GTS Versionen des Roadsters längst obsolet, hat aber ihren Ursprung beim Erscheinen der ersten Boxster-Generation mit dem Baureihencode 986. Der Sechszylinder-Boxer-Motor ist mit seinen 204 PS sicher keine unbändige Rennmaschine, aber dank des Gewichts des Fahrzeugs von nur 1.250 Kilogramm ist man dennoch recht schnell unterwegs. Solange man in einem Exemplar mit Handschaltung sitzt. Die Tiptronic mag beim Elfer mit deutlich mehr Motorenkraft noch einigermaßen passen, beim 986er Boxster tut man gut daran, manuell die Fahrstufen per Knopfdruck zu wechseln.

Fahrdynamisch ist dieser erste Boxster deutlich besser als sein Ruf. Das liegt zum einen am agilitätsfördernden Mittelmotorkonzept und zum anderen an der Tatsache, dass die Baureihe 986 laut dem Designer Harm Lagaay identisch mit dem Porsche 911 (996) ist. Das ist auch der Grund, warum der Serien-Boxster etwas länger ist und eine andere Front hat, als die in Detroit im Jahr 1993 vorgestellte Studie. „Nur so konnten wir das Gleichteilkonzept realisieren und beide Autos auf eine Plattform stellen“, erinnert sich Harm Lagaay.

Durch diese Synergieeffekte rentierte sich der Bau des Boxsters und die Roadster avancierte trotz des durchaus ambitionierten Grundpreises von 76.500 D-Mark zum Retter des wirtschaftlich angeschlagenen Zuffenhausener Sportwagenbauers.

Ob es den gusseisernen 911er Fans gefällt oder nicht, im Boxster steckt als weit mehr Männer-Porsche, als ihnen lieb ist. Mit den identischen Bauteilen hat der Boxster aber auch die Problemstellen des großen Bruders geerbt. Zumal auch der Antriebsstrang weitestgehend identisch ist. Das bedeutet auch, dass ein altbekanntes Problem des Porsche 996 auch bei der ersten Boxster-Generation vorkommt. Stichwort: undichter Kurbelwellensimmering. Der Austausch dieses Pfennigteils kann je nach Werkstatt locker einen hohen dreistelligen Betrag kosten.

Daher lohnt es sich beim Kauf eines 986er-Boxsters sich die Servicehistorie zeigen zu lassen. Wurde der Simmering bereits getauscht, stehen die Chancen gut, dass man zumindest eine ganze Weile von diesem Thema verschont bleibt. So oder so lohnt sich ein Blick unter das Auto. Ist das Getriebe trocken, ist das ein guter Indikator dafür, dass auch der Kurbelwellensimmering noch intakt ist.

Generell lohnt es sich diese neuralgische Stelle regelmäßig zu kontrollieren. Die Laufleistung des Motors ist dabei nicht alleinentscheidend. Einige Betroffene berichten davon, dass das Problem unterhalb einer Laufleistung von 50.000 bis 60.000 Kilometern auftrat, manche mussten erst jenseits der 100.000-Kilometer-Grenze bei der Werkstatt vorstellig werden. Bei dieser Marke können auch schon die Stoßdämpfer den Geist aufgeben.

Das Lebensalter des Vorbesitzers kann ein guter Hinweis auf dessen Fahrstil sein. Eine möglichst vollständige Wartungshistorie verringert auch bei einem Porsche Boxster die Chancen auf eine unliebsame Überraschung. Seltener ist schon ein Bruch des Zwischenwellenlagers. Wenn dieses Bauteil seinen Geist aufgibt, wird es sehr teuer.

Weitere kritische Punkte sind die Lambdasonden und der Luftmassenmesser. Da die Modelle der ersten Generation schon einige Jahre auf dem Buckel haben, sollte man sich auch die Heckscheibe des Verdecks genau anschauen, denn die ist aus Plexiglas und altert. Daher wird das Material mit der Zeit poröser und zudem blinder. Wenn Risse oder Knicke in der Scheibe zu sehen sind, könnte bald ein Tausch anstehen.

Grundsätzlich ist die Qualität beim Boxster porschetypisch gut, allerdings muss man bei den Ersatzteilen mit dem üblichen Premium-Aufschlag rechnen. Schaut man sich bei den gängigen Automobilbörsen um, finden sich Angebote des Boxsters 986 von unter 10.000 Euro. Diese vermeintlichen Schnäppchen können aber schnell zum Groschengrab werden, wenn die Reparaturkosten zuschlagen.

Der Porsche Boxster bringt Fahrspaß. Die Basismotorisierung mit 204 PS ist für ausgesprochene Agilitätsfans nicht zwingend die erste Wahl, aber in den Kurven macht auch diese Variante Freude. Wie bereits erwähnt, ist die Fünfgang-Tiptronic eher mäßig, wenn man mit der ersten Generation des Porsche Boxster seinen echten Spaß haben will.

Schon mit dem Modelljahr 2000 bohrt Porsche den Sechszylinder des Roadsters auf einen Hubraum von 2,7 Liter auf. Damit einher geht eine Leistungssteigerung auf 220 PS. Wir würden mindestens zu diesem Modell greifen, zumal die weitere Aufrüstung des Triebwerks zum Modelljahr 2003 auf 228 PS nur eine marginale Leistungssteigerung darstellt.

Echtes Porsche-Feeling kommt mit den S-Varianten auf, die es schon ab 2000 auf 252 PS bringt, später (2003) werden 260 PS daraus. Ein Vorteil der Boxster S-Varianten ist auch die Sechsganghandschaltung, damit eine Fahrstufe mehr als die Basisversionen.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

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